WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Siemens-Aufsichtsratschef Die sieben Leben des Gerhard Cromme

Gerhard Cromme ist Kämpfer, Steher und Stehaufmännchen in einem. Nun tritt der Siemens-Aufsichtsratschef zum letzten Gefecht an.

Gerhard Cromme Quelle: dapd

Der Jurist und frühere Stahlmanager Gerhard Cromme hat schon so manche Schlacht geschlagen. Jetzt steht er unter Druck , weil er den Sturz von Noch-Siemens-Chef Peter Löscher eingefädelt haben soll. Gemeinsam mit mit den Juristen soll er die Gewinnwarnung forciert haben, obwohl der Rest des Vorstands dagegen war. Drei prominente Vertreter auf der Kapitalseite des Kontrollgremiums stören sich Insidern zufolge an der Art und Weise, wie Löscher herausgedrängt wird. Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Allianz-Chef Michael Diekmann und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sind demnach gegen eine Ablösung auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Sie kritisieren das Verfahren der Absetzung als unwürdig für einen Weltkonzern, wie es aus dem Umfeld des Unternehmens erfahren hat. Die Rede ist von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" oder gar von einem "Putsch" gegen Löscher.

Dabei war es Cromme der Löscher 2007 in Mitten der Korruptionsaffäre vom US-Pharmakonzern Merck an die Isar geholt hatte. Den abrupten Seitenwechsel nehmen ihm nun einige Aufsichtsräte übel. Cromme musste sich zuletzt vorwerfen lassen, er schaue den mitunter glücklos agierenden Siemens-Vorständen nicht immer genau genug auf die Finger. Bei ThyssenKrupp hatte Cromme erst im Frühjahr nach Milliardenverlusten, Kartellverfahren und Personalquerelen das Handtuch als Aufsichtsratschef geworfen.

Angesichts der Kritik an Cromme beginnen bereits Spekulationen um seine Nachfolge. Innerhalb des Gremiums bietet sich eigentlich nur Ackermann an, den die Arbeitnehmer allerdings vehement ablehnen. Kenner halten es daher für wahrscheinlich, dass Cromme bis zur Hauptversammlung im kommenden Januar im Amt bleibt und bis dahin seine Nachfolge regelt. Als heißester Kandidat gilt der scheidende Linde -Chef Wolfgang Reitzle, der bereits 2007 als Vorstandschef bei Siemens im Gespräch war.

Doch Cromme wäre nicht Cromme, ließe er diese Kritik nicht mit der üblich versteinerten Mine an sich abprallen. Der 70-Jährige hat in seinem Berufsleben die Industrie von allen Seiten kennengelernt: Branchenwechsel, Werksschließungen, feindliche Übernahmen, Wachstumseuphorien, Fehlinvestitionen, Korruptionssümpfe, menschliche Enttäuschungen, und das alles in einem. Ein Blick auf die sieben Leben des Gerhard Cromme:

Wechsel zu ThyssenKrupp...

Erstens: Branchenwechsel von Compagnie de Saint Gobain zu Krupp: Der junge Gerhard Cromme wechselt nach einer steilen Karriere beim französischen Mischkonzern Saint Gobain 1985 zu Krupp nach Essen. Dort residiert der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Berthold Beitz und sucht nach einem „jungen Mann“, der das kränkelnde Stahlunternehmen Krupp auf Vordermann bringen soll. Er findet ihn in dem knapp über fünfzig jährigen Cromme, der es zum Vizepräsidenten des französischen Industriekonzerns gebracht hat, dort aber nicht weiter höher steigen kann, weil er kein Franzose ist. Bei Krupp erfindet sich Cromme neu. Er muss erst einem das Stahlwerk in Bochum sanieren, bevor Beitz ihn zum Konzernchef macht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%