SMA Solar: „Die Subventionen waren zu hoch“
Wenn sich einer mit Krisen auskennt, dann Jürgen Reinert. Als der Manager vor 12 Jahren zu SMA Solar kam, lag hinter dem Konzern ein schier unendlicher Boom. Bis auf knapp zwei Milliarden Euro war der Umsatz mit Wechselrichtern, den Steuerungsmodulen für Solaranlagen, gewachsen. Doch just als Reinert ins Unternehmen eintrat, begann die Krise: „Innerhalb von vier Jahren haben wir knapp 50 Prozent der Mitarbeiter entlassen müssen“, erinnert sich Reinert im WirtschaftsWoche-Chefgespräch.
Er ist bis heute stolz darauf, die härteste Sparrunde 2015, kurz nachdem er in den Vorstand des Unternehmens eingezogen war, im Konsens gelöst zu haben. An einem Sonntagmorgen im Januar setzte man sich damals zusammen, Vorstand und Betriebsrat: „Und am Ende des Tages hatten wir uns auf einen harten Sanierungsplan geeinigt – den dann aber alle mitgetragen haben, auch der Betriebsrat.“
Neue Fabrik, doppelte Kapazität
Es sollte die härteste Entscheidung in Reinerts Managerleben bleiben, bis heute und auch für die Zukunft – hofft er. Denn auf die aktuelle Lage blickt er mit einiger Sorge. „Wir kommen aus einer extremen Wachstumsphase. Wenn jetzt das Tempo nachlässt, wird das für viele Unternehmen zum Problem.“
Zwar gelte das weniger für sein Unternehmen: Das vergangene Jahr wird SMA Solar mit einem Umsatzwachstum von mehr als 70 Prozent abschließen, auch für dieses Jahr laufe es ganz gut an. „Wir werden weiterhin ein gutes Wachstum sehen“, so Reinert. Gerade baut SMA Solar eine neue Fabrik, mit der sich die Produktionskapazitäten glatt verdoppeln werden. Andere, etwa die deutschen Hersteller von Solarmodulen, würden es schwerer haben. Der Markt werde schon jetzt von chinesischen Wettbewerbern dominiert – die noch dazu den Vorteil massiver Subventionen haben.
„Ich bin für sehr offenen und fairen Wettkampf, nur ist er das nicht wirklich“, sagt Reinert, der sich im Grundsatz der Forderung einiger Solarunternehmen nach staatlichen Unterstützungen in Deutschland anschließt. In Form eines sogenannten „Resilienzbonus“ solle der Bund die Wettbewerbsnachteile gegenüber den chinesischen Anbietern ausgleichen, so die Forderung etwa vom Modulhersteller Meyer Burger. Doch Reinert, ganz der krisenerprobte Manager, mahnt auch: Zu weit dürfe der Staat dabei nicht gehen. „Die Subventionen am Anfang des EEG waren letztendlich zu hoch.“ Der damals künstlich kreierte Boom habe den späteren Absturz mitverantwortet, so etwas dürfe das Land sich nicht nochmal leisten.
SMA hat China-Geschäft abgespalten
Mindestens genauso gefährlich aber sei das andere Extrem, eine völlige Abhängigkeit von China. „Das Risiko für die Cybersicherheit, das sich etwa ergibt, wenn China die Wechselrichter kontrolliert, wird oft unterschätzt“, so Reinert, dessen Unternehmen ein gutes Beispiel dafür ist, dass sich auch ohne chinesische Kostenvorteile gute Geschäfte machen lassen. Als es 2018 eine weitere Krise gab, so erzählt der SMA-Solar-Chef, „standen wir vor der Entscheidung, wo wir abbauen, in China oder in Deutschland.“
SMA Solar entschied sich anders als viele andere hiesige Unternehmen – und stieß die chinesischen Werke ab. Mit Erfolg: Der Konzern erweiterte im Zuge dessen sein Geschäftsmodell. Der Fokus, der vorher allein auf der Hardware – den Wechselrichtern – lag, verschob sich in Richtung Software. So entgeht der Konzern heute dem ganz harten Preiswettbewerb, der viele der Konkurrenten gerade in Existenznöte bringt.
Lesen Sie auch: Was den Chef von Meyer Burger in seinem Kampf um Subventionen antreibt