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Siemens Autokorso gegen Stellenabbau

Die Ankündigung des Siemens-Konzerns, 6900 Stellen abzubauen, hat eine Protestwelle ausgelöst. Am Donnerstagmorgen brachen Hunderte Beschäftige in Berlin mit Wut im Bauch und lautem Hupen zu einem Autokorso auf.

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Siemens: Autokorso gegen Stellenabbau Quelle: dpa

Berlin Mit einem Autokorso durch die Berliner Innenstadt haben am Donnerstagmorgen Beschäftigte von Siemens gegen die geplanten Stellenstreichungen bei dem Konzern protestiert. Der Autokorso sei um 6.15 Uhr am Dynamowerk im Bezirk Spandau gestartet, sagte Klaus Abel, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin am Donnerstagmorgen.

Etwa 200 Fahrzeuge, geschmückt mit Transparenten und IG Metall-Fahnen, folgten hupend einem Motivwagen, der Siemens-Chef Joe Kaeser zeige. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin sprach auf Twitter von 100 Fahrzeugen.

Zu der Kundgebung am Tagungshotel der jährlichen Siemens-Betriebsräteversammlung in Neukölln erwartet die Gewerkschaft 2000 Teilnehmer aus ganz Deutschland. Siemens hatte angekündigt, weltweit 6900 Stellen abzubauen, davon 870 in Berlin. Der Konzern reagiert damit auf schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik. Vor allem in Berlin, Sachsen und Thüringen will Siemens Stellen streichen.

Die IG Metall hatte Widerstand gegen den massiven Stellenabbau beim Siemens-Konzern angekündigt. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann sagte der „Süddeutschen Zeitung“ , seine Organisation werde „nun ordentlich Krawall machen“. Der Konzern solle über Investitionen Jobs schaffen.

„Wir werden die Beschäftigten ganz bestimmt nicht alleine ihrem Schicksal überlassen“, sagte Hofmann. Vage blieb Hofmann, ob es zu Streiks bei dem Konzern kommt. „Streik bleibt immer das letzte Mittel“, sagte er.

Hofmann äußerte sich auch zur Tarifrunde für die knapp vier Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Obwohl die Verhandlungen erst Mitte November begonnen haben und die Friedenspflicht noch bis Ende Dezember läuft, räumte er ein, dass seine Gewerkschaft schon jetzt die Warnstreiks plant. „Das gibt's natürlich“, sagte er. Dies sei kein Ritual, „sondern wir brauchen den Druck“.


Bundesweite Protestwelle an Siemens-Standorten

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und will, dass die Beschäftigten ihre Arbeitszeit auf Wunsch verkürzen können - inklusive finanziellem Zuschuss für bestimmte Gruppen. Die Arbeitgeber halten die Forderung für deutlich zu hoch und wollen vor allem auch den finanziellen Ausgleich nicht leisten. Sie verlangen stattdessen bei den Arbeitszeitregeln mehr Flexibilität auch nach oben.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Ankündigung des Stellenabbaus eine Protestwelle an den deutschen Siemens-Standorten ausgelöst: Die größte Kundgebung bislang fand am vorigen Freitag in Berlin statt, wo sich vor der Siemens-Zentrale in Siemensstadt nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 1200 Mitarbeiter versammelten.

In Görlitz, wo das Werk mit 720 Beschäftigten ebenso wie jenes in Leipzig geschlossen werden soll, gab es eine Mahnwache. In Erfurt verließen einige hundert Mitarbeiter unter Pfiffen und Buhrufen eine Belegschaftsversammlung. Siemens will einen neuen Eigentümer für das Werk suchen, in dem zurzeit etwa 500 Menschen arbeiten.

Auch in Offenbach, wo 700 Stellen gefährdet sind, protestierten am vorigen Freitag etwa 600 Mitarbeiter gegen die Kürzungspläne. Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) stelle klar: „Dieser Standort hat immer noch eine Existenzberechtigung in diesem Weltkonzern Siemens.“

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