Rückkehrer Einer von vieren kommt wieder

Warum deutsche Unternehmen Produktion heimholen.

Der Siegeszug der Steiff-Bären

Motorsägen, Kuscheltiere und Kochlöffel haben eines gemeinsam: Sie lassen sich besser in Deutschland herstellen als in Übersee. Zu diesem Ergebnis sind zumindest der Werkzeughersteller Stihl, der Spielzeugfabrikant Steiff und der Küchenutensilien-Produzent Fackelmann gekommen und haben die Produktion oder Teile davon wieder nach Hause geholt.

Die drei sind nicht die Einzigen, die mit ihren Fließbändern an hiesige Standorte zurückgekehrt sind. „Auf jeden vierten Verlagerer kommt mittlerweile ein Rückverlagerer“, sagt Steffen Kinkel, Professor und Experte für internationales Management an der Hochschule Karlsruhe. Alle drei Jahre befragt der Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung deutsche Unternehmen zur Organisation ihrer Produktion. Nach der neuesten Erhebung haben von 2010 bis Mitte 2012 acht Prozent von knapp 1600 erfassten deutschen Industriebetrieben Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert, während im gleichen Zeitraum zwei Prozent diese Entscheidung ganz oder teilweise zurückgenommen haben und nun wieder in der Heimat produzieren.

Kein Totalrückzug aus dem Ausland

Die Motive sind unterschiedlich, die drei Hauptgründe sind Währungsschwankungen, Qualitätsmängel im Ausland oder steigende Löhne in früheren Billiglohnländern. Der Motorsägenhersteller Stihl mit Hauptsitz in Waiblingen bei Stuttgart und 2,8 Milliarden Euro Umsatz etwa zog 2010 Teile seiner Produktion aus Brasilien zurück. Der Wechselkurs der Landeswährung Real war damals stark gestiegen und hatte die Löhne der lokalen Mitarbeiter sowie den Preis der dort hergestellten Kettensägen in die Höhe getrieben. Die Belegschaft am deutschen Stammsitz freute sich über zusätzliche Aufträge von 50 000 Geräten jährlich.

Alternativen zu China

Jedoch bedeutete die spektakuläre Rückholaktion keinen Totalrückzug aus dem Ausland. Denn das Währungsproblem betraf nur die für die internationalen Märkte bestimmte Produktion aus Brasilien. Für die mit lokalen Zulieferteilen speziell für den regionalen Markt gefertigten Sägen spielen die internationalen Wechselkurse keine Rolle. Die Produktion von Stihl in Brasilien mit insgesamt 2000 Mitarbeitern läuft daher weiter.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Der Kuscheltierhersteller Steiff aus Giengen an der Brenz bei Ulm dagegen machte 2010 die Produktion in China dicht, weil Qualität und Termintreue zu wünschen übrig ließen. Das biss sich mit dem Image der Marke mit dem Knopf im Ohr, die vom Vertrauen der Kunden in die Sicherheit und Sauberkeit der vor allem für Kinder gedachten Produkte lebt. Zudem waren die chinesischen Fabriken nicht flexibel genug, um vor Weihnachten die Fertigungsmenge zu erhöhen.

Bei Fackelmann schließlich führten steigende Löhne in China zur Revision der Standortentscheidung. Das Familienunternehmen mit 3500 Mitarbeitern und 329 Millionen Euro Umsatz schaffte zudem produktivere Maschinen in der Heimat an. Kochlöffel, Pfannenwender oder Abflusssiebe laufen seitdem wieder in Hersbruck nahe Nürnberg vom Band.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%