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Rüstungskonzern Diehl setzt auf Luftfahrt statt Waffen

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Im Visier der RAF

Fliegend zum Erfolg - Lenkwaffen und Beleuchtungssysteme für Passagierflugzeuge verhelfen Diehl zu Rekordergebnissen. Quelle: Pressebild

Diehls Vater Karl, der den Konzern von 1938 an leitete, hatte die Macht der Familie beschränkt, indem er sein Unternehmen 1998 zu einer Stiftung machte. Laut Insidern hatte er wenig Vertrauen in die Fähigkeiten seiner drei Söhne als Manager. Darum sollte die Stiftung diese dazu zwingen, familienfremde Berater in Aufsichtsrat und Beirat zu holen. Diese Unternehmensform sei allerdings „rechtlich umstritten“, so Stiftungsrechtler Michael Sommer. Denn im Vergleich etwa zur GmbH mindert die Stiftung die Erbschaftsteuer und verhindert, dass die Familie Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat holen muss.

Karl Diehl führte das Unternehmen ab 1938 fast 70 Jahre lang - Seinen drei Söhnen traute er lange Zeit keine Führungsposition im Unternehmen zu Quelle: dpa

Dass Diehl bis heute nicht den Ruf der Waffenschmiede ablegen konnte, hat vor allem zwei Gründe: Der Familienkonzern ist weiterhin sehr verschwiegen. Und das Unternehmen verkörpert wie kaum ein zweites die Schattenseiten der deutschen Wirtschaft, seit der Ziseleur Heinrich Diehl 1902 seine „kunstgewerbliche Modellwerkstätte“ gründete.

Zum einen hat Diehl wie wenige von den durch Deutschland angezettelten Weltkriegen und dem Nationalsozialismus profitiert. Ende der Siebzigerjahre gipfelte der Hass auf Karl Diehl, der das Unternehmen ab 1938 fast 70 Jahre lang leitete, im Versuch der damaligen terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF), den Patriarchen zu ermorden: von einer konspirativen Wohnung mit freiem Blick zur Konzernzentrale.

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Diehls dunkle Geschichte

Diehl war im Ersten Weltkrieg in die Produktion von Rüstungsgütern wie Zündern eingestiegen. Im Zweiten Weltkrieg beschäftigte der Betrieb laut Studien Tausende von Zwangsarbeitern sowie KZ-Häftlingen. Deren Schicksal hat der damalige Firmenchef Karl Diehl, so der Berliner Historiker Wolfgang Benz in einer Studie, „den Produktionszielen des Unternehmens nachgeordnet“.

Erst als Diehl senior 1998 wegen seiner vielen Spenden zum Wiederaufbau Nürnbergs Ehrenbürger seiner Heimatstadt werden sollte, kam die dunkle Geschichte hoch. Nach längerem Zögern und als eines der ersten Unternehmen zahlte Diehl im Mai 1998 an 180 seiner Opfer eine Entschädigung von im Schnitt umgerechnet 500 Euro pro Monat Zwangsarbeit.

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