Sparplan beschlossen Bilanzdesaster und Machtkampf bei SGL

Egal, wo man hinschaut: Die Geschäfte des Technologiekonzerns SGL laufen überall schlecht. Zudem sind sich Vorstandschef Robert Koehler und die Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Klatten nicht grün.

Sowohl bei Graphitelektroden, Graphitspezialitäten als es auch im Geschäftsfeld Kohlefaser läuft es für SGL derzeit schleicht. Quelle: dpa

Wenn es in einem Bereich mal schlecht läuft, können das andere Sparten ausgleichen. Sagt die Management-Theorie. Um das Risiko breiter zu streuen, gibt es beim Wiesbadener Technologiekonzern SGL drei Geschäftsbereiche. Das Problem ist nur, dass  die SGL Sparten derzeit alle schlecht laufen – die schöne Idee des Risikoausgleichs ist damit perdu.  Sowohl bei Graphitelektroden, Graphitspezialitäten als es auch im Geschäftsfeld Kohlefaser läuft es für SGL derzeit gar nicht rund. Mit Hilfe von Graphitelektroden lässt sich Stahl recyceln, was sich aber in Zeiten des billigen Stahls kaum noch lohnt.

Graphitspezialitäten, etwa hitzeständige Teile für Solaranlagen, lassen sich auch schlechter absetzen, seitdem die deutsche Solarbranche sich mehr und mehr auflöst. Und Karbonfasern, wie sie etwa im BMW-Elektroauto i3 oder im Dreamliner von Boeing Verwendung finden, sind zwar eine große Hoffnung für die Zukunft, kosten aber erst einmal Geld. Dass die Produktion des Dreamliners deutlich hinter dem Zeitplan zurückliegt, belastet SGL beträchtlich.

Welche Chefs massiv unter Druck stehen
Commerzbank: Martin Blessings ewige BaustelleSeit sechs Jahren saniert Martin Blessing die teilverstaatlichte Commerzbank: Zu seinem Rezept gehört, das Institut auf Privatkunden und Mittelstand neu auszurichten, bis 2016 rund 5200 Stellen einzusparen und weniger lukrative Randbereiche und Altlasten abzustoßen. So konnte Blessing im Juli den Verkauf des britischen Immobiliengeschäfts aus dem Bestand der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo vermelden. Ein Fortschritt, doch die Reste der Eurohypo kleben Blessing noch immer wie ein Klotz am Bein. Unterm Strich liefert die Commerzbank keine gutes Ergebnisse ab. In der ersten Jahreshälfte ist die Aktie um fast 45 Prozent gefallen - hält diese Entwicklung an, droht der Ausstieg aus dem Dax. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Umbau der Commerzbank frühestens 2015 Früchte tragen wird. Auch für Blessing wird das Eis dünn. Jetzt mischt sich auch noch der Bund in die Verhandlungen über Abfindungen von zwei Commerzbank-Vorständen ein. Quelle: REUTERS
K+S: Investoren sind unzufrieden mit Norbert SteinerKein DAX-Wert lief schlechter als der von K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel von Juli 2012 bis Juli 2013 um knapp ein Drittel. Damit sorgt K+S-Chef Norbert Steiner für Unmut bei den Investoren, unter denen manche den Aufstand proben sollen. Steiner zu stürzen, wird jedoch schwierig sein – angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur auf der einen Seite und dem starken Rückhalt Steiners innerhalb des Unternehmens auf der anderen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft mit AltlastenMilliardenhohe Schmiergelder an Auftragnehmer, Kartellbildung mit Schienen-, Aufzug- und Rolltreppenherstellern, ausufernde Bürokratie, Luxusreisen für Journalisten, Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Die Altlasten, die ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger übernommen hat, sind gewaltig. Durch die Abschreibungen auf die Stahlwerke hat der Konzern Schulden von 5,3 Milliarden Euro angehäuft. Die Eigenkapitalquote schrumpft zusehends. Hiesinger hat das Gros der Probleme nicht verursacht, soll es nun aber richten. Eine Sisyphusaufgabe. Quelle: dpa
Daimler: Zetsche kämpft gegen die MarktlageSeit Dieter Zetsches Vertrag nur um drei, statt um fünf Jahre verlängert wurde, gilt der Daimler-Chef als angezählt. Gründe gibt es viele. Die Aktionäre sind unzufrieden, die Renditen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ausgerechnet im Wachstumsmarkt China fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Kastenwagen Citan patzte beim Crashtest und jetzt auch noch das Gerangel mit Frankreich wegen eines nicht zulässigen Kältemittels. Für Zetsche läuft es nicht rund. Es fehlen die großen Innovationen - BMW setzt auf seine Elektro-Flitzer aus Karbon. Nissan, General Motors und Toyota verkaufen jedes Jahr Zehntausende von Elektroautos. Von Mercedes dagegen gibt es bis heute kein einziges E-Mobil. Der Daimler-Chef hat den Aktionären eine Verbesserung der Geschäftslage versprochen. Angesichts des schwachen deutschen und europäischen Markts ein mutiges Versprechen. Quelle: dpa
Karstadt: Andrew Jennings bekommt nicht die KurveDrei Jahre nach der vermeintlichen Karstadt-Rettung durch Investor Nicolas Berggruen geht es dem Warenhaus immer noch nicht besser. Der neu eingesetzte Chef Andrew Jennings konnte das Ruder nicht herumreißen, auch weil sich Berggruen bisher weigert, Geld zu investieren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 fuhr Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern ein, für 2012/13 soll erneut ein Verlust anstehen. Jennings reagiert, indem er den Tarifvertrag aussetzt und 2.000 Stellen streicht. Ob das ausreicht, ist fraglich. Der Aufsichtsrat sucht bereits seit mehreren Wochen nach einem Nachfolger. Quelle: dpa
Apple: Tim Cook soll endlich liefernApple-Chef Tim Cook fehlt nicht nur die Strahlkraft des 2007 verstorbenen Unternehmensgründers Steve Jobs – sondern auch dessen Erfolge: Seit dem iPad hat das Unternehmen in drei Jahren kein grundlegend neues Produkt mehr herausgebracht, das iPhone 5 war im Herbst 2011 bloß eine Weiterentwicklung des 4S. Während Konkurrent Google an der Computer-Brille Google Glass arbeitet, setzt Apple auf eine Computer-Uhr, die
Siemens: Peter Löscher muss gehenFür ihn heißt es bereits

Entsprechend schlecht fielen die Halbjahreszahlen  aus, die SGL am heutigen Donnerstag präsentierte: Bei einem immerhin noch leicht steigenden Umsatz auf 828 Millionen Euro reduzierte sich das Konzernergebnis  von 23 Millionen auf minus 243 Millionen Euro. Zahlreiche Abschreibungen und Wertberichtigungen belasteten das Ergebnis. Die Gewinnprognose für das Jahr 2013 hatte Koehler schon Ende Juni kassiert. Der Konzerngewinn 2013 - vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – wird demnach  um 50 bis 60 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen.

Koehler hat jetzt ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Inwiefern und wie viele Arbeitsplätze wegfallen, ist noch unklar. Der Maßnahmenkatalog umfasst die ganze, übliche Palette: Geschäfte sollen möglicherweise ausgegliedert und verlagert, Produktionsteile verkauft und die Organisation  stärker auf Effizienz getrimmt werden.  Klingt eher beunruhigend für die Mitarbeiter. Details dazu will SGL in Kürze bekannt geben.

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Auch nicht gerade förderlich ist, dass sich Vorstandschef Koehler und die Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Klatten aus der Quandt-Dynastie nicht wirklich grün sind. Koehlers Kritiker sagen, dass er sich in den gut zwei Jahrzehnten seines Wirkens das Unternehmen untertan gemacht hat. Sein aufwändiger Führungsstil und sein rüder Umgangston stoßen vielen sauer.

Dienstliche Besprechungen sollen auch schon mal „in Ausnahmefällen“ in seinen Privathäusern in Spanien und Österreich stattgefunden haben. Der neuen Aufsichtsratschefin gefällt das selbstherrliche Gebaren nicht. Koehlers Vertrag läuft 2014 aus; der Chef erreicht dann die Pensionsgrenze. Ob Klatten Koehler so lange im Amt hält, ist fraglich. Noch fraglicher ist, ob Koehler als Chef noch den Aufschwung der SGL-Geschäfte erlebt.                   

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