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Silicon-Valley-Riesen Warum ein Rechtsstreit den Ruf von Waymo und Uber gefährdet

Uber und Waymo liefern sich seit fast einem Jahr einen Kampf vor Gericht. Für beide Unternehmen steht vor allem ihr Ruf auf dem Spiel.

Worum geht es bei der Anklage?

Im Zentrum der Anklage steht Lidar, ein dem Radar verwandtes elektronisches Messsystem, das in selbstfahrenden Autos verwendet wird. Mittels Laserstrahlen und Sensoren, die Entfernungen, Abstände und Geschwindigkeiten messen, sollen autonom fahrende Autos andere Fahrzeuge, Fußgänger und Hindernisse erkennen können. Waymo beschuldigt Uber, genauer gesagt seinen ehemaligen Mitarbeiter Anthony Levandowski, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben. Waymo gehört zur Google-Gruppe Alphabet. Ziel von Waymo ist es, dass Uber gerichtlich untersagt wird, Lidar weiterhin einzusetzen.

Anthony Levandowski ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Waymo. Er verließ das Unternehmen im Januar 2016 und gründete ein Start-Up namens Otto. Waymo wirft Levandowski vor, dass er kurz vor seiner Kündigung Entwürfe zu Lidar heruntergeladen habe. Ein halbes Jahr nach seiner Kündigung bei Waymo verkaufte Levandowski Otto für 680 Millionen Dollar an den ehemaligen Uber-Chef Travis Kalanick. Dieser machte Levandowski zum Projektleiter für autonomes Fahren bei Uber.

Im Mai vergangenen Jahres berurteilte der zuständige Richter Waymos Patentansprüche gegenüber Uber als wertlos. Allerdings musste Uber sämtliche Waymo-Dateien, die von Levandowski heruntergeladen wurden, an Waymo zurückgeben. Außerdem wurde Levandowski jegliche Tätigkeit rund um das Thema Lidar untersagt.

Was steht auf dem Spiel?

Entscheidet die Jury, dass Uber eines der Geschäftsgeheimnisse von Waymo erworben oder genutzt hat, droht Uber eine Geldstrafe. Möglich ist außerdem, dass die Jury Uber daran hindert, Geschäftsgeheimnisse weiter zu verwenden. Sollten diese die Grundlage für Ubers Sensoren-Technologie bilden, würde das für Uber einen Rückschlag im Wettbewerb rund um das autonome Fahren bedeuten.
Allerdings hat sich die Lidar-Technologie seit der Erhebung der Klage stark weiterentwickelt und verbessert. Deswegen scheinen die eigentlichen Geschäftsgeheimnisse im Prozess mittlerweile nebensächlich zu sein.

Für beide Unternehmen steht vor allem ihr Ruf auf dem Spiel. Durch den Prozess hat vor allem Uber stark gelitten. Unter anderem stellte sich heraus, dass Uber Otto trotz gesetzlicher Warnsignale übernommen hat. Fällt das Urteil zu Gunsten Ubers aus, erleidet Waymo einen Rückschlag, auch weil das Unternehmen einen Gerichtsprozess trotz mangelnden Beweismaterials begonnen hatte.

Wer wird im Prozess aussagen? Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen?

Zu den Zeugen im Prozess gehören die Alphabet-Chefs Larry Page und Sergey Brin. Außerdem wird Travis Kalanick aussagen. Es wird sein erster öffentlicher Auftritt nach seinem Rücktritt als Firmenchef im vergangenen Juli. Auch Levandowski wird in den Zeugenstand gerufen werden, allerdings ist von ihm keine Aussage zu erwarten, die für den Ausgang des Prozesses von Bedeutung ist. So hatte er sich bereits 400 Mal auf den fünften Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten berufen: Das Recht auf Verweigerung einer Aussage, mit der man sich selbst belasten würde. Wann der Prozess endet, hängt davon ab, wie lange die Jury braucht um eine Entscheidung zu treffen. Angesetzt ist das Urteil für die Woche ab dem 19. Februar.

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