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Solarworld-Chef Asbeck Der Fall des Sonnenkönigs

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Schwerwiegende Fehler


Der Jungfernflug der "Solar Impulse 2"
Knapp ein Jahr vor einer geplanten Erdumrundung hat das Schweizer Sonnenenergie-Flugzeug „Solar Impulse 2“ erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert. Quelle: REUTERS
Der erste Praxistest der von den Schweizer Flugpionieren Bertrand Piccard und André Borschberg entworfenen Maschine dauerte am Montag 2 Stunden und 17 Minuten. „Die Resultate zeigen, dass unser Ingenieur-Team stolz sein kann auf die in den letzten zehn Jahren geleistete Arbeit“, erklärte Piccard. Quelle: AP
Nach verschiedenen Tests auf Flughöhen von bis zu 8000 Fuß (rund 2400 Meter) landete der Sonnenflieger unter dem Jubel von Schaulustigen wie geplant kurz vor 08.00 Uhr wieder auf dem Militärflugplatz von Payerne beim Neuenburgersee im Westen der Schweiz. Quelle: AP
Am Steuerknüppel saß bei dem Jungfernflug der Testpilot Marcus Scherdel (Mitte). Er habe bestätigt, dass sich die Maschine in der Luft gemäß allen Erwartungen und Simulationen verhalten habe, heißt es in einer Mitteilung des „Solar Impulse“-Teams. Weitere Testflüge sollen in den nächsten Monaten folgen. Quelle: dpa
Es ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Pilotprojekt, gestartet 2014. Ein Einsitzer mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet - sollte im März 2015 zu einer Umrundung der Erde starten. Dabei wollten sich Piccard, Borschberg und weitere Piloten in zahlreichen Flugetappen abwechseln. Quelle: REUTERS
Das Flugzeug verfüge im Vergleich zum Vorgängermodell über „eine Reihe neuer Technologien, die es effizienter, zuverlässiger und insbesondere besser geeignet machen für Langstreckenflüge“. Quelle: REUTERS
Der Sonnenflieger ist mit mehr als 17.200 Solarzellen ausgestattet, die vier Elektromotoren antreiben. Quelle: AP

Verkaufspreise für kristalline Module chinesischer Hersteller (zum Vergrößern bitte anklicken).

Zwar hat der Preisverfall auf den Modul- und Zellmärkten durch die chinesischen Billiganbieter das Sterben in der Branche beschleunigt und jetzt auch Solarworld in eine Existenzkrise getrieben. Doch Asbeck und seine Manager haben, so die Einschätzung von Wolfgang Hummel, Direktor am Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin, selbst schwere Fehler gemacht.

Wieder Hilfe vom Staat

Damit nicht genug, verschlechtere Asbeck mit dem angekündigten Arbeitsplatzabbau sogar die Chancen eines Erfolgs der EU-Dumping-Beschwerde, meint Solarexperte Hummel. Bei der Entscheidung über Strafzölle habe die EU auch das wirtschaftliche Gewicht der Branche zu berücksichtigen. Und das sinke durch den erneuten Kahlschlag bei Solarworld.

Energie



Und was macht Asbeck nun, da die Förderung des Sonnenstroms immer mehr an Kraft verliert und Solarworld in die Pleite zu stürzen droht? Er spekuliert wieder auf staatliche Unterstützung. Half ihm jahrelang die Ökostromabgabe, schielt er jetzt auf das neue Subventionsprogramm für Solarspeicher, für das Anfang März der Startschuss fallen soll. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte angekündigt, in diesem Jahr mindestens 50 Millionen Euro für Akkus zur Speicherung des Solarstroms bereitzustellen. Jede neue Anlage soll mit etwa 2000 Euro bezuschusst werden. Für Asbeck wäre dies ein willkommenes Ankurbelungsprogramm. Denn Solarworld offeriert seit Juli 2012 in einem sogenannten Deutschland-Paket eine Solarstromanlage in Kombination mit dem passenden Batteriespeicher.

Völlig aussichtslos scheinen die Überlebenschancen von Solarworld nicht. Doch selbst wenn die Anleger Solarworld mit einem Schuldenschnitt entgegenkämen: Das Grundproblem wäre damit nicht gelöst, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Die Frage wird sein, ob es Solarworld gelingt, ein trag- und zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu etablieren.“ Das sei Asbeck und seinen Kollegen in letzter Zeit jedoch nicht gelungen. Branchenexperte Hummel geht noch weiter: „Solarworld muss eine gewaltige Sanierungsaufgabe bewältigen. Dafür ist Asbeck nicht mehr der richtige Mann.“

Als Abservierter hätte Asbeck mehr Zeit, seine Errungenschaften durch Solarworld zu genießen. Und von Schloss Calmuth aus könnte er auf dem Rheinhöhenweg zur Apollinariskirche nebst Kloster spazieren. Dort haben die Franziskaner-Mönche am 31. Dezember 2006 ihre letzte Messe gelesen. Für Asbeck hat die letzte vermutlich gerade begonnen – die Verhandlungen mit den Geldgebern von Solarworld und über seine eigene Zukunft im Unternehmen.

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