WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Solar-Branche Wo die Überlebenden Rettung suchen

Im vergangenen Jahr gingen mehr Solaranlagen in Deutschland als je zuvor. Doch der deutsche Markt gilt als übersättigt. Hersteller gehen pleite. Und selbst wer überlebt, muss sich neu orientieren.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Eine Solanlage nahe eines Braunkohle-Kraftwerks. Quelle: dapd

Düsseldorf Es sind wieder einmal Rekord-Zahlen, die die Bundesnetzagentur heute verkündet hat: 7.600 Megawatt neu installierte Leistung von Solaranlagen im vergangenen Jahr in Deutschland. Doch so gut sich das Wort „Rekord“ anhört: Die rosigen Zeiten für die Solarindustrie in Deutschland sind vorbei. Eine Pleitewelle hat die Branche erfasst, die vor allem Billigkonkurrenz aus China zu verdanken ist.

Erschwerend kommt hinzu: Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank wird die Nachfrage auf dem deutschen Markt – bisher weltweit wichtigster Markt für Solarkraft – in diesem Jahr um die Hälfte sinken. Diese Prognose galt bereits vor der angekündigten erneuten Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetz durch Umweltminister Altmaier.

Das Wachstum findet in anderen Teilen der Welt statt. Den Experten der Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge werden die neuen Solaranlagen vor allem in den USA und Asien gebaut, Europas Anteil an den neuinstallierten Anlagen werde von 80 Prozent im Jahr 2010 auf 37 Prozent im Jahr 2015 fallen. Vor allem in China, dem derzeit zweitgrößten Markt für Solaranlagen, aber auch in Indien, Japan und den USA liegt laut Experten das größte Potenzial.

Der Studie der Deutschen Bank zufolge wächst der Bedarf an Sonnenkraft in China von 4 Gigawatt im vergangenen Jahr auf 10 Gigawatt in diesem Jahr. Zum Vergleich: Deutschland hat derzeit eine installierte Solaranlagenleistung von rund 32,4 Gigawatt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Nachfrage in Indien nach Solaranlagen werde sich mehr als verdreifachen auf 4 Gigawatt. Bereits 2011 wies die Region im Bereich erneuerbare Energien das mit Abstand größte Investitionswachstum auf: Um 62 Prozent stiegen laut Zahlen von Bloomberg Energy Finance und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr. Dicht dahinter waren die USA mit 57 Prozent Wachstum. Europa hingegen kam nur auf 10 Prozent und lag damit sogar unter dem weltweiten Durchschnitt von 17 Prozent Wachstum.

    Manch ein Unternehmen reagiert bereits. So ist der hessische Wechselrichterhersteller SMA Solar seit einiger Zeit in Indien vertreten und im Dezember besiegelte das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung von 72,5 Prozent am chinesischen Wechselrichter-Hersteller Jiangsu Zeversolar New Energy. „China wird sich in den kommenden Jahren zum weltweit größten Solarmarkt entwickeln“, sagt SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon. „Bisher war dieser Markt aufgrund der lokalen Besonderheiten für uns nicht zugänglich“. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen ändere sich das.


    Schutzzölle auf chinesische Ware in den USA

    Auch First Solar, größter Solarmodulhersteller weltweit, tummelt sich bereits auf aussichtsreicheren Märkten als Deutschland. In Frankfurt an der Oder schloss das US-amerikanische Unternehmen erst im Dezember seine Werke mit insgesamt 1200 Mitarbeitern. In anderen Ländern expandiert First Solar dagegen, etwa in Indien. Dort will das Unternehmen rund 20 Prozent Marktanteil gewinnen.

    Vor allem ein staatliches Förderprogramm sorgt für rosige Aussichten. Indien will in den nächsten fünf Jahren 50 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investieren. „Wir hätten gerne, dass mindestens 15 Prozent dieses Investments in den nächsten fünf Jahren aus dem Ausland kommt“, sagte Gireesh Pradhan, Sekretär am Ministerium für Erneuerbare Energien im Juni der Nachrichtenagentur Bloomberg.

    In den vergangenen fünf Jahren sind die Preise für Solaranlagen um rund 50 Prozent gefallen, berichtet die European Photovoltaic Industry Association (EPIA). Viele Solarfirmen mussten bereits Insolvenz anmelden - Q-Cells, Solon, Sovello, Solarhybrid, Solar Millenium, der auf die Solarindustrie spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm, und erst gestern die Erfurter Asola Solarpower.

    Der deutsche Markt ist übersättigt, warnen Experten, Unternehmen müssen sich ins Ausland orientieren. Die Marktbeobachter der Beratungsfirma Oliver Wyman malen ein düsteres Bild: In den nächsten Jahren werden sich die Solarzellenhersteller auf weltweit zehn reduzieren.

    Wichtiger für die Solarfirmen werden beim Kampf ums Überleben auch die USA. Das Marktforschungsunternehmen iSuppli prognostiziert, dass die Vereinigten Staaten in diesem Jahr zum zweitgrößten Photovoltaik-Markt nach China aufsteigen wird. Erst dann werde Deutschland kommen. Gut, wer da schon vorgesorgt hat.

    Erleichtert wird der Markteintritt den Solarfirmen in den USA durch Schutzzölle auf chinesische Solarzellen. Je nach Hersteller liegen diese laut US-Handelsministerium zwischen 31 und 250 Prozent. Mehrere Solarfirmen hatten die Strafzölle vor Gericht erwirkt, weil die chinesischen Anbieter ihrer Meinung nach massiv von ihrer Regierung subventioniert werden und so die Preise unter die Herstellungskosten drücken. Auch in der EU läuft derzeit eine solche Klage.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%