WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

SGL Carbon Konzern verabschiedet sich vom Kerngeschäft

Der angeschlagene Spezialgrafithersteller SGL Carbon will bis Ende 2016 seinen größten Geschäftsbereich aus dem Unternehmen ziehen. Zwei andere Sparten sollen hingegen gestärkt werden.

Der angeschlagene Spezialgrafithersteller SGL Carbon stellt sein Kerngeschäft ins Schaufenster. Quelle: dpa

SGL Carbon stellt sein Kerngeschäft ins Schaufenster. Der größte Geschäftsbereich der SGL Carbon - Grafitelektroden für die Stahlproduktion und Kathoden für die Aluminiumschmelze - soll spätestens bis Ende 2016 innerhalb des Unternehmens rechtlich verselbständigt werden, teilte SGL Carbon am Dienstag mit. Die beiden anderen Sparten - Grafitspezialitäten und Carbonfasern - sollen auch durch Zukäufe gestärkt werden. "Mit der neuen Aufstellung können wir unsere Aktivitäten zielgerichteter ausrichten und öffnen uns zudem für neue strategische Optionen", erklärte Firmenchef Jürgen Köhler.

Aktionäre jubelten über die Ankündigung: Die Aktie war mit einem Plus von 6,5 Prozent auf 15,87 Euro mit Abstand größter Gewinner im Kleinwerteindex SDax.

Die Geschäftsentwicklung von SGL

Das Geschäft mit Grafitelektroden für die Stahlindustrie ist wegen des hohen Preisdrucks durch die chinesische Konkurrenz schwieriger geworden. Im vergangenen Jahr war der Gewinn der Sparte, die 44 Prozent zum Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden Euro beisteuerte, deutlich eingebrochen. Als eine Option für das Kerngeschäft sieht Köhler die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit anderen Firmen in der Branche. Oft wird die Aussage, "strategische Optionen" zu prüfen, auch mit einem Verkauf von Unternehmensbereichen in Verbindung gebracht. Als Möglichkeiten für strategische Optionen nannte Köhler während einer Telefonkonferenz den Gang an die Börse, die Bildung eines Joint-ventures und die Beteiligung eines Finanzinvestors.

Als ein wichtiges Wachstumsfeld bei Grafitspezialitäten macht Köhler die Lithium-Ionen-Industrie aus, für die SGL das Anodenmaterial liefert. Der Konzern, dessen größte Aktionärin die Unternehmerin und Quandt-Erbin Susanne Klatten ist, hofft darauf, Zulieferer für die von Tesla -Chef Elon Musk angekündigte "Gigafactory" für Batterien zu werden.

In den verbleibenden Geschäftsfeldern Carbonfasern und Graphitspezialitäten setzt SGL neben organischem Wachstum auch auf selektive Zukäufe. Der Umsatz soll bis 2020 um rund 50 Prozent im Vergleich zu 2014 zulegen.

SGL Carbon wird nach eigenen Angaben auch dieses Jahr nicht aus den roten Zahlen kommen. 2014 verkleinerte sich der Verlust auf 247 Millionen Euro nach 317 Millionen Euro im Jahr davor. Um wieder Gewinne zu schreiben, hat das Management dem Konzern ein Sparprogramm verordnet

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%