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Siemens Das Jahr der Entscheidung

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Signaltechnik und Steuerung

Beim Schienenverkehr soll Siemens sich vor allem auf Signaltechnik und Steuerung konzentrieren. „Wir treiben das Geschäft stärker Richtung Automatisierung, Software und Management von Mobilität“, sagt Kaeser, „nicht in Richtung Alu und Stahl.“ Für den reinen Bau von Zügen und Waggons sucht er offenbar nach Partnern oder Käufern. Infrage kämen Alstom oder der kanadische Hersteller Bombardier.

Der Grund für den Schwenk: China, wo Siemens acht Prozent seines Konzernumsatzes von knapp 72 Milliarden Euro erzielt, bietet weltweit aggressiv eigene Hochgeschwindigkeitszüge an – und die Finanzierung meist gleich mit. Siemens hat 2014/15 in China noch für etwa 700 Millionen Euro Komponenten für den Schienenverkehr verkauft. Doch das wird weniger, weil China bei der Qualität aufholt.

Die neun Divisionen von Siemens

Auch auf anderen Feldern ändert sich das Chinageschäft grundlegend, sagt Asien-Vorstand Roland Busch: „Die Regierung versucht, den Anteil des Privatkonsums sowie des Dienstleistungssektors am Bruttoinlandsprodukt zu steigern. Zudem gibt es Überkapazitäten in einigen Industrien. Unsere Märkte wachsen langsamer als die chinesische Wirtschaft.“ Zudem dehnt die Regierung die Gesundheitsversorgung in ländliche Regionen aus. Busch: „Da sind dann beispielsweise bei Computertomografen eher preisgünstigere Modelle gefragt.“

Die Medizintechnik mit gut zwölf Milliarden Umsatz 2013/14 hat Kaeser in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Nicht mehr große und teure Anlagen werden künftig die Medizintechnik bestimmen, sondern Software, Algorithmen und Diagnoseverfahren im Reagenzglas. Die Ausgliederung dürfte nur ein erster Schritt sein. Sollte Siemens hier zukaufen wollen, werde dies nur mithilfe eines Teil-Börsengangs der Sparte gehen, berichten Insider. Denn andere Divisionen wollen die Aktivitäten der Medizintechnik nicht mitfinanzieren.

Industrie



Ähnliche Paradigmenwechsel durch die Digitalisierung erwartet Kaeser für das Geschäft mit Fabrikautomatisierung. Siemens ist hier führend. Experten bemängeln allerdings, die Münchner hätten bei Software und Robotik offene Flanken. Beim Softwaregeschäft, berichten Eingeweihte, prüfe Siemens darum mögliche Zukäufe. Und Kaeser soll bereits mit Till Reuter, Chef des Industrieroboterherstellers Kuka, über eine Kooperation gesprochen haben. Siemens will das nicht kommentieren. Bei der Bestückung von Werkzeugmaschinen arbeiten die Münchner schon mit Kuka zusammen.

Den meisten Schweiß dürfte Kaeser allerdings bei der Integration von Dresser-Rand vergießen. Zahlreiche Ölförderer verschieben wegen des niedrigen Ölpreises Investitionen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass das „Dresser-Rand-Geschäft bei den Erträgen im Jahresvergleich deutlich weniger stark schrumpft als das der Konkurrenz“, sagt Kaeser.

Die Richtung der Eingliederung ist klar: Die entsprechenden Siemens-Sparten sollen bei Dresser-Rand unterschlüpfen und nicht umgekehrt. Kaeser: „Dresser macht bei Kompressoren eine zweistellige Profitmarge, wir bei einer Milliarde Euro Umsatz keinen Gewinn.“

Insgesamt stehen die Chancen, dass Kaeser sein Wachstumsziel erreicht und am Steuer bleibt, nicht schlecht. Und er hat noch ein Ass im Ärmel: Den Rekordauftrag aus Ägypten über 24 Gasturbinen für acht Milliarden Euro, den Siemens im Juni erhalten hat, wird Kaeser für 2015/16 verbuchen. „Für dieses Geschäftsjahr rechne ich mit Wachstum und einer operativen Verbesserung“, sagt denn auch Fondsmanager Niesel.

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