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Solarworld-Chef Asbeck Der Fall des Sonnenkönigs

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Genug für die Villa


Die Sonnenkönige der Solarbranche
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis.... Quelle: dpa
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Die Selbstbedienung vor einem Dreivierteljahr ist nur der Schlusspunkt unter eine lange Liste großzügiger Überweisungen, mit denen Asbeck seit der Solarworld-Gründung 1998 nicht nur die Aktionäre, sondern vor allem sich selbst immer wieder belohnte. Etwa 28 Millionen Euro dürfte er in den vergangenen elf Jahren als Aktionär in Form von Dividenden eingestrichen haben. Rund 106 Millionen Euro schüttete Solarworld seit Börsengang aus – Asbeck und Familie hielten in jedem Jahr mindestens 25 Prozent der Anteile. In den ersten beiden Jahren, als das EEG vor der Tür stand und nach Inkrafttreten die Fantasie der Börsianer beflügelte, dürften schätzungsweise mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr an ihn geflossen sein, da er die Mehrheit der Aktien hielt. In den beiden folgenden Jahren waren es immerhin noch über 40 Prozent der Ausschüttungen. 2004 dürfte der Wert der Ausschüttungen für ihn noch unter einer Million Euro gelegen haben.

Die Jahre darauf ging es Asbeck umso besser, je mehr die EEG-Umlage die Leute Solaranlagen installieren ließ und von den anderen Stromkunden dafür kassierten. Der Aktienkurs von Solarworld stieg und Asbecks Dividende mit. Für 2005 gab es 50 Cent pro Aktie, das machte etwa 1,7 Millionen Euro. Ein Jahr später darf er sich über knapp drei Millionen Euro freuen.

Die Fehler von Solarworld

Doch das sind Peanuts gegenüber den 40 Millionen Euro, die Asbeck im Jahr zuvor erzielte, indem er einen Teil seiner Aktien verkaufte. Obwohl ihm nur noch ein Viertel des Unternehmens gehört, summieren sich die Dividenden für ihn 2007 auf fast vier Millionen Euro. Dann kommt 2008, das Boom-Jahr für Solarworld. Das Unternehmen fährt den höchsten Gewinn in der Firmengeschichte ein, und Asbeck kassiert mehr als vier Millionen Euro Dividende. Da gönnt er sich das Jagdschloss Calmuth.

Dass die Geschäftsaussichten schlechter werden und die Aktie auf Talfahrt ist, scheint Asbeck in der Folgezeit wenig zu stören. Er erreicht, das trotz der Warnzeichen 2010 das Geschäftsjahr mit der höchsten Ausschüttung wird. Mehr als fünf Millionen Euro dürfte Asbeck an Dividenden eingestrichen haben. Das Geld legte er unter anderem beim Düsseldorfer Privatbankhaus Hauck & Aufhäuser an, in das er sich mit neun Prozent einkaufte. Branchenkreisen zufolge kostete Asbeck das einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Er selbst äußerte sich nicht.

Dividenden und Aktienverkäufe waren nicht Asbecks einzige Einnahmequellen via Solarworld. Auch das Salär als Vorstandschef von mehreren Millionen Euro füllte sein Konto oder das seiner Familie. Von 2006 bis 2011 überwies ihm Solarworld pro Jahr rund eine Million Euro. Das Gehalt der Vorjahre legte Asbeck nicht offen.

Kaum jemand in der Solarszene verstand es, sich mit seinen Millionen im Rücken so in Szene zu setzen wie der Ex-Grünen-Politiker. 2008, zum Dreikönigstag, schenkte er Papst Benedikt XVI. eine Solaranlage für das Dach der päpstlichen Audienzhalle. Im gleichen Jahr bot er sich sogar an, den angeschlagenen Autobauer Opel zu retten und die deutschen Standorte vom Mutterkonzern General Motors übernehmen zu wollen. Solarworld könne insgesamt eine Milliarde Euro bereitstellen, tönte Asbeck.

Doch je länger die Show lief, desto mehr lenkte Asbeck damit zugleich von eigenen Versäumnissen ab: Obwohl er in einem Interview 2008 behauptete, er erkenne Trends sehr früh und sei anderen meist zehn Jahre voraus, merkte er nicht, was sich in Asien zusammenbraute. Asbeck wollte nicht wahrhaben, dass die Fertigung von Massenprodukten wie Zellen und Modulen in China, aber auch in Malaysia, Taiwan oder Korea schlicht billiger ist als an seinen Standorten im sächsischen Freiberg oder im US-Staat Oregon.

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