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Solarworld-Chef Asbeck Der Fall des Sonnenkönigs

Während Anleger und Beschäftigte bluten, sonnt sich Solarworld-Gründer Frank Asbeck in den zig Millionen, die er mit dem Solarkonzern dank der Ökostromumlage jahrelang verdiente.

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Man muss sich schon ein wenig wundern. Am Mittwoch informierte der Bonner Solarkonzern, dass das Eigenkapital restlos aufgezehrt ist. Den Verlust nach Steuern für das Jahr 2012 beziffert Chef Frank Asbeck auf 520 bis 550 Millionen Euro - das Eigenkapital auf minus 20 bis minus 50 Millionen. Was für ein Absturz. Zur Zeiten des Solarbooms notierte die Solarworld-Aktie bei fast 48 Euro, nach den Schreckensbotschaften brach sie am Donnerstag zeitweise auf 56 Cent ein. Für die Anleger bleibt vom Solarabenteuer nichts übrig. Ganz anders für den Firmenchef. Der verzichtet zwar seit März 2012 auf jegliche Bezahlung, bis der Konzern wieder schwarze Zahlen schreibt. Das kann sich er sich aber auch leisten. Denn Asbeck hat gut vorgesorgt.

Wildromantisch liegt das Jagdschloss Calmuth in einem Seitental des Mittelrheins, zwischen Remagen und Oberwinter. Das Fachwerk-Haupthaus ist schmuck renoviert, Forellenteiche zieren die Umgebung, 350 Hektar Privatwald schließen sich an. Seit 2008 gehört das Anwesen Frank Asbeck, Gründer der nordrhein-westfälischen Grünen und des Bonner Solarkonzerns Solarworld.

Noch prunkvoller und pompöser ist Asbecks neue Erwerbung fünf Autominuten Richtung Rhein: Schloss Marienfels. Auf 800 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich 14 Zimmer, ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Whirlpool, ein Wintergarten sowie weitere zehn Hektar Wald. „Das habe ich aus meinem Privatvermögen bezahlt“, sagt Asbeck über sein Zweitschloss, das er TV-Moderator Thomas Gottschalk abkaufte.

Das alles und viel mehr verdankt der 53-jährige Diplomingenieur seinen Parteifreunden, den Grünen, sowie Solarworld, Deutschlands einstigem Vorzeigeunternehmen in der Solarbranche. Aus dem Nichts baute die schillernde Frontfigur der hiesigen Ökokapitalisten Solarworld auf, brachte es 1999 an die Börse und steigerte seinen Wert in Spitzenzeiten auf über fünf Milliarden Euro. Den Treibstoff dazu lieferten die Grünen in Berlin, indem sie 2000 in der Regierung mit der SPD das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen, das Solarstromproduzenten gigantische Einnahmen garantierte – und Firmen wie Solarworld ein Absatzfeld schuf.

Doch vergangen, vorbei. Solarworld kämpft ums Überleben. Und Asbeck erweist sich als einer, der es verstand, an der Spitze von Solarworld mit der Hilfe der Firma sein Vermögen vortrefflich zu mehren. Weitere Stellen würden gestrichen, um die Kosten zu senken, teilte Asbeck wenige Tage vor Bekanntwerden seines neuerlichen Schlosserwerbs mit. Schon 2011 gab er 500 Leiharbeitern den Laufpass, 2012 entließ er weitere 250 von insgesamt noch 2500 Mitarbeitern. Die Aktionäre verloren in den zurückliegenden zwölf Monaten drei Viertel ihres Vermögens. Wer Solarworld Geld lieh, würde beim Verkauf der Anleihen zurzeit nur noch ein Fünftel des Nennwertes erhalten. Und Asbeck kann nun auf zehn Hektar Wald mehr jagen.

Aktien-Info Solarworld

Solange Solarworld gut lief, in den Jahren zwischen 2005 und 2009, nahm niemand davon Notiz, wie viel Asbeck damit selbst verdiente: als Vorstandschef und Großaktionär. Niemand nahm Anstoß an seinen Maserati und Rolls-Royce, der burgähnlichen Villa im Bonner Süden und seinen mondänen Partys.

Erste Fragezeichen hinter Asbecks Finanzgebaren tauchten vor gut einem Jahr auf. Trotz der Rekordnachfrage nach Solaranlagen in Deutschland war Solarworld 2011 erstmals seit 2003 tief in die roten Zahlen und in eine bedrohliche Verschuldung geraten. Obwohl das Unternehmen 233 Millionen Euro Verlust meldete, schüttete Solarworld rund zehn Millionen Euro Dividende aus. Mehr als ein Viertel davon ging auf das Privatkonto von Asbeck, der heute knapp 28 Prozent der Aktien hält.

„Ich halte so etwas für unvertretbar“, schimpfte Christian Strenger, Unternehmensführungsexperte und langjähriger Chef der Investmentgesellschaft DWS, nach dem Beschluss der Hauptversammlung. „Das dient nicht dem Interesse des Unternehmens.“ Zwar verkündete Asbeck wenige Wochen nach der Hauptversammlung, er werde künftig auf sein Gehalt, seinen Bonus und seinen Dividendenanteil so lange verzichten, bis Solarworld wieder Gewinne schreibe. Aber eben erst nach der Ausschüttung.

Genug für die Villa


Die Sonnenkönige der Solarbranche
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis.... Quelle: dpa
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Die Selbstbedienung vor einem Dreivierteljahr ist nur der Schlusspunkt unter eine lange Liste großzügiger Überweisungen, mit denen Asbeck seit der Solarworld-Gründung 1998 nicht nur die Aktionäre, sondern vor allem sich selbst immer wieder belohnte. Etwa 28 Millionen Euro dürfte er in den vergangenen elf Jahren als Aktionär in Form von Dividenden eingestrichen haben. Rund 106 Millionen Euro schüttete Solarworld seit Börsengang aus – Asbeck und Familie hielten in jedem Jahr mindestens 25 Prozent der Anteile. In den ersten beiden Jahren, als das EEG vor der Tür stand und nach Inkrafttreten die Fantasie der Börsianer beflügelte, dürften schätzungsweise mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr an ihn geflossen sein, da er die Mehrheit der Aktien hielt. In den beiden folgenden Jahren waren es immerhin noch über 40 Prozent der Ausschüttungen. 2004 dürfte der Wert der Ausschüttungen für ihn noch unter einer Million Euro gelegen haben.

Die Jahre darauf ging es Asbeck umso besser, je mehr die EEG-Umlage die Leute Solaranlagen installieren ließ und von den anderen Stromkunden dafür kassierten. Der Aktienkurs von Solarworld stieg und Asbecks Dividende mit. Für 2005 gab es 50 Cent pro Aktie, das machte etwa 1,7 Millionen Euro. Ein Jahr später darf er sich über knapp drei Millionen Euro freuen.

Die Fehler von Solarworld

Doch das sind Peanuts gegenüber den 40 Millionen Euro, die Asbeck im Jahr zuvor erzielte, indem er einen Teil seiner Aktien verkaufte. Obwohl ihm nur noch ein Viertel des Unternehmens gehört, summieren sich die Dividenden für ihn 2007 auf fast vier Millionen Euro. Dann kommt 2008, das Boom-Jahr für Solarworld. Das Unternehmen fährt den höchsten Gewinn in der Firmengeschichte ein, und Asbeck kassiert mehr als vier Millionen Euro Dividende. Da gönnt er sich das Jagdschloss Calmuth.

Dass die Geschäftsaussichten schlechter werden und die Aktie auf Talfahrt ist, scheint Asbeck in der Folgezeit wenig zu stören. Er erreicht, das trotz der Warnzeichen 2010 das Geschäftsjahr mit der höchsten Ausschüttung wird. Mehr als fünf Millionen Euro dürfte Asbeck an Dividenden eingestrichen haben. Das Geld legte er unter anderem beim Düsseldorfer Privatbankhaus Hauck & Aufhäuser an, in das er sich mit neun Prozent einkaufte. Branchenkreisen zufolge kostete Asbeck das einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Er selbst äußerte sich nicht.

Dividenden und Aktienverkäufe waren nicht Asbecks einzige Einnahmequellen via Solarworld. Auch das Salär als Vorstandschef von mehreren Millionen Euro füllte sein Konto oder das seiner Familie. Von 2006 bis 2011 überwies ihm Solarworld pro Jahr rund eine Million Euro. Das Gehalt der Vorjahre legte Asbeck nicht offen.

Kaum jemand in der Solarszene verstand es, sich mit seinen Millionen im Rücken so in Szene zu setzen wie der Ex-Grünen-Politiker. 2008, zum Dreikönigstag, schenkte er Papst Benedikt XVI. eine Solaranlage für das Dach der päpstlichen Audienzhalle. Im gleichen Jahr bot er sich sogar an, den angeschlagenen Autobauer Opel zu retten und die deutschen Standorte vom Mutterkonzern General Motors übernehmen zu wollen. Solarworld könne insgesamt eine Milliarde Euro bereitstellen, tönte Asbeck.

Doch je länger die Show lief, desto mehr lenkte Asbeck damit zugleich von eigenen Versäumnissen ab: Obwohl er in einem Interview 2008 behauptete, er erkenne Trends sehr früh und sei anderen meist zehn Jahre voraus, merkte er nicht, was sich in Asien zusammenbraute. Asbeck wollte nicht wahrhaben, dass die Fertigung von Massenprodukten wie Zellen und Modulen in China, aber auch in Malaysia, Taiwan oder Korea schlicht billiger ist als an seinen Standorten im sächsischen Freiberg oder im US-Staat Oregon.

Schwerwiegende Fehler


Der Jungfernflug der "Solar Impulse 2"
Knapp ein Jahr vor einer geplanten Erdumrundung hat das Schweizer Sonnenenergie-Flugzeug „Solar Impulse 2“ erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert. Quelle: REUTERS
Der erste Praxistest der von den Schweizer Flugpionieren Bertrand Piccard und André Borschberg entworfenen Maschine dauerte am Montag 2 Stunden und 17 Minuten. „Die Resultate zeigen, dass unser Ingenieur-Team stolz sein kann auf die in den letzten zehn Jahren geleistete Arbeit“, erklärte Piccard. Quelle: AP
Nach verschiedenen Tests auf Flughöhen von bis zu 8000 Fuß (rund 2400 Meter) landete der Sonnenflieger unter dem Jubel von Schaulustigen wie geplant kurz vor 08.00 Uhr wieder auf dem Militärflugplatz von Payerne beim Neuenburgersee im Westen der Schweiz. Quelle: AP
Am Steuerknüppel saß bei dem Jungfernflug der Testpilot Marcus Scherdel (Mitte). Er habe bestätigt, dass sich die Maschine in der Luft gemäß allen Erwartungen und Simulationen verhalten habe, heißt es in einer Mitteilung des „Solar Impulse“-Teams. Weitere Testflüge sollen in den nächsten Monaten folgen. Quelle: dpa
Es ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Pilotprojekt, gestartet 2014. Ein Einsitzer mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet - sollte im März 2015 zu einer Umrundung der Erde starten. Dabei wollten sich Piccard, Borschberg und weitere Piloten in zahlreichen Flugetappen abwechseln. Quelle: REUTERS
Das Flugzeug verfüge im Vergleich zum Vorgängermodell über „eine Reihe neuer Technologien, die es effizienter, zuverlässiger und insbesondere besser geeignet machen für Langstreckenflüge“. Quelle: REUTERS
Der Sonnenflieger ist mit mehr als 17.200 Solarzellen ausgestattet, die vier Elektromotoren antreiben. Quelle: AP

Verkaufspreise für kristalline Module chinesischer Hersteller (zum Vergrößern bitte anklicken).

Zwar hat der Preisverfall auf den Modul- und Zellmärkten durch die chinesischen Billiganbieter das Sterben in der Branche beschleunigt und jetzt auch Solarworld in eine Existenzkrise getrieben. Doch Asbeck und seine Manager haben, so die Einschätzung von Wolfgang Hummel, Direktor am Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin, selbst schwere Fehler gemacht.

Wieder Hilfe vom Staat

Damit nicht genug, verschlechtere Asbeck mit dem angekündigten Arbeitsplatzabbau sogar die Chancen eines Erfolgs der EU-Dumping-Beschwerde, meint Solarexperte Hummel. Bei der Entscheidung über Strafzölle habe die EU auch das wirtschaftliche Gewicht der Branche zu berücksichtigen. Und das sinke durch den erneuten Kahlschlag bei Solarworld.

In Arbeit
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Und was macht Asbeck nun, da die Förderung des Sonnenstroms immer mehr an Kraft verliert und Solarworld in die Pleite zu stürzen droht? Er spekuliert wieder auf staatliche Unterstützung. Half ihm jahrelang die Ökostromabgabe, schielt er jetzt auf das neue Subventionsprogramm für Solarspeicher, für das Anfang März der Startschuss fallen soll. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte angekündigt, in diesem Jahr mindestens 50 Millionen Euro für Akkus zur Speicherung des Solarstroms bereitzustellen. Jede neue Anlage soll mit etwa 2000 Euro bezuschusst werden. Für Asbeck wäre dies ein willkommenes Ankurbelungsprogramm. Denn Solarworld offeriert seit Juli 2012 in einem sogenannten Deutschland-Paket eine Solarstromanlage in Kombination mit dem passenden Batteriespeicher.

Völlig aussichtslos scheinen die Überlebenschancen von Solarworld nicht. Doch selbst wenn die Anleger Solarworld mit einem Schuldenschnitt entgegenkämen: Das Grundproblem wäre damit nicht gelöst, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Die Frage wird sein, ob es Solarworld gelingt, ein trag- und zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu etablieren.“ Das sei Asbeck und seinen Kollegen in letzter Zeit jedoch nicht gelungen. Branchenexperte Hummel geht noch weiter: „Solarworld muss eine gewaltige Sanierungsaufgabe bewältigen. Dafür ist Asbeck nicht mehr der richtige Mann.“

Als Abservierter hätte Asbeck mehr Zeit, seine Errungenschaften durch Solarworld zu genießen. Und von Schloss Calmuth aus könnte er auf dem Rheinhöhenweg zur Apollinariskirche nebst Kloster spazieren. Dort haben die Franziskaner-Mönche am 31. Dezember 2006 ihre letzte Messe gelesen. Für Asbeck hat die letzte vermutlich gerade begonnen – die Verhandlungen mit den Geldgebern von Solarworld und über seine eigene Zukunft im Unternehmen.

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