Schlamassel in Kassel K+S droht Abstieg aus dem Dax

Der Absturz der K+S-Aktie in dieser Woche war dramatisch, eine Milliardeninvestition des Rohstoffkonzerns droht aus dem Ruder zu laufen. Nun könnte K+S der Abstieg aus der ersten Börsenliga drohen.

Die Talfahrt der K+S-Aktie

Wie kaum ein anderer Konzern hat sich K+S (früher Kali und Salz) von einem einzigen Produkt abhängig gemacht: Kali. Über fünfzig Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet der Rohstoffkonzern aus Kassel mit dem Mineraldünger, den er in eigenen Bergwerken abbaut.

Diese einseitige Abhängigkeit rächt sich nun. Schlecht für K+S, dass der russische Weltmarktführer Uralkali vor wenigen Tagen angekündigt hat , im nächsten Jahr 30 Prozent mehr Kali zu produzieren, das Exportkartell mit dem weißrussischen Wettbewerber Belaruskali zu verlassen und günstiger an China zu liefern. Damit löste Uralkali Spekulationen über einen weltweiten Preissturz aus und beförderte die K+S-Aktie in den Sturzflug.   

Denn einen solch jähen Absturz hatte bisher kaum ein Dax-Konzern erlebt. Um fast 30 Prozent sackte die Aktie des Kasseler Rohstoffkonzerns am vergangenen Dienstag und Mittwoch zeitweise ab. Während der Kurs der Aktie zu Wochenbeginn noch knapp unter 27 Euro rangierte, lag er am Mittwoch nur noch bei 17,37 Euro.

Teures Kali

Hinter den Kulissen von K+S gärt es schon länger. Der Preis für eine Tonne Kali fiel binnen der letzten fünf Jahre von fast 1000 Dollar auf inzwischen 400 Dollar. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre waren viele Kunden, insbesondere aus China und Indien, immer weniger bereit, für Kali hohe Preise zu bezahlen. Vorstandschef Norbert Steiner steht aber vor allem in der Kritik, weil er trotzdem eine eigene Kali-Produktion in Kanada aufbauen will. Auf der Hauptversammlung im Mai musste er sich dazu zahlreichen kritischen Nachfragen von Aktionären stellen. Schon im April musste er einräumen, dass Zeit- und Finanzplan nicht zu halten sind.

Wie Analysten die K+S-Aktie bewerteten

Die Kosten für das Projekt erhöhen sich um 630 Millionen auf rund drei Milliarden Euro; betriebsbereit ist es erst im Sommer 2016, ein halbes Jahr später als vorgesehen. „So hat es bei ThyssenKrupp auch angefangen“, sagt Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Anspielung auf den Essener Stahlkonzern, der jüngst mit Großprojekten in den USA und Brasilien Schiffbruch erlitt. Die DSW vertrat auf der K+S-Hauptversammlung Tausende Kleinaktionäre.

Analysten und Aktionäre zweifeln zunehmend an der Wirtschaftlichkeit des Projektes. Nach eigenen Angaben benötigt K+S einen Kali-Preis von rund 400 Dollar pro Tonne, um in Kanada die avisierte Rendite von 15 Prozent zu erreichen. Derzeit liegt der Preis zwar dort, fällt er jedoch wie nach der Ankündigung von Uralkali befürchtet auf 300 Dollar oder tiefer, wird es für K+S eng. Die Produktionskosten der Kasseler liegen derzeit bei 280 Dollar pro Tonne; mehr als bei den meisten Konkurrenten. Die Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass ein Rückgang des Kali-Preises um 25 Prozent den operativen Gewinn von K+S halbiert.

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