Sparprogramm Druck auf den Siemens-Chef

Konzernchef Peter Löscher stellt am Donnerstag seinen Führungskräften ein umfangreiches Sparprogramm vor. Details sind noch nicht bekannt, doch fest steht: Die kommenden Monate werden nicht einfach.

Boehringer Ingelheim legt Sparprogramm auf
Boehringer IngelheimDeutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller will seine Kosten deutlich senken. Der Konzern habe sich das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent in Deutschland einzusparen, erklärte eine Sprecherin der
AudiUnter dem Eindruck sinkender Erträge stellt Audi seine Mitarbeiter auf Einsparungen ein. Das neue Programm
DaimlerKonzernchef Dieter Zetsche legt beim Sparprogramm
VolkswagenLange Gesichter auch bei Volkswagen. Chef Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte auf milliardenschwere Sparbemühungen eingeschworen: fünf Milliarden Euro bis 2017. So will der Chef die anvisierten sechs Prozent Umsatzrendite in der VW-Pkw-Sparte bis 2018 doch noch schaffen. Vergangenes Jahr kamen aber nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen die Einsparungen unter anderem beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten erreicht werden. Winterkorn beklagte zudem zu hohe Aufwendungen beim Bau neuer Fabriken sowie dem Anlauf von neuen Modellen. Quelle: dpa
BMWDer Autobauer will einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Sparprogramm Milliarden einsparen. Bis 2020 sollten die Kosten um mindestens drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sinken, berichtete das
Siemens Programm
DaimlerDas Sparprogramm „Fit for Leadership (F4L)“ ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis Ende 2014 rund zwei Milliarden Euro sparen. Im Lkw-Bereich sollen es insgesamt 1,6 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen Ersparnisse in der Bussparte. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren. Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema - freiwerdende Stellen werden aber möglicherweise nicht neu besetzt und ältere Mitarbeiter über Alterszeit früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Daimler will Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Im für die Schwaben problematischen Markt China sollen die bisher zwei Vertriebsgesellschaften zu einer zusammenwachsen.Auf der Hauptversammlung am 9. April 2014 kündigte Chef Zetsche an, das Sparprogramm auszuweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung. Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Quelle: dapd

Von einem „steinigen Weg“ sprechen Siemens-Chef Peter Löscher und sein Finanzvorstand Joe Kaeser seit einigen Monaten, wenn sie die Aussichten des Technologieriesen in der näheren Zukunft beschreiben. Der Konjunkturabschwung trifft die Münchner mit voller Wucht. Der Auftragseingang bei Siemens ist in den letzten Monaten regelrecht eingebrochen, und auch in den für Siemens so wichtigen Schwellenländern läuft es längst nicht mehr rund. Die Renditen in den meisten Konzernsparten befinden sich auf Talfahrt.

Siemens muss sparen, und heute präsentiert Löscher seiner Führungsmannschaft im feinen Berliner Hotel Intercontinental die Streichliste. Etwa vier Milliarden Euro wolle das Unternehmen einsparen, haben die Analysten von J.P. Morgan ausgerechnet. Zwar dürften auch Jobs wegfallen, doch ist ein Stellenabbau nicht die Hauptstoßrichtung von Löschers Programm. Er nennt es Effizienzprogramm.

Anfang November wird Löscher der Öffentlichkeit den Plan vorstellen. Die Verwaltung dürfte verschlankt werden. Wahrscheinlich wird Siemens auch manche Aktivitäten in einigen der 190 Länder, in denen der Konzern aktiv ist, auf den Prüfstand stellen.

Auch die Konkurrenten der Münchner spüren das schwierigere konjunkturelle Umfeld, doch die Münchner trifft es härter als etwa ABB oder General Electric. Einige der Probleme bei Siemens sind offenbar hausgemacht. So erwies sich manch ein Zukauf als Flop. Der von Löscher geschaffene vierte Sektor Infrastruktur und Städte enttäuscht beim Geschäft bislang. Risiken bei der Anbindung von Windparks auf See hat Löscher, anders als etwa die Konkurrenz bei ABB, falsch eingeschätzt.

Nicht hundertprozentig hinter dem Chef

Und so werden erste Stimmen laut, die fragen, wie sich die Probleme bei Siemens mittelfristig auf Löschers weitere Karriere auswirken könnten. Vor fünf Jahren kam der Österreicher vom Pharmakonzern Merck zu Siemens und legte erfolgreich den Korruptionssumpf im Konzern trocken. Im Juli hat Löscher seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Sicher, so lange Gerhard Cromme Vorsitzender des Aufsichtsrats ist dürfte die Position des Vorstandsvorsitzenden nicht gefährdet sein. Cromme holte Löscher 2007 an den Wittelsbacher Platz. Andererseits verfügt der Ökonom Löscher im Konzern über keine solide Hausmacht.

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In der Konzernzentrale sitzt Löscher räumlich getrennt von seinen Vorstandskollegen. Hermann Requardt, Chef des Sektors Medizintechnik, stehe nicht voll hinter Löscher, sagen Kenner des Konzerns. Requardt liefert mit seiner Sparte noch die beste Rendite ab.

Auch für Michael Süß, Vorstand für Energie, gilt, dass er nicht hundertprozentig hinter dem Chef steht, und zwischen Löscher und seinen Finanzvorstand Kaeser passe durchaus ein Blatt Papier, heißt es. Es sei zu früh von einer Palastrevolte zu sprechen, sagen Insider, doch fest steht: Löscher muss liefern. Die nächsten Monate dürften spannend werden.

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