Sparprogramm Druck auf den Siemens-Chef

Konzernchef Peter Löscher stellt am Donnerstag seinen Führungskräften ein umfangreiches Sparprogramm vor. Details sind noch nicht bekannt, doch fest steht: Die kommenden Monate werden nicht einfach.

Boehringer Ingelheim legt Sparprogramm auf
Boehringer IngelheimDeutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller will seine Kosten deutlich senken. Der Konzern habe sich das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent in Deutschland einzusparen, erklärte eine Sprecherin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 11. August. "Boehringer Ingelheim reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die großen Veränderungen auf dem Pharmamarkt: Der Preisdruck steigt, der Zugang zu Märkten wird schwieriger, die Konkurrenzsituation verschärft sich weltweit." Ziel sei es, Mittel zu schaffen, um neue Produkte einzuführen und weiter zu investieren. Der Zeitung zufolge hat das Unternehmen bereits einen qualifizierten Einstellungsstopp in Deutschland verhängt. In einer Mitarbeiterzeitung sei auch die Rede davon, dass die Zahl der Angestellten sinken soll. Dies habe das Unternehmen jedoch am Wochenende nicht bestätigen wollen. Quelle: dpa
AudiUnter dem Eindruck sinkender Erträge stellt Audi seine Mitarbeiter auf Einsparungen ein. Das neue Programm "Business 2.0" soll eine Vielzahl von Maßnahmen bringen - ein Stellenabbau ist aber nicht geplant. Als Begründung für die Sparmaßnahmen nannte Audi in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das unserer Redaktion vorliegt, die unsichere Wirtschaftslage in Russland, strukturelle Problemen der Wirtschaft in Brasilien und Südafrika sowie die nachlassende Konjunktur in Deutschland. Quelle: dpa
DaimlerKonzernchef Dieter Zetsche legt beim Sparprogramm "Fit for Leadership" noch eine Schippe drauf. Das berichtet das manager magazin. Bisher sollten damit die Kosten in der Pkw-Sparte Mercedes im laufenden Jahr um gut zwei Milliarden Euro gedrückt werden. Jetzt will Zetsche jährlich weitere 3,5 Milliarden Euro einsparen, um das Gewinnziel von 10 Prozent Umsatzrendite (vor Steuern und Zinsen) noch zu erreichen. Mit seinem Sparprogramm folgt Zetsche auf die Ankündigungen seiner Kollegen in München und Wolfsburg... Quelle: AP
VolkswagenLange Gesichter auch bei Volkswagen. Chef Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte auf milliardenschwere Sparbemühungen eingeschworen: fünf Milliarden Euro bis 2017. So will der Chef die anvisierten sechs Prozent Umsatzrendite in der VW-Pkw-Sparte bis 2018 doch noch schaffen. Vergangenes Jahr kamen aber nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen die Einsparungen unter anderem beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten erreicht werden. Winterkorn beklagte zudem zu hohe Aufwendungen beim Bau neuer Fabriken sowie dem Anlauf von neuen Modellen. Quelle: dpa
BMWDer Autobauer will einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Sparprogramm Milliarden einsparen. Bis 2020 sollten die Kosten um mindestens drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sinken, berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege. Bei BMW war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Quelle: dpa
Siemens Programm "2020"Joe Kaeser gibt Gas und drückt die Kosten. Rund eine Milliarde Euro will er bis 2016 einsparen. Dafür schrumpft er die Zahl der Divisionen - so heißen die Geschäftseinheiten von Antriebstechnik bis zu Windkraft - von 16 auf 9 zusammen. Die so genannte Sektoren-Ebene entfällt vollständig. Aber damit nicht genug. Zum bisherigen Arbeitsplatzabbau von weltweit 15.000 Stellen, der noch unter Vorgänger Peter Löscher beschlossen wurde, kommen weitere mehrere Tausend. Details nannte Kaeser noch nicht. Siemens beschäftigt in Deutschland 130.000 Mitarbeiter. Sie sind größtenteils per Betriebsvereinbarung vor Entlassungen geschützt. Zweck des Rundum-Erneuerungs-Programms: Die Marge soll wachsen. Sie war in den vergangenen zwei Jahren deutlich unter der des Konkurrenten General Electric geblieben. Die zu optimistischen Rendite-Versprechen von 12 Prozent bis 2014 kosteten Peter Löscher im Sommer 2013 den Job. Quelle: dpa
DaimlerDas Sparprogramm „Fit for Leadership (F4L)“ ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis Ende 2014 rund zwei Milliarden Euro sparen. Im Lkw-Bereich sollen es insgesamt 1,6 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen Ersparnisse in der Bussparte. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren. Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema - freiwerdende Stellen werden aber möglicherweise nicht neu besetzt und ältere Mitarbeiter über Alterszeit früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Daimler will Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Im für die Schwaben problematischen Markt China sollen die bisher zwei Vertriebsgesellschaften zu einer zusammenwachsen.Auf der Hauptversammlung am 9. April 2014 kündigte Chef Zetsche an, das Sparprogramm auszuweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung. Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Quelle: dapd

Von einem „steinigen Weg“ sprechen Siemens-Chef Peter Löscher und sein Finanzvorstand Joe Kaeser seit einigen Monaten, wenn sie die Aussichten des Technologieriesen in der näheren Zukunft beschreiben. Der Konjunkturabschwung trifft die Münchner mit voller Wucht. Der Auftragseingang bei Siemens ist in den letzten Monaten regelrecht eingebrochen, und auch in den für Siemens so wichtigen Schwellenländern läuft es längst nicht mehr rund. Die Renditen in den meisten Konzernsparten befinden sich auf Talfahrt.

Siemens muss sparen, und heute präsentiert Löscher seiner Führungsmannschaft im feinen Berliner Hotel Intercontinental die Streichliste. Etwa vier Milliarden Euro wolle das Unternehmen einsparen, haben die Analysten von J.P. Morgan ausgerechnet. Zwar dürften auch Jobs wegfallen, doch ist ein Stellenabbau nicht die Hauptstoßrichtung von Löschers Programm. Er nennt es Effizienzprogramm.

Anfang November wird Löscher der Öffentlichkeit den Plan vorstellen. Die Verwaltung dürfte verschlankt werden. Wahrscheinlich wird Siemens auch manche Aktivitäten in einigen der 190 Länder, in denen der Konzern aktiv ist, auf den Prüfstand stellen.

Auch die Konkurrenten der Münchner spüren das schwierigere konjunkturelle Umfeld, doch die Münchner trifft es härter als etwa ABB oder General Electric. Einige der Probleme bei Siemens sind offenbar hausgemacht. So erwies sich manch ein Zukauf als Flop. Der von Löscher geschaffene vierte Sektor Infrastruktur und Städte enttäuscht beim Geschäft bislang. Risiken bei der Anbindung von Windparks auf See hat Löscher, anders als etwa die Konkurrenz bei ABB, falsch eingeschätzt.

Nicht hundertprozentig hinter dem Chef

Und so werden erste Stimmen laut, die fragen, wie sich die Probleme bei Siemens mittelfristig auf Löschers weitere Karriere auswirken könnten. Vor fünf Jahren kam der Österreicher vom Pharmakonzern Merck zu Siemens und legte erfolgreich den Korruptionssumpf im Konzern trocken. Im Juli hat Löscher seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Sicher, so lange Gerhard Cromme Vorsitzender des Aufsichtsrats ist dürfte die Position des Vorstandsvorsitzenden nicht gefährdet sein. Cromme holte Löscher 2007 an den Wittelsbacher Platz. Andererseits verfügt der Ökonom Löscher im Konzern über keine solide Hausmacht.

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In der Konzernzentrale sitzt Löscher räumlich getrennt von seinen Vorstandskollegen. Hermann Requardt, Chef des Sektors Medizintechnik, stehe nicht voll hinter Löscher, sagen Kenner des Konzerns. Requardt liefert mit seiner Sparte noch die beste Rendite ab.

Auch für Michael Süß, Vorstand für Energie, gilt, dass er nicht hundertprozentig hinter dem Chef steht, und zwischen Löscher und seinen Finanzvorstand Kaeser passe durchaus ein Blatt Papier, heißt es. Es sei zu früh von einer Palastrevolte zu sprechen, sagen Insider, doch fest steht: Löscher muss liefern. Die nächsten Monate dürften spannend werden.

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