Siemens Lisa Davis soll das Unmögliche schaffen

Vorstandsfrau Lisa Davis soll die Energiesparte von Siemens auf Kurs bringen und einen teuren Zukauf integrieren. Eine unmögliche Mission – die viele der Amerikanerin zutrauen.

Lisa Davis Quelle: dpa

Es riecht nach neu bei Siemens, genauer: nach frischer Farbe. Die Nase registriert das sofort, als sich der Aufzug im siebten Stock der Energiezentrale in Houston öffnet. Im April sind sie eingezogen in den Bürobau am westlichen Stadtrand der texanischen Metropole, in der neuerdings das Herz der einst in Erlangen beheimateten Energiesparte schlägt.

Siemens riecht nicht nur neu, es fühle sich auch neu an, sagen jene, die darin arbeiten. Grund dafür ist Lisa Davis, die Herrin im neuen Haus. Sie ist eine Chefin, die anklopft, bevor sie einen Konferenzraum betritt. Eine stille Amerikanerin, die zuhören kann und ausreden lässt, sich nicht auf die Oberflächlichkeiten der How-are-you-Kultur einlässt. „Sie regiert nicht von oben herab wie viele Amerikaner“, sagt ein Siemens-Manager. „Sie pflegt einen sehr offenen kommunikativen Führungsstil und weiß trotzdem, was sie will.“

Die neun Divisionen von Siemens

Derlei Vorschusslorbeeren wird Davis, 51, noch brauchen. Seit einem Jahr verantwortet sie bei Siemens die Energiesparte, ein Jahr, in dem diese zum Sinnbild des trägen Konzerns geworden ist. Den der Sparte zugeschlagenen Konkurrenten Dresser-Rand hat Siemens viel zu teuer eingekauft, die Umbrüche im vor allem von Kraftwerksneubauten getriebenen Geschäft mit den Gasturbinen nicht erkannt.

Dazu kommt: Weil sich der Ölpreis binnen eines Jahren mehr als halbiert hat, haben viele Ölförderer Investitionen auf Eis gelegt. Es gebe keinen Bereich, in dem so viel passieren müsse, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser im vergangenen Jahr. Die Probleme hat Davis nicht zu verantworten. An deren Lösung aber wird sie gemessen.

Sorgenkind Energiesparte

Der Energiebereich ist wichtig für Siemens. 25 Milliarden trug er im letzten Jahr zu den 78 Milliarden Euro Konzernumsatz bei. Kaeser hat den Bereich in drei Teile zerlegt: Power and Gas, erneuerbare Energien und Energiemanagement. Geholfen hat das wenig: Der Nettogewinn der wichtigsten Sparte Power and Gas schrumpfte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent.

Ihr erster Schritt ist Kommunikation. Lisa Davis hat ein paar Journalisten einladen lassen, um sie zwei Tage durch die Standorte des Konzerns in Houston zu führen.

Von Krise ist da nichts zu sehen. Arbeiter in Jeans und Basecap hören bei der Endmontage Countrymusik, als wären sie beauftragt worden, die Texas-Klischees der deutschen Besucher zu erfüllen. Ein paar Kilometer entfernt schrauben Siemens-Techniker in wochenlanger Detailarbeit Hunderte Messgeräte in Container, die später an Ölfeldern oder Gaspipelines den Durchfluss messen.

Beide Werke sind schon nach Augenschein gut ausgelastet, bei Siemens fahren sie Nachtschichten. Rasch ist die Botschaft klar, die Davis loswerden will: Die Förderung von Öl und Gas in den USA mag sinken, aber es wird weiter in Transport und chemische Verarbeitung investiert.

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