Rüstung Endlich mehr Sicherheit bei EADS

Nach dem Rückschlag in Indien muss die EADS ihr Rüstungsgeschäft grundlegend umbauen.

Was EADS mit Flugzeugen und Hubschraubern verdient
Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Gewinn gesteigert - und erhöht jetzt die Jahresprognose. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, fiel zwar der operative Gewinn im dritten Quartal um 15 Prozent auf 322 Millionen Euro - doch seit Jahresbeginn hat der Gewinn vor Steuern insgesamt um rund sieben Prozent zugelegt. Das operative Ergebnis stieg in den ersten neun Monaten von 770 auf 823 Millionen Euro. Das Bild zeigt EADS-Chef Louis Gallois (r.) und Airbus-Boss Tom Enders vor einer Airbus A400M. Quelle: Reuters
AirbusWichtigste Sparte von EADS. In der zivilen Sparte Airbus Commercial stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten um rund drei Prozent auf 21,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern fiel auf 306 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 328 Millionen). Die schlechte Nachricht: die Auslieferung des neuen Langstreckenflugzeugs A350 verzögert sich um sechs Monate. Das Bild zeigt einen A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Quelle: dpa
Die Verzögerungen bei dem neuen Flugzeug sind bitter. Der Langstreckenjet A350, der sich derzeit - mit Verspätung - noch in der Entwicklung befindet, gilt im Konzern als Hoffnungsträger. EADS meldete, dass es Fortschritte gebe, das Programm jedoch "herausfordernd" bleibe. Die Indienststellung ist eigentlich für die zweite Jahreshälfte 2013 geplant. Quelle: Reuters
Für Airbus Military gab es zuletzt einige Rückschläge: Der Zuschlag des US-Pentagons für Tankflugzeuge an den Rivalen Boeing, außerdem die Dauerquerelen um den verspäteten Truppentransporter A400M. Erst Anfang April hatten die sieben Käuferstaaten dein milliardenschweres Rettungspaket für den Militärtransporter besiegelt. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz auf 1,8 Milliarden Euro zu, nach 1,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Quelle: dpa
EurocopterDie Hubschrauber-Sparte legte in den ersten drei Quartalen sogar um 12 Prozent zu: Der Umsatz stieg von 3,1 auf 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 121 auf 157 Millionen Euro. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres hatte Eurocopter 81 Hubschrauber ausgeliefert. Das Bild zeigt Spaniens Kronprinz Felipe vor einen AS532 Cougar. Quelle: Reuters
AstriumDeutlich zulegen konnte auch die EADS-Raumfahrtsparte: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 6,6 Prozent von 3,2 auf 3,4 Milliarden Euro. Astrium liefert unter anderem Trägerrakten, Beobachtungs- und Telekommunikations-Satelliten. Das Bild zeigt Arbeiten am Antriebsmodul des Raumtransporters ATV-3 (Automated Transfer Vehicle). Der ATV-2 ist kürzlich mit einer Ariane-5-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Quelle: dapd
CassidianEinziger Sorgenbringer war in den ersten drei Monaten die Rüstungssparte. Hier ging der Umsatz von 3,5 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro zurück, der Gewinn vor Steuern schrumpfte von 204 Millionen auf 170 Millionen Euro. Die Sparte stellt unter anderem den Eurofighter her, der auf dem Foto zu sehen ist. Außerdem spürt Cassadian die angespannten Verteidigungshaushalte der europäischen Mitgliedsländer, was die Aufträge verzögert. Quelle: dpa
Deutschland will über die Staatsbank KfW beim Airbus-Mutterkonzern EADS einsteigen. Quelle: Reuters

Natürlich ärgert es einen Unternehmenschef, wenn er einen Auftrag über 20 Milliarden Dollar ausgerechnet an den bislang erfolglosesten Konkurrenten verliert. Doch EADS-Chef Louis Gallois blieb gelassen, als Indien sich am vergangenen Montag für den Kampfjet Rafale des französischen Dassault-Konzerns entschied und gegen den Euro-Fighter der EADS. So wertvoll die Order für die EADS gewesen wäre, der Verlust hat auch sein Gutes. Er offenbart, dass die EADS das Rüstungsgeschäft neu ausrichten muss. „Der Indien-Deal hätte zwar kurzfristig viel Geld gebracht, aber am Ende den Druck für den überfälligen Strukturwandel gemindert“, sagt ein Insider.

Bisher lebt das Cassidian genannte Rüstungsgeschäft der EADS von Großprojekten. Aber sie sind so teuer, dass die Käufer dann auf Jahre hinaus wenig Geld für andere Anschaffungen haben, wie das Beispiel des Militärtransporters A400M zeigt. Und die Projekte laufen so lange, dass die Modelle überholt sind, wenn sie endlich ausgeliefert werden. Beispiel: der Transporthubschrauber NH-90. Zudem sind die Produkte sicherheitspolitisch oft so sensibel, dass sie kaum exportiert werden dürfen. Aufgrund der klammen Verteidigungsministerien der Partnerländer wären solche Ausfuhren wirtschaftlich aber nötig.

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Um dem Druck zu entkommen, wollen Gallois und sein Nachfolger Tom Enders neue Wege gehen. Eher klassisches Gerät wie unbemannte Flugkörper baut die EADS in Kooperationen, etwa mit Rheinmetall. Das stärkste Wachstum sollen jedoch Produkte abseits des Waffengeschäfts bringen wie Datensicherheit oder Grenzüberwachung. Die sind nicht nur günstiger und simpler herzustellen. Sie lassen sich auch ohne Konflikt mit dem Kriegswaffenkontrollgesetz exportieren.

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