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Sparprogramm oder Verstaatlichung Was kann Rolls-Royce noch helfen?

Der Triebwerksbauer Rolls-Royce galt lange als einer der wenigen Lichtblicke der britischen Industrie. Jetzt steckt der einstige Champion mitten in einem grundlegenden Konzernumbau – der auch in Deutschland Jobs bedroht.

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Rolls Royce Turbinen. Quelle: Presse

Die Post aus Brasilien hatte es in sich. Kurz vor dem Jahreswechsel beschloss die dortige Antikorruptionsbehörde, einen ehemaligen Repräsentanten des britischen Triebwerksbauers Rolls-Royce anzuklagen: wegen Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Das kann Rolls-Royce-Chef Warren East nicht brauchen. Der 54-Jährige, der den Krisenkonzern seit Sommer führt, steht bereits unter hohem Druck. Schafft er nicht bald die Wende, droht das Ende der Eigenständigkeit. Die britische Regierung prüft bereits eine Zwangsfusion mit dem Rüstungskonzern BAE oder eine Teilverstaatlichung einzelner Bereiche. Denn Rolls-Royce baut neben Motoren für Passagierjets, Kampfflugzeuge, Schiffe und Ölförderanlagen auch die Antriebe der britischen Atom-U-Boote.


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    Darum hat East seinen Umbau verschärft und will nun jährlich umgerechnet 270 Millionen Euro sparen. Dabei kappt er ganze Führungsebenen und mehrere Tausend Jobs. „Das könnte auch bei uns Hunderte Stellen kosten“, so ein Arbeitnehmervertreter aus Deutschland, wo seit dem Kauf der ehemaligen Tognum 12.000 von 54.000 Rolls-Royce-Beschäftigte arbeiten.

    Der Umbau ist ein Fanal für Großbritannien. Der Konzern aus dem nordenglischen Derby galt lange als einer der wenigen Lichtblicke britischer Industrie, besonders nach der Finanzkrise 2008, als sich die deutsche Wirtschaft dank ihrer Technikfirmen rascher erholte als die britische mit ihrem Fokus auf Banken und Dienstleister. Dank neuer Ideen war Rolls im Kerngeschäft Flug mit weit über zehn Prozent Rendite profitabler als die meisten anderen Industriebetriebe.

    Das ist vorbei. Wenn East am 12. Februar die Bilanz für 2015 vorstellt, erwarten Analysten schlechte Zahlen. Schon 2014 sank der Umsatz, von dem 61 Prozent aus der Flugsparte stammen, um zehn Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. 2015 könnte der Cashflow genannte Mittelzufluss sogar bis zu 150 Millionen Euro ins Minus geraten. Nach fünf Gewinnwarnungen seit Anfang 2014 hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert.

    Auf den ersten Blick ist Rolls Opfer äußerer Umstände. Das Geschäft mit Schiffsmotoren leidet, weil mit dem Ölpreisverfall die Förderung auf hoher See einbrach. Dazu liefert die Flugsparte weniger Motoren aus als geplant, da neue Jets wie Boeings Dreamliner später als geplant auf den Markt kommen.


    Hausgemachte Probleme

    Tatsächlich sind die Probleme größtenteils hausgemacht. Weil im Turbinenbau Größe als Vorteil gilt, wollten Easts Vorgänger durch Zukäufe in zweistelliger Milliardenhöhe zu den Marktführern GE und UTC aus den USA oder auch Siemens aufschließen. Doch anders als diese hat Rolls-Royce seine neuen Beteiligungen weder richtig integriert noch die bestehende interne Bürokratie gekappt. „Für manche Änderungen braucht es 80 Unterschriften“, klagt East.


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    Dazu verpasste Rolls-Royce die Zeitenwende im Fluggeschäft. Der Konzern stieg anders als GE und UTC aus dem schnell wachsenden Geschäft mit Mittelstreckenjets wie dem Airbus A320 aus und bedient nur noch den kleineren Markt der Großraumflugzeuge. Um schneller zu wachsen, setzte Rolls seit 2000 stärker als andere auf langfristige Wartungsverträge. Doch die bringen weniger als erwartet, weil viele Fluglinien wegen der lange steigenden Spritpreise alte Maschinen früher als geplant durch neue ersetzt haben, die weniger Wartung brauchen.

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      Trotzdem glaubt East an eine Wende. Die Sparmaßnahmen sollen helfen, das mit gut 100 Milliarden Euro rein rechnerisch für fünf Jahre ausreichende Auftragsbuch deutlich profitabler abzuarbeiten als heute. Dazu setzt East auf mehr Innovation und will bei allen Sparmaßnahmen das Forschungsbudget bei gut 1,3 Milliarden Euro halten.

      Auto



      Zu guter Letzt hofft East auf mehr Militärgeschäft. Besonders Saudi-Arabien will den Verteidigungsetat um bis zu einem Viertel aufstocken und auch neue Kampfflugzeuge kaufen – mit Rolls-Royce-Motoren.

      „Wir sind ein übergewichtiger Athlet“, sagt East, „doch wir kommen in Form.“ Die Belegschaft glaubt noch nicht recht an den Erfolg. „Es gibt spürbare Unsicherheit“, heißt es in deutschen Arbeitnehmerkreisen.

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