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SpaceX „Crew Dragon“ gelandet „Jetzt glaube ich, dass es sich auf Dauer rechnet“

SpaceX: Testflug zur ISS für Elon Musk erfolgreich Quelle: dpa

Es ist ein großer Schritt für die kommerzielle Raumfahrt: Eine Test-Kapsel von Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX ist erfolgreich zur internationalen Raumstation und zurück geflogen. Raumfahrt-Experte Hansjörg Dittus revidiert im Interview seine anfängliche Skepsis.

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Elon Musk kann erleichtert sein: Die „Crew Dragon“ ist von der Internationalen Raumstation ISS zurückgekehrt. Der sechs Tage lange Testflug der Raumkapsel war nicht irgendeine Mission. Schon bald will Musks Weltraumunternehmen SpaceX neben amerikanischen Astronauten auch Privatleute ins All fliegen.

Vor einer Woche war die Falcon-9-Rakete mit der Testpuppe Ripley an Bord vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet, dockte tags darauf erfolgreich an die Weltraumstation ISS an und in der Nacht zu Freitag wieder ab, bevor sie wie geplant vor der Küste Floridas im Wasser landete.

Nach dem geglückten Testflug hat sich auch die anfängliche Skepsis von Hansjörg Dittus gelegt. Beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum ist Dittus im Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie zuständig. Und so war auch er fasziniert, als es am Freitagnachmittag unserer Zeit hieß: Mission erfüllt.

Herr Dittus, erleben wir gerade einen Durchbruch auf dem Weg zum Weltraumtourismus?
Hansjörg Dittus: Noch vor wenigen Jahren hätte ich gesagt: Daraus entwickelt sich kein Markt. Mittlerweile glaube ich, dass es sich auf Dauer rechnen wird. Denn aus der Raumfahrt für Menschen einen Business Case zu machen, diesen Anspruch habe ich in Gesprächen bei SpaceX immer wieder gehört. Die erwarten ganz klar, Privatleute in größerer Zahl in den Weltraum zu fliegen.

Hansjörg Dittus ist im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mit Sitz in Köln für den Bereich Raumfahrtforschung und -technologie zuständig. Immer wieder reist der promovierte Physiker zu Raumfahrtunternehmen in den USA, aber auch in anderen Ländern: Gerade war Dittus in Australien, wo das Raumfahrtprogramm erst ganz am Anfang steht. Quelle: PR

Andere, wie Richard Branson mit „Virgin Galactic“ oder Jeff Bezos mit „Blue Origin“, haben ähnliches vor wie Musk. Wird 2019 das Jahr der kommerziellen Raumfahrt?
Die aktuellen Entwicklungen sind die konsequente Weiterführung dessen, was immer geplant war: Astronautische Einsätze vorzubereiten. SpaceX lebt derzeit noch stark von staatlichen Aufträgen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und militärischen Aufträgen für Satelliten. Für die Amerikaner war es ein traumatisches Erlebnis, jahrelang auf die russische Raumfahrt angewiesen zu sein.

Allein mit Nasa-Aufträgen dürfte SpaceX kaum auf seinen geschätzten Wert von rund 30 Milliarden Dollar kommen.
Jetzt kommen Superreiche als Kunden hinzu. Den ersten Privatflug mit einer Sonde zum Mond hat SpaceX für Dutzende Millionen Dollar verkauft, die Nachfrage ist da, aber die Preise sind horrend. Ein Flug zum Mond wird immer teuer sein, aber künftig geht es um unterschiedliche Reiseziele zu unterschiedlichen Preisen. Virgin Galactic zum Beispiel konzentriert sich touristisch auf suborbitale Flüge bis rund 100 Kilometer Höhe. Bei denen gelangt man nicht in die Erdumlaufbahn, fliegt aber etwas über die Erdatmosphäre hinaus, wo der Himmel nicht mehr blau, sondern schwarz ist. Wenn dieses Erlebnis für erschwingliches Geld möglich ist, werden das sicher einige machen.

SpaceX arbeitet auch an wiederverwertbaren Raketen, um die Kosten zu senken. Sollte der Staat so etwas noch mit Steuergeld fördern?
Ja und nein. Es sind Milliarden an staatlichem Entwicklungsgeld in die Raumfahrt geflossen, die sich niemals als Investition rechnen werden. Man darf aber nicht vergessen, dass auch der Luftverkehr nicht immer vom Massentourismus gelebt hat, sondern mit staatlicher Hilfe aufgebaut wurde.

Und in Europa? Die von einer Airbus-Tochter entwickelte Trägerrakete Ariane ist ein rein öffentliches Projekt.
Uns in Europa fehlen einfach Unternehmer wie in Amerika, die bereit sind, viel Geld in Dinge zu stecken, von denen sie überzeugt sind. Wir brauchen aber auch in Europa eine funktionstüchtige Großrakete, um die strategische Möglichkeit zu haben, selbst in den Weltraum zu kommen. Das ist weit weg von dem, was anderswo an Kommerzialisierung läuft.

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