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Rüstungskonzern Bundesregierung steigt für 450 Millionen Euro bei Hensoldt ein

Deutschland sichert sich eine Sperrminorität beim Rüstungszulieferer. Die Bundesregierung begründet den Einstieg mit der Bedeutung Hensoldts für die Bundeswehr.

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Der Rüstungskonzern ist auf Sensorik und Verschlüsselungstechnik spezialisiert. Quelle: dpa

Deutschland steigt mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent beim bayerischen Rüstungszulieferer Hensoldt ein. Das Bundesverteidigungsministerium bezifferte den Kaufpreis für das Aktienpaket am Mittwochabend auf 450 Millionen Euro. Der Bund übernimmt den Anteil vom US-Finanzinvestor KKR, der die vormalige Airbus-Tochter 2016 gekauft und im September an die Börse gebracht hatte.

Die Bundesregierung begründete den Einstieg vor allem mit der Bedeutung von Hensoldt für die Bundeswehr. „Die Gewährleistung der sicherheits- und verteidigungsindustriellen Schlüsseltechnologien ist von besonderem nationalen Interesse“, hieß es in der Mitteilung. Das hatte der Bund bereits im Februar in einem Strategiepapier festgehalten.

Hensoldt ist auf Sensorik und Verschlüsselungstechnik spezialisiert. Das Unternehmen aus Taufkirchen bei München baut unter anderem Radarsysteme für den Eurofighter, Hightech-Kameras für Tornado-Flugzeuge sowie Panzer-Periskope.

Der Preis für das Paket entspricht 17,07 Euro je Aktie. Das ist ein Aufschlag von mehr als einem Drittel auf den Börsenkurs der Hensoldt-Aktie, bevor die Pläne vor dem Wochenende bekannt wurden. Seither ist die Aktie bis auf 14,90 Euro gestiegen. Die Summe liegt allerdings deutlich unter den 600 Millionen Euro, die der Bund mit KKR vor dem Börsengang als Maximalpreis ausgehandelt hatte. Vorher hatte sich Deutschland den Einfluss auf das Unternehmen mit einer Art „goldenen Aktie“ gesichert, was mit dem Börsengang obsolet wurde.

KKR hatte dem Bund eine Option zur Übernahme der Hensoldt-Anteile eingeräumt, die Ende des Jahres ausgelaufen wäre. Der Finanzinvestor, der vor vier Jahren gut 1,1 Milliarden Euro an Airbus gezahlt hatte, senkt seine Beteiligung an Hensoldt auf rund 43 von 68 Prozent.

Ausländischer Einfluss auf Hensoldt soll verhindert werden

Der Haushaltsausschuss habe den Einstieg am Mittwoch ohne große Debatte durchgewinkt, hieß es in Teilnehmerkreisen. Der Bund will mit der Sperrminorität unerwünschten ausländischen Einfluss auf Hensoldt verhindern. Analysten zufolge hätte das Unternehmen sonst zu einem Übernahmekandidaten werden können – vor allem durch den französischen Rüstungskonzern Thales. Das Verteidigungsministerium begründete das Engagement auch mit der „Rolle Deutschlands als Kooperations- und Bündnispartner in Europa“.

Die Firmengeschichte von Hensoldt reicht mehr als 125 Jahre zurück: 1892 baute der Optiker Moritz Hensoldt Zielfernrohre für die Gewehre der preußischen Armee. Heute beschäftigt der Konzern rund 4400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Milliardenumsatz. Zu den vielversprechendsten Zukunftsprojekten von Hensoldt zählt die Beteiligung an der Ausrüstung des viele Milliarden Euro teuren neuen deutsch-französischen Kampfjets, des bei weitem größten europäischen Rüstungsvorhabens derzeit.

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