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Siemens Peter Löscher versucht den Befreiungsschlag

Der Konzernchef drückt bei der Neuordnung des Geschäfts aufs Tempo. Das muss er auch, denn der Druck auf ihn wächst.

Sehr viele Fehleinschätzungen kann Löscher sich nicht mehr leisten. Quelle: REUTERS

Es gibt Analysten, die sehen Peter Löscher bereits als angezählt. "Wir rechnen nicht damit, dass er seine zweite Amtszeit zu Ende bringt", sagte einer kürzlich. Im Sommer hatte der Siemens-Chef, der 2007 ans Ruder kam, seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Die Probleme, die sich vor Löscher auftürmen, sind gewaltig. Die Renditen befinden sich auf Talfahrt. Der Auftragseingang bei den Münchnern ist zuletzt viel stärker als bei der Konkurrenz gefallen. Bei einer Reihe von Zukäufen in den letzten Jahren hatte Löscher keine glückliche Hand, und wegen der Probleme bei der Anbindung der Windparks in der Nordsee musste der Konzern gut eine halbe Milliarden Euro abschreiben. Löscher braucht Erfolge, und zwar schnell. Sollte der das kürzlich ausgegebene Ziel, die Rendite bis 2014 auf zwölf Prozent zu heben, nicht erreichen, könnte es tatsächlich eng werden für den Österreicher. Auch wenn er in Aufsichtsratschef Gerhard Cromme einen starken Fürsprecher hat. Der hatte Löscher 2007 schließlich zu Siemens geholt.

Boehringer Ingelheim legt Sparprogramm auf
Boehringer IngelheimDeutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller will seine Kosten deutlich senken. Der Konzern habe sich das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent in Deutschland einzusparen, erklärte eine Sprecherin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 11. August. "Boehringer Ingelheim reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die großen Veränderungen auf dem Pharmamarkt: Der Preisdruck steigt, der Zugang zu Märkten wird schwieriger, die Konkurrenzsituation verschärft sich weltweit." Ziel sei es, Mittel zu schaffen, um neue Produkte einzuführen und weiter zu investieren. Der Zeitung zufolge hat das Unternehmen bereits einen qualifizierten Einstellungsstopp in Deutschland verhängt. In einer Mitarbeiterzeitung sei auch die Rede davon, dass die Zahl der Angestellten sinken soll. Dies habe das Unternehmen jedoch am Wochenende nicht bestätigen wollen. Quelle: dpa
AudiUnter dem Eindruck sinkender Erträge stellt Audi seine Mitarbeiter auf Einsparungen ein. Das neue Programm "Business 2.0" soll eine Vielzahl von Maßnahmen bringen - ein Stellenabbau ist aber nicht geplant. Als Begründung für die Sparmaßnahmen nannte Audi in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das unserer Redaktion vorliegt, die unsichere Wirtschaftslage in Russland, strukturelle Problemen der Wirtschaft in Brasilien und Südafrika sowie die nachlassende Konjunktur in Deutschland. Quelle: dpa
DaimlerKonzernchef Dieter Zetsche legt beim Sparprogramm "Fit for Leadership" noch eine Schippe drauf. Das berichtet das manager magazin. Bisher sollten damit die Kosten in der Pkw-Sparte Mercedes im laufenden Jahr um gut zwei Milliarden Euro gedrückt werden. Jetzt will Zetsche jährlich weitere 3,5 Milliarden Euro einsparen, um das Gewinnziel von 10 Prozent Umsatzrendite (vor Steuern und Zinsen) noch zu erreichen. Mit seinem Sparprogramm folgt Zetsche auf die Ankündigungen seiner Kollegen in München und Wolfsburg... Quelle: AP
VolkswagenLange Gesichter auch bei Volkswagen. Chef Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte auf milliardenschwere Sparbemühungen eingeschworen: fünf Milliarden Euro bis 2017. So will der Chef die anvisierten sechs Prozent Umsatzrendite in der VW-Pkw-Sparte bis 2018 doch noch schaffen. Vergangenes Jahr kamen aber nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen die Einsparungen unter anderem beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten erreicht werden. Winterkorn beklagte zudem zu hohe Aufwendungen beim Bau neuer Fabriken sowie dem Anlauf von neuen Modellen. Quelle: dpa
BMWDer Autobauer will einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Sparprogramm Milliarden einsparen. Bis 2020 sollten die Kosten um mindestens drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sinken, berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege. Bei BMW war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Quelle: dpa
Siemens Programm "2020"Joe Kaeser gibt Gas und drückt die Kosten. Rund eine Milliarde Euro will er bis 2016 einsparen. Dafür schrumpft er die Zahl der Divisionen - so heißen die Geschäftseinheiten von Antriebstechnik bis zu Windkraft - von 16 auf 9 zusammen. Die so genannte Sektoren-Ebene entfällt vollständig. Aber damit nicht genug. Zum bisherigen Arbeitsplatzabbau von weltweit 15.000 Stellen, der noch unter Vorgänger Peter Löscher beschlossen wurde, kommen weitere mehrere Tausend. Details nannte Kaeser noch nicht. Siemens beschäftigt in Deutschland 130.000 Mitarbeiter. Sie sind größtenteils per Betriebsvereinbarung vor Entlassungen geschützt. Zweck des Rundum-Erneuerungs-Programms: Die Marge soll wachsen. Sie war in den vergangenen zwei Jahren deutlich unter der des Konkurrenten General Electric geblieben. Die zu optimistischen Rendite-Versprechen von 12 Prozent bis 2014 kosteten Peter Löscher im Sommer 2013 den Job. Quelle: dpa
DaimlerDas Sparprogramm „Fit for Leadership (F4L)“ ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis Ende 2014 rund zwei Milliarden Euro sparen. Im Lkw-Bereich sollen es insgesamt 1,6 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen Ersparnisse in der Bussparte. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren. Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema - freiwerdende Stellen werden aber möglicherweise nicht neu besetzt und ältere Mitarbeiter über Alterszeit früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Daimler will Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Im für die Schwaben problematischen Markt China sollen die bisher zwei Vertriebsgesellschaften zu einer zusammenwachsen.Auf der Hauptversammlung am 9. April 2014 kündigte Chef Zetsche an, das Sparprogramm auszuweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung. Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Quelle: dapd

Der Kauf der Bahntechniksparte des britischen Technologiekonzerns Invensys für 2,2 Milliarden Euro ist als einer von mehreren Schritten eines Befreiungsschlags zu verstehen – Löscher will aufräumen. Vom Geschäft mit Sortieranlagen für Post und Gepäck wollen die Münchner sich trennen. Zu wenige Synergien, heißt es. Zeitgleich kündigte Siemens an, die Lichttochter Osram im Zuge eines Spin-offs an die Börse zu bringen. Am selben Tag gaben die Münchner bekannt, dass der Vertrag von Einkaufschefin Barbara Kux nicht verlängert wird. Löscher ordnet das Portfolio. Weitere Ankündigungen in den nächsten Wochen dürften folgen.

Bedenklich an der breit angelegten Neuordnung ist nur eines: Es ist keine langfristige Strategie mehr zu erkennen. Wo will Löscher hin mit Siemens? Noch im Juni legte er einen Sieben-Punkte-Plan vor. Wichtigstes Vorhaben: Aus Siemens solle ein grüner Konzern werden. Mit voller Kraft solle das Umweltgeschäft ausgebaut werden. Fünf Monate später trennt Siemens sich vom Geschäft mit der Wasseraufbereitung. Zu wenige Synergien, heißt es auch hier. Auch die Solarthermiesparte stoßen die Münchner ab – ein Verlustbringer von Anfang an.

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Siemens hatte die Aussichten bei der Solarthermie falsch eingeschätzt, genau so wie Löscher erwartet hatte, in der zweiten Hälfte dieses Jahres werde sich die Wirtschaft erholen – schlicht verschätzt. Das Problematische: In Erwartung des Aufschwungs hatte Siemens noch Tausende neue Mitarbeiter eingestellt. Die Stellen müssen jetzt wieder abgebaut werden. Sehr viele Fehleinschätzungen kann Löscher sich nicht mehr leisten.

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