Reederei Rickmers Die schlechten Nachrichten häufen sich

Nach den schlechten Zahlen der Traditionsreederei kann nun die in Singapur ansässige Tochter ihre Zinsen nicht mehr zahlen. Bertram Rickmers hat allerdings vorgesorgt.

Die Hamburger Traditionsreederei Rickmers machte zuletzt hohe Verluste. Quelle: dpa Picture-Alliance

Es sieht so aus, als habe Bertram Rickmers gerade rechtzeitig die Reißleine gezogen. Die Reederei Rickmers Maritime, eine in Singapur ansässige Tochterfirma des Hamburger Unternehmens, kann die fälligen Zinsen nicht mehr zahlen. Das teilte die Rickmers-Tochter in dieser Woche mit. Anleger warten seit dem 15. November auf die Zahlung, 4,26 Millionen Singapur-Dollar hätte die börsennotierte Charterreederei zahlen müssen.

Bis Dienstag hat Rickmers Maritime nun Zeit, die Zinsen noch zu zahlen, danach würde der Ausfall angenommen, Geldgeber könnten dann ihre Kredite fällig stellen. Wäre das der Fall, teilt das Unternehmen mit, könnten die Geschäfte wohl nicht fortgeführt werden. Die Anleihe wurde zunächst vom Handel ausgesetzt.

Reeder Bertram Rickmers dürfte die Misere befürchtet haben, denn er hat seine Anteile an einer Gesellschaft namens Rickmers Trust Management, die als geschäftsführendes Vehikel der Rickmers Maritime diente, erst vor kurzem verkauft. So fließen die Ergebnisse von Rickmers Maritime nicht mehr in die Zahlen der Hamburger Rickmers Gruppe ein, obwohl Rickmers weiterhin rund 34 Prozent an Rickmers Maritime hält.

Marktanteile der größten 10 Container-Reedereien

In einer Pressemitteilung erklärt die Rickmers Holding, der Ausfall der Anleihe-Zinszahlung von Rickmers Martime habe keine Auswirkungen auf die Finanzierungen der Rickmers Holding und ihrer Tochtergesellschaften.

Brisant ist allerdings, dass der Käufer laut Medienberichten die Brick Holding International ist. Die gehört Bertram Rickmers selbst. Der Hamburger Reeder hat sich seine kriselnde Tochterfirma damit selbst abgekauft. "Solche Verkäufe innerhalb des eigenen Unternehmens sind in der Regel ein schlechtes Zeichen", sagt ein Restrukturierer. Bertram Rickmers nimmt ein Verlustgeschäft in Kauf, um die Bilanz seines Hauptunternehmens stabiler wirken zu lassen. Einen Anteil von rund 34 Prozent hält die Rickmers Gruppe allerdings weiter an Rickmers Maritime.

Deshalb sind die Nachrichten aus Singapur auch für die Hamburger Gruppe bedenklich. Erst in der vergangenen Woche musste Rickmers hohe Verluste melden. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sanken die Umsätze der Traditionsreederei um 15 Prozent, das operative Ergebnis fiel sogar um fast ein Drittel auf 136,8 Millionen Euro. Zudem wird das Konzernergebnis durch außerordentliche Abschreibungen auf einen Teil der Flotte belastet. Insgesamt bleibt ein "Fehlbetrag von 198,7 Millionen Euro", wie die Reederei mitteilte. Zum Vergleich: im Vorjahr lag das Minus nur bei 94,2 Millionen Euro.

Die schlechten Zahlen sorgten in der Folge auch dafür, dass die Ratingagentur Creditreform das Unternehmen von CCC auf CC herunterstufte. Offenbar zweifeln die Analysten zunehmend an der Hamburger Gruppe, deren 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe 2018 fällig wird. Ein größeres Problem dürften allerdings Rickmers bald fällige Bankkredite sein. Die Geldinstitute haben der Reederei über 1,4 Milliarden Euro geliehen, 545 Millionen Euro davon müsste Rickmers binnen eines Jahres zurückzahlen, falls die Banken der Reederei keinen Aufschub gewähren. Nun heißt es, die Gruppe habe Anträge an die Kernhausbanken gestellt, "um unter anderem ein auf die Schifffahrtskrise angepasstes Tilgungsprofil (...) zu vereinbaren". Ob das allerdings klappt ist fraglich, schließlich leiden Schiffsbanken wie die HSH Nordbank selber stark unter der Krise.

Die Reederei leidet unter der jahrelangen Schifffahrtskrise. Auf den Weltmeeren gibt es zu viele Schiffe für zu wenig Waren. Acht Jahre hält die Krise nun schon an, eine schlimmere Flaute hat die Branche nie erlebt. Und Rickmers dürfte die Krise besonders hart treffen. Die Hamburger vermieten ihre Schiffe, oft inklusive Crew, an andere Reeder. Doch die wollen zuerst ihre eigenen Schiffe füllen. Wenn sie noch Schiffe mieten, dann nur zu Tiefstpreisen. Hinzu kommt, dass Rickmers vor allem kleine Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 4500 Containern zu seiner Flotte zählt. Diese Frachter bringen häufig nur noch 5000 US-Dollar Miete am Tag ein, das deckt kaum die Betriebskosten.

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