Siemens gegen GE Frankreichs Rolle im Übernahme-Poker um Alstom

Das Ringen um Alstom wird zäher. In die Bieterschlacht zwischen General Electric und Siemens mischt sich nun auch Frankreichs Regierung ein. Doch was sind die Kommentare wirklich wert?

Wortgewaltig wettert Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg gegen das GE-Übernahme-Angebot. Quelle: dpa

Scheinbar sind die Fronten klar: Siemens und General Electric wollen große Teile des französischen Konkurrenten Alstom schlucken. Der aber will nur zu GE. 12,35 Milliarden Euro hat der US-Konzern für die drei Hauptumsatzbringer Alstoms - Kraftwerke (Thermal Power), erneuerbare Energien (renewable) und die Stromübertragungstechnik (Grid) - geboten.

Viel Geld für das sanierungsbedürftige Unternehmen. Für GE aber eine lohnenswerte Investition. Alstom "ergänzt uns technologisch und geografisch", erklärt der US-Konzern in einer aktuellen Präsentation für Investoren.

Durch die Übernahme würde der Konzern weltweit massiv an Bedeutung gewinnen und auf dem europäischen Markt stärker werden. Auch in Indien, China und Brasilien und dem Mittleren Osten würde er deutlich Marktanteile gewinnen.

Zudem erwartet GE starke Synergieeffekte. Innerhalb der ersten fünf Jahre könnten durch den Zusammenschluss 1,2 Milliarden Dollar gespart werden, verspricht das Unternehmen und gibt sich extrem zuversichtlich: Noch 2015 soll der Deal abgeschlossen sein.

Das Tauziehen um Alstom

Diese Zuversicht ist durchaus berechtigt. Zwar soll eine Entscheidung erst Anfang Juni fallen und ein unabhängiges Komitee alle Angebote prüfen. Doch der Alstom-Vorstand hat sich offenbar längst auf GE als Käufer festgelegt.

Das Unternehmen preist vor allem die strategischen und industriellen Vorzüge des GE-Angebotes. Alstom-Vorstandschef Patrick Kron spricht von einer "wettbewerbsfähigeren Einheit" nach dem Zusammenschluss. Wochenlang hatte Alstom zuvor schon hinter verschlossenen Türen nur mit General Electric verhandelt.

Gegenangebot von Siemens

Dieses Vorgehen passt Siemens freilich gar nicht. Man sei "besonders enttäuscht von der mangelnden Kooperation des Vorstandschefs", heißt es in einem Beschwerde-Schreiben an das Alstom-Management. Doch Siemens kann es sich nicht leisten, beleidigt aufzugeben. Dem international größten Konkurrenten kampflos das Feld zu überlassen, ist keine Option. Durch den Kauf von Alstom käme GE in eine für Siemens mehr als bedrohliche Machtposition.

Siemens bekräftigt daher sein Interesse an Alstom und will in den kommenden Wochen ein Gegenangebot vorlegen - nach ausführlicher Prüfung der Bücher. Weitere Informationen gibt es erstmal nicht, heißt es aus dem Unternehmen. Laut Insiderberichten schwebt Siemens bislang ein Tauschgeschäft vor: Im Gegenzug für Alstoms Energiesektor bietet Siemens seine Zugsparte an.

Längst hat sich auch die Politik eingeschaltet. Frankreichs Spitze sieht eine mögliche Übernahme durch General Electric extrem kritisch. Sie befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren an das Ausland, sobald die Amerikaner das Sagen haben.

Mehrfach hat Frankreichs Spitze deswegen in den vergangenen Tagen gegen die GE-Offerte gewettert. Die Wortwahl war oft martialisch, täuscht aber tatsächliche Stärke nur vor.

Seit 2006 ist der Staat nicht mehr an Alstom beteiligt und kann deswegen nicht direkt auf strategische Entscheidungen Einfluss nehmen. In der Diskussion sind allerdings gleich mehrere Ideen, um den Einstieg von GE bei Alstom zu verhindern.

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