Siemens Wie lange bleibt Löscher noch Siemens-Chef?

Konzernchef Peter Löscher wirkt nicht wie der Antreiber, sondern wie ein Getriebener. Er provoziert Kritik in und außerhalb des Konzerns. Die Zweifel: Ist er für die nächsten fünf Jahre der Richtige an der Spitze?

Peter Löscher Quelle: Getty Images/AFP

Der 8. November ist ein grauer Tag in Berlin. Immer wieder jagen Regenschauer über die Hauptstadt. Im Gasturbinenwerk von Siemens in Moabit verkünden Konzernchef Peter Löscher und sein Finanzvorstand Joe Kaeser am Morgen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr, dazu ein umfangreiches Sparprogramm – keine guten Nachrichten.

Sodann nimmt das Schauspiel seinen Lauf. Kaeser ergreift sofort die Rolle des humorigen Charmeurs. Sein frisch abrasierter Schnauzbart, witzelt er, symbolisiere eine Art Neuanfang für Siemens. Jedenfalls sei die Zeit der „tief hängenden Früchte“ vorbei, die zunächst auch jemand von außen habe leicht pflücken können – eine Spitze gegen Löscher.

Der kommentiert, wenige Meter von Kaeser entfernt, leise und fast unsicher das Zahlenwerk. Der Chef von mehr als 400.000 Mitarbeitern fremdelt, wirkt steif. Trotz seiner 1,94 Meter steht er fast verloren da – im Schatten seines frischen Finanzlers.

Was ist los in der Beziehung Löscher/Siemens?

Die schlechtesten zehn Dax-Aufsichtsräte
Note 3,0 - Rang 18. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse kann laut Ranking in Sachen Investmentexpertise punkten. Die Kehrseite der Medaille: Fast alle Aktionärsvertreter sind Vertreter von Investmentfirmen und haben kaum Erfahrung im Management und in operativen Funktionen. Quelle: dpa
Note 3,0 - Rang 18. Gleichauf mit der Deutschen Börse sieht die Studie beim Aufsichtsrat der Deutschen Telekom Verbesserungsbedarf im Kleinen: Wünschenswert sei ein wenig mehr Branchenkenntnis der Mitglieder, eine ausgewogenere Verweildauer im Gremium und mehr Ausländer. Quelle: dpa
Note 3,1 - Rang 22. Die Aufsichtsräte von MAN würden, laut Ranking, durchschnittlich zu kurz im Amt verweilen. Darüber hinaus nehme VW massiv Einfluss auf den Fahrzeughändler. Quelle: dpa
Note 3,1 - Rang 22. Der Pharma- und Gesundheitsdienstleister hat einen rein deutschen, einen rein männlichen und den durchschnittlich ältesten Aufsichtsrat im gesamten Dax. Quelle: dpa
Note 3,3 - Rang 24. Der beliebte deutsche Sportartikelhersteller patzt vor allem in zwei Punkten. Ihm fehle es, laut Studie, an asienerfahrenen und weiblichen Aufsichtsräten. Quelle: dapd
Note 3,3 - Rang 24. Punktgleich mit Adidas sei der Aufsichtsrat des weltweit größten Anbieters für Dialyseprodukte zu alt, zu männlich und zu träge. Wie das Ranking ausweist, sei ein Aufsichtsratsmitglied durchschnittlich mehr als zehn Jahre im Gremium dabei. Quelle: AP
Not 3,3 - Rang 24. Zu politisch sei der Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE, so die Studie. Zwei Bürgermeister, zwei Landräte und mit Wolfgang Schüssel ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler sitzen im Gremium. Typische Rohstofflieferantenländer decke der Erfahrungsbereich der Aufsichtsräte dagegen weniger ab. Quelle: REUTERS
Note 3,3 - Rang 24. Dem Aufsichtsrat des Düngemittelanbieter mangele es, laut Studie, an Branchenerfahrung in rohstoffreichen Ländern und industriespezifischer Kompetenz. Quelle: dpa
Note 3,4 - Rang 28. Dem Ranking zufolge sei die Aktionärsvertretung von HeidelbergCement zu stark eigentümergeprägt; es mangele ihr an Frauen und Auslandserfahrung. Quelle: AP
Note 3,6 - Rang 29. Der Aufsichtsrat des Traditionskonzerns Volkswagen schneidet im Ranking am schlechtesten ab. Nicht nur würden die Familien Piëch und Porsche das zehnköpfige Gremium dominieren, auch fehle es dem gesamten Gremium ihnen an internationale Erfahrung. Quelle: dpa

Chef der Mann von außen

Eigentlich müsste der 55-jährige Österreicher, der kürzlich einen weiteren Fünf-Jahres-Vertrag als Vorstandschef des deutschen Traditionskonzerns erhalten hat, in die Offensive gehen. Denn für Siemens ist der eigene Chef der Mann von außen – und der verschworene Siemensianer-Orden macht ihn immer mehr zum Außenseiter.

Stattdessen taucht Löscher ab und provoziert damit handfeste Zweifel, ob ihn eigentlich seine bisherigen Leistungen für das nächste halbe Jahrzehnt an der Konzernspitze prädestinieren.

Für erste Analysten ist der Konzernchef bereits angezählt. „Als Löscher 2007 bei Siemens anfing, hat er beteuert, verlässlich zu liefern – bisher ein leeres Versprechen“, sagt Heinz Steffen von Fairesearch in Frankfurt. „Er hat seine zweite Amtszeit im Juli 2012 angetreten, und wir rechnen nicht damit, dass er sie zu Ende bringt.“

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