Siemens Medizintechnik soll selbständig werden

Siemens-Vorstandschef Kaeser treibt den Umbau voran. Am Montag in einer Woche bekommen die fast 12.000 Mitarbeiter der Sparte Medizintechnik in Deutschland Post. Sie sollen der Verselbstständigung des Bereichs zustimmen.

Die Siemens-Medizintechnik wird rechtlich eigenständig Quelle: AP

Als Joe Kaeser im Sommer 2013 seinen neuen Job als Siemens-Chef antrat und seine Pläne zur Neuausrichtung des Konzerns vorstellte, war die Sparte Medizintechnik ein zentraler Baustein der Diskussion. Das Geschäft mit Anlagen und Lösungen für Ärzte und Krankenhäuser unterliege einem tief greifenden Paradigmenwechsel, betont Kaeser seitdem regelmäßig.

Die Molekulardiagnostik, auch In-Vitro-Verfahren, würden künftig eine viel wichtigere Rolle beim Medizintechnik-Geschäft spielen. Dazu komme die rasch fortschreitende Konsolidierung unter den Anbietern von Gesundheitsleistungen, also etwa Klinikkonzernen, aufgrund des wachsenden Kostendrucks. In den USA rechnen Experten damit, dass es schon bald nur noch 80 Anbieter gibt. Um auf solche Veränderungen besser und vor allem schneller reagieren zu können, schließt Kaeser, brauche die Sparte deutlich mehr Unabhängigkeit.

Wie Siemens 2014 abgeschnitten hat

Jetzt werden die Pläne konkret. Am Montag in einer Woche bekommen die mehr als 11.000 Mitarbeiter in der Medizintechnik hierzulande Post.  In dem Schreiben werden sie gefragt, ob sie der Ausgliederung der Sparte aus dem Konzern und der Umwandlung in eine GmbH zustimmen. Vier Wochen Zeit lässt Siemens den Mitarbeitern, um sich zu entscheiden, ob sie dem Übergang zustimmen. Die Vertragskonditionen der einzelnen Mitarbeiter sollen 1:1 auch in der neuen Gesellschaft gelten.

Die neun Divisionen von Siemens

Auf  anderen Feldern könnte die „rechtliche Verselbständigung“ der Medizintechnik, wie Siemens den Übergang in eine neue Gesellschaft nennt, allerdings größere Folgen haben. So will Siemens etwa beim Portfolio der Medizintechnik Anpassungen vornehmen, heißt es in Konzernkreisen. Die Münchner wollen sich beispielsweise auf die Suche machen nach Übernahmezielen, um künftig im Geschäft mit bildgeführten Therapieverfahren stärker mitmischen zu können.

Bisher ist der Konzern vor allem bei der Diagnose mit Hilfe von Ultraschallgeräten oder Computertomografen stark. Außerdem wolle man künftig in bestimmten Bereichen auch als Dienstleister auftreten. Die Grenzen zwischen den Herstellern von medizinischer Ausrüstung und den Leistungserbringern wie Kliniken verschwimme mehr und mehr, heißt es in Siemens-Kreisen. Andere Konzerne hätten sich beispielsweise durch den Kauf von Dialysekliniken verstärkt.

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Zwar betont man bei Siemens, die Medizintechnik solle auch auf lange Sicht Teil des Konzern-Portfolios bleiben. Einen teilweisen Börsengang, bei dem etwa ein Viertel der Anteile am Markt platziert wird, schließen die Münchner dennoch nicht aus, ebenso einen Aktientausch im Zuge einer Übernahme.

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