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Siemens-Hauptversammlung Turbulente Zeiten für Konzernchef Joe Kaeser

Gegenwind durch den fallenden Ölpreis, schwache Quartalszahlen und nun noch Probleme in der Vorzeigesparte Medizintechnik: Die Unruhe bei Siemens wird nicht kleiner, sondern größer.

Joe Kaeser Quelle: AP

Die Nachricht schlug kurz vor Beginn der Hauptversammlung im Münchner Olympiapark ein wie eine Bombe. Siemens-Chef Joe Kaeser holt die 44-jährige Janina Kugel in den Vorstand des Technologiekonzerns. Sie ist eine enge Vertraute Kaesers und seit 2014 Chief Diversity Officer.

Im Siemens-Führungsgremium wird sie künftig das Personalressort verantworten – der vierte Wechsel in eineinhalb Jahren in diesem Bereich. Gehen muss Hermann Requardt. Er war im Vorstand bislang für das Geschäft mit Medizintechnik zuständig.

Der erneute Umbau des Vorstands ist vor allem eines: Ein Symptom für die gewaltige Spannung und große Unruhe, unter der Siemens auch eineinhalb Jahre nach Kaesers Amtsantritt immer noch steht. Siemens müsse zur Ruhe kommen, erklärte der charismatische Niederbayer im Juli 2013. Bisher hat Kaeser sein Ziel nicht erreicht.

Wie Siemens 2014 abgeschnitten hat

Kaesers neuester Brandherd ist die Medizintechnik, bisher das Aushängeschild bei Siemens. Kontinuierlich lieferte Requardt in der Vergangenheit Margen nahe 20 Prozent. Zwischen Oktober und Dezember lag sie jedoch nur noch bei 14,5 Prozent. Immer noch hoch, allerdings beunruhigt der Trend nach unten.

Ein Grund unter anderen für die schmelzende Marge: In China gibt es inzwischen Wettbewerber, die Siemens mit guten Produkten zu niedrigeren Preisen Marktanteile abjagen. Im Siemens-Umfeld heißt es, Requardt sei im Zuge seines Erfolgs zunehmend arrogant und ignorant geworden und habe wichtige Trends verschlafen. „Zügig“ werde man wieder zu besseren Margen zurückkehren, verspricht Kaeser.

Die neun Divisionen von Siemens

Umsatz wird vermutlich nicht wachsen

Doch da kann Aufsichtratschef Gerhard Cromme auf der Hauptversammlung „den Erfolg von Siemens“ und „das gute Jahr 2014“ so oft beschwören wie er will: Viele der angereisten 7700 sind skeptisch und bringen Kaeser in Erklärungsnot. Für mehr als 7,6 Milliarden US-Dollar kauft Kaeser etwa den amerikanischen Ausrüster für die Ölindustrie, Dresser-Rand. Dabei haben viele Ölförderer aufgrund des niedrigen Ölpreises ihre Investitionen in neue Anlagen längst eingestellt.

„Das wird Siemens treffen“, sagte Kaeser denn auch heute in München. Im schlimmsten Fall drohen dem Konzern in ein paar Jahren Abschreibungen in Milliardenhöhe.

Programm "Siemens 2020" in Schlagworten

Die Zeit drängt für Kaeser. Im laufenden Geschäftsjahr, so der Siemens-Chef, werde der Umsatz von 71 Milliarden Euro nicht wachsen. Ab 2016 soll es dann aber wieder aufwärts gehen. Die Zahlen für das Quartal von Oktober bis Dezember geben allerdings erstmal Anlass zu Zweifeln.

Der Gewinn ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 25 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro eingebrochen. Der Auftragseingang schrumpfte um 13 Prozent. Der Grund: Siemens schaffte es nicht, ausreichend neue Großaufträge an  Land zu ziehen. Der Umsatz wuchs zwischen Oktober und Dezember moderat um drei Prozent.

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Umfassender Stellenabbau

Dass für Kaeser und seine fast 360.000 Mitarbeiter demnächst ruhigere Zeiten anbrechen, ist unwahrscheinlich. In der kommenden Woche will die Konzernführung mit den Arbeitnehmervertretern die neuen Pläne für einen umfassenden Stellenabbau besprechen. Die Rede ist von mehreren Tausend Arbeitsplätzen, die Kaeser streichen will.

Eines hat Kaeser in den zurückliegenden 18 Monaten geschafft: Durch seine Personalrochaden hat der Konzernchef die Organisation komplett auf seine Person zugeschnitten – Kaeser ist bei Siemens Alleinherrscher. Doch jetzt muss der frühere Finanzchef, der dem Unternehmen seit mehr als 30 Jahren dient, auch liefern. Im Jahr 2017 soll Siemens beim Wachstum wieder zum Wettbewerb aufgeschlossen haben, hat er angekündigt. Im Moment ist nicht zu erkennen, wie das geschehen soll.

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