Sparprogramm Siemens-Chef Löscher versemmelt Zukäufe

Bei Firmenübernahmen bewies Siemens-Vorstandschef Peter Löscher oft keine glückliche Hand. Nun sollen sechs Milliarden Euro eingespart werden. Welche Projekte für Siemens zur Enttäuschung wurden.

Konzernchef Löscher Quelle: Laif

Peter Löscher hatte den Ausstieg aus dem Solargeschäft wohl schon im September vor Augen. Damals sinnierte der Siemens-Chef in Berlin in kleiner Runde über die Zukunft des Wüstenstromprojektes Desertec. Die Rahmenbedingungen in Teilen Nordafrikas hätten sich geändert, erklärte Löscher damals mit Blick auf die politischen Turbulenzen in der Region. Es fehlten die Trassen zur Anbindung nach Europa. Die Idee, dass Afrika die europäischen Länder mit Strom versorge, sei bestenfalls eine langfristige Option. Hoffnungsvoll klang Löscher nicht.

Kaum einen Monat später verkündete der Konzernchef, Siemens wolle seine Solartochter Solel verkaufen. Natürlich nicht nur wegen der schwindenden Zukunftschancen von Desertec, wo Siemens sich engagieren wollte, aber auch deshalb. Auch in anderen Ländern haben sich die Hoffnungen mit dem Solargeschäft nicht erfüllt. Vor allem das Geschäft mit Solarthermie, bei der Sonnenlicht in Wärme und dann in Strom umgewandelt wird, blieb hinter den Erwartungen zurück. Jetzt sucht Siemens einen Käufer für das 2009 für 284 Millionen Euro übernommene israelische Unternehmen Solel.

Zukäufe waren finanzielle Abenteuer

Es ist nicht die einzige Firmenübernahme, die für den Technologiekonzern zur Enttäuschung wurde. Auf ein vor fünf Jahren übernommenes Labordiagnostikunternehmen aus Amerika musste Siemens Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Auch ein Zukauf durch die Lichttochter Osram wurde für das Unternehmen zum finanziellen Abenteuer.

"In den letzten Jahren ist es für Siemens bei Übernahmen überhaupt nicht gut gelaufen", sagt Markus Friebel, Analyst bei Independent Research in Frankfurt. Zu den Problemen bei Akquisitionen kämen eine zu starke Fixierung auf Umsatzwachstum statt auf Erträge, Fehleinschätzungen bei Offshore-Windprojekten in der Nordsee und die weltweite Konjunkturschwäche, die den Auftragseingang abstürzen ließ.

Ohne klaren Kurs

Am Donnerstag hat Löscher daher in Berlin ein umfassendes Sparprogramm verkündet. Bis 2014 sollen sechs Milliarden Euro eingespart werden. Eine Zahl zum Arbeitsplatzabbau nannte das Unternehmen zunächst jedoch nicht - jedoch sagte Löscher dem Sender CNBC: "Ja, es wird Arbeitsplatzeinflüsse geben, aber es geht vor allem um den Kostenaspekt." Das Sparprogramm soll selbst eine Milliarde Euro kosten. Löscher sprach von einem "Fitnessprogramm". Denn zuletzt legten Konkurrenten wie General Electric (GE) und ABB bessere Zahlen als Siemens vor. Dabei wird sich der Österreicher auch die Frage gefallen lassen müssen, wieso er in den zurückliegenden ersten fünf Jahren seiner Amtszeit bei Firmenübernahmen kein glückliches Händchen hatte. "Siemens ließ im Solargeschäft keinen klar Kurs erkennen", kritisiert Leonard Herbig, Direktor des Beratungsunternehmens Zentrum für Solarmarktforschung.

Fehlende Fortüne bei Akquisitionen zieht sich wie ein roter Faden durch Löschers bisheriges Wirken abseits der Erfolge, die er bei der Befreiung des Konzerns von den Korruptionsfällen unter seinem Vorvorgänger Heinrich v. Pierer erzielte. Bei Dade Behring etwa, einem Anbieter von Systemen für die Labordiagnose, muss sich Löscher aus heutiger Sicht übereiltes Handeln vorhalten lassen. Im Herbst 2007 fürchtete er unter anderem, GE könnte sich das US-Unternehmen schnappen.

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