Schlecker Insolvenzverwalter stoppt Abfindungen

Nach heftiger Kritik von der Gewerkschaft will Schlecker-Insolvenzverwalter Geiwitz klagenden Ex-Mitarbeitern keine Abfindungen mehr anbieten. Die Suche nach einem Retter geht indes weiter.

Schlecker-Schild Logo Quelle: dpa

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will klagenden Ex-Mitarbeitern der Drogeriekette vor Gericht keine Abfindungen mehr anbieten. „Der Insolvenzverwalter hat sich in Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, dass solche Angebote nicht mehr unterbreitet werden“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Patrick Hacker, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Damit bestätigte er einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“. Die Gewerkschaft hatte das Vorgehen der Insolvenzverwaltung vor Gericht stark kritisiert, da nur Mitarbeitern, die geklagt hatten, eine Abfindung angeboten wurde. „Es kann nicht sein, dass ein Zweiklassenrecht bei den Abfindungen geschaffen wird“, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. Die Insolvenzverwaltung hatte am Mittwoch zwei klagenden Ex-Mitarbeitern vor dem Ulmer Arbeitsgericht eine Abfindung von 500 Euro angeboten.

Die Chronik der Schlecker-Pleite
20. Januar 2012: Die Pleite des Drogeriemarkt-Riese Schlecker wird öffentlich. Familie Schlecker - Meike, Lars und deren Vater und Firmengründer Anton Schlecker, haben den europaweit größten Drogeriekonzern kaputt gewirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt hat Schlecker 6000 Filialen in Deutschland und rund 30.000 Angestellte. Quelle: dapd
29. Februar 2012Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verkündet das Sanierungskonzept. Die Einschnitte sind hart: 2400 Filialen werden geschlossen, 11.750 Stellen gestrichen. Nur 13.500 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Quelle: dapd
Am 8. März, dem internationalen Frauentag, demonstrieren die Schlecker-Frauen auf dem Stuttgarter Schloßplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann kritisiert die Zurückhaltung der Politiker im Fall Schlecker: „Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders. Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze.“ Quelle: dpa
Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Einrichtung einer Transfergesellschaft im Gespräch. Im baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid finden die Schlecker-Frauen einen prominenten Unterstützer. Das Problem: Die Schlecker-Filialen sind deutschlandweit verteilt. Für eine Auffanggesellschaft mit einer so dezentralen Struktur gibt es bislang kein Vorbild. Quelle: dpa
Schlecker-Schließung Frau knibbelt Schriftzug ab Quelle: dpa
Schlecker-Filiale Reduzierungen Quelle: dpa
geschlossene Schlecker-Filiale Quelle: dapd

Künftig soll nun unter anderem ein „qualifiziertes wohlwollendes Arbeitszeugnis“ vorgeschlagen werden, hieß es aus Schlecker-Kreisen. Hacker sagte, dass es sich bei den Güteverhandlungen um Vergleichsangebote handelte und Abfindungen aufgrund der Entlassungen davon nicht betroffen seien. „Jeder Mitarbeiter, der gekündigt wurde, hat die Information bekommen, dass ihm eine Abfindung zusteht“, sagte Hacker. Die Höhe der Abfindungen, die allen zusteht, hängt unter anderem von der Dauer der Betriebszugehörigkeit und dem Einkommen ab. In der Regel werden die Beträge erst am Ende des Insolvenzverfahrens festgesetzt.

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