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Sparprogramm RWE will es Eon nachmachen

Von wegen „VoRWEggehen“: Eon hat einen Gewinnsprung verkündet, die Zahlen bei RWE stagnieren. Der Essener Versorger will es nun dem Konkurrenten gleichtun. Der Jobabbau wird ausgeweitet, weitere Schritte folgen.

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RWE-Chef Peter Terium streicht weitere 2400 Stellen. Quelle: dpa

Essen Der Energiekonzern RWE kehrt nach den Einbußen durch die Atomwende nur langsam zu alter Stärke zurück – im Gegensatz zu Konkurrent Eon. RWE will nun den Stellenabbau forcieren. Der neue Vorstandschef Peter Terium treibt das Sparprogramm voran und will zusätzlich rund 2400 der 72.000 Arbeitsplätze streichen. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte RWE angekündigt, rund 8000 Jobs abzubauen.

Der Konzern wolle darüber hinaus bestimmte Funktionen verlagern oder auslagern, teilte der Versorger am Dienstag mit. Betroffen seien rund 2400 Arbeitsplätze. RWE bestätigte damit Berichte aus der vergangenen Woche. RWE macht es damit Eon gleich: Der Jobabbau hat damit in etwa dieselbe Größenordnung wie der des Konkurrenten. Dort hatte Vorstandschef Johannes Teyssen bereits vor einem Jahr bis zu 11.000 Jobs gestrichen und mit dieser überraschenden Ankündigung die Arbeitnehmervertreter auf die Barrikaden gebracht. Bei RWE das bisher geräuschloser vonstatten.

„Diese Personalmaßnahmen sind unumgänglich, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit von RWE erhalten wollen“, sagte der im Juli angetretene Terium. Der RWE-Chef will zudem eine länderübergreifende Kraftwerksgesellschaft gründen, die in Form einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) Anfang 2013 mit Sitz in Deutschland an den Start gehen will.

Im Rahmen des Projekts „Julio II“ sollen dadurch rund 100 Millionen Euro eingespart werden. „Das Konzept des Julio-II-Projektteams sieht vor, die deutschen Steinkohle- und Gaskraftwerke der RWE Power in die europäische Erzeugungsgesellschaft einzubringen, die ihren Sitz in Deutschland haben soll“, heißt es in einem Reuters vorliegenden internen Papier des Konzerns. Essen und Köln gelten als Favoriten für den Standort.

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    Auch hier zieht das Essener Energieunternehmen nach. Der Düsseldorfer Eon-Konzern wird zum Ende dieses Jahres zur europäischen AG.


    Einigung mit Gazprom steht noch aus

    Bei RWE ist im ersten Halbjahr der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwar um neun Prozent auf 5,040 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Versorger am Dienstag mit. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn sei aber mit 1,665 Milliarden Euro um 0,1 Prozent niedriger ausgefallen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebitda von 4,963 Milliarden Euro gerechnet und den nachhaltigen Nettogewinn auf 1,710 Milliarden Euro taxiert.

    RWE bekräftigte die Prognose für 2012, wonach sowohl das Ebitda als auch das betriebliche Ergebnis sowie das nachhaltige Nettoergebnis auf Vorjahresniveau sein sollen. „Damit wird RWE trotz stürmischer Zeiten der dividendenstarke Titel bleiben, den Sie aus der Vergangenheit kennen“, schrieb Terium an die Aktionäre. Die RWE-Aktie bis zum Mittag rund 0,5 Prozent an Wert ein.

    RWE legte seine Zahlen einen Tag nach Eon vor. Die Düsseldorfer hatten für das erste Halbjahr einen Gewinnsprung vermeldet. Eon profitierte dabei insbesondere von dem Abschluss günstigerer Gaslieferverträge. RWE hat hier noch Nachholbedarf. Eine Einigung mit dem Großlieferanten Gazprom steht etwa noch aus.

    Allerdings berichtete Terium, dass der Versorger mit dem norwegischen Statoil-Konzern eine Vereinbarung erzielt hat. Eon hatte sich im Mai zuerst mit Statoil und Anfang Juli dann schließlich auch mit Gazprom auf neue Lieferverträge geeinigt und damit inzwischen 100 Prozent der Verträge nachverhandelt.

    „Mit Statoil hat ein weiterer Lieferant eingewilligt, dass sich die Entgelte nunmehr an den aktuellen Marktbedingungen ausrichten. Dadurch verringern sich nicht nur unsere aktuellen Belastungen, sondern auch die künftigen Risiken“, erläuterte Terium. Mit zwei Gaslieferanten führe RWE noch Preisverhandlungen, hieß es. Sollte RWE sich mit Gazprom einigen, könnte der Energiekonzern bald auch wieder beim Gewinn Konkurrent Eon nacheifern.

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