Rohstoffe Der niedrige Ölpreis ist ein Systemrisiko

Autofahrer freuen sich derzeit über niedrige Spritpreise. Doch dabei vergessen viele: Weltpolitische Krisen können auch von zu niedrigen Rohölnotierungen ausgehen.

Quelle: REUTERS

Nachdem die Opec auf ihrer 166. Sitzung am vorvergangenen Donnerstag in Wien beschlossen hatte, an ihrem Produktionsziel von 30 Millionen Barrel pro Tag festzuhalten, sind die Ölpreise binnen zwei Tagen um gut zehn Prozent eingebrochen. Gemessen an dem Mitte Juni erreichten Jahreshoch von 115,71 Dollar pro Barrel verbilligte sich Brentöl um fast 42 Prozent. Mit diesem Absturz dürften auch die letzten Ölbullen kapituliert haben. So gesehen ist ein erneuter Preisrückgang unter 68 Dollar vorerst nicht zu erwarten.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Darauf deutet auch das One-Day-Reversal am vergangenen Montag hin. Nachdem Brentöl zunächst um 2,52 Dollar abrutschte, ging es bis Handelsschluss um gut fünf Dollar nach oben. Die technischen Indikatoren hatten zuvor Extremwerte erreicht wie zuletzt während des Preiscrash von 1986.

Auch damals wollte das wichtigste Opec-Mitglied Saudi-Arabien verlorene Marktanteile zurückgewinnen. In den 1980er Jahren hatte das Nordsee-Öl für ein weltweites Überangebot gesorgt, heute der durch Fracking ausgelöste Schieferölboom in den USA kombiniert mit einem nachlassenden Nachfragewachstum aus China. Den US-Ölboom wollen die Saudis abwürgen, indem sie ihren Ölhahn nicht zudrehen.

Welchen Staaten der niedrige Ölpreis besonders schadet
Erdölförderung Quelle: dpa
Ölförderung in Saudi-Arabien Quelle: REUTERS
Ölförderung in Russland Quelle: REUTERS
Oman Ölpreis Quelle: Richard Bartz - eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
Öl-Leitung im Niger-Delta Quelle: dpa
Ölförderpumpe in Bahrain Quelle: AP
Venezuela Ölförderung Quelle: REUTERS

Bei einem Preis von 70 Dollar und tiefer machen die meisten US-Schieferölproduzenten Verluste, sagt Henry To, Chefanlagestratege von CB Capital Partners aus Newport Beach in Kalifornien. Tatsächlich gibt es bereits erste Anzeichen, die auf eine Einschränkung der Schieferölproduktion hindeuten.

So gingen die Genehmigungen für neue Bohrlöcher in Oktober um 15 Prozent zurück, im November gar um 40 Prozent. Für Maria van der Hoeven, geschäftsführende Direktorin der Internationalen Energie-Agentur in Paris, werden die Produzenten von unkonventionellem Öl derzeit auf ihre Wirtschaftlichkeit getestet wie nie zuvor.

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