Spezialchemie-Unternehmen Lanxess gründet Kunststoff-Joint-Venture in Milliardendeal mit Advent

Lanxess will unabhängiger von der Autoindustrie werden. Quelle: imago images

Um seine Abhängigkeit von der Autoindustrie zu reduzieren, schließt der Spezialchemiekonzern Lanxess einen Milliardendeal mit einem Finanzinvestor. Der Abschwung der Autobranche setzte dem Kölner Unternehmen zuletzt zu.

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Der Spezialchemiekonzern Lanxess verringert mit einem Milliardendeal mit dem Finanzinvestor Advent seine Abhängigkeit von der Autoindustrie. Zusammen mit Advent übernimmt Lanxess das Kunststoffgeschäft des niederländischen Chemieunternehmens DSM für rund 3,7 Milliarden Euro. Dieses soll in ein neues Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden, an dem Advent mindestens 60 Prozent und Lanxess bis zu 40 Prozent halten wird, wie der Kölner Konzern am Dienstag mitteilte. Lanxess wird auch sein Geschäft mit Hochleistungs-Polymeren, die vor allem in der Autoindustrie eingesetzt werden, in das Joint Venture überführen und erhält eine Zahlung von mindestens 1,1 Milliarden Euro. Finanziert werden soll das Gemeinschaftsunternehmen voll durch Eigenkapital von Advent und Schulden.

Lanxess dünnt sein Portfolio aus

Nach Abschluss des Deals, der für die erste Hälfte des kommenden Jahres erwartet wird, wird das Geschäftsportfolio von Lanxess noch aus drei Spezialchemie-Segmenten bestehen. „Lanxess wird noch einmal deutlich weniger abhängig von Konjunkturschwankungen“, sagte Vorstandschef Matthias Zachert. Bislang macht der Kölner Konzern rund 20 Prozent seines Umsatzes mit der Autoindustrie und bekam deren Abschwung in den vergangenen Jahren merklich zu spüren.

Auch die CO2-Emissionen von Lanxess sollen dadurch sinken, da die Produktion der Kunststoffe sehr energieintensiv ist. „Darüber hinaus stärken wir als Lanxess durch die Erlöse aus der Transaktion unsere Bilanz und gewinnen neuen Spielraum für die Weiterentwicklung unseres Konzerns“, sagte Zachert. Bei Anlegern kam das Vorhaben gut an: Lanxess-Aktien legten mehr als elf Prozent zu und waren mit Abstand größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

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Die Einnahmen will Zachert zur Entschuldung und für einen Aktienrückkauf von bis zu 300 Millionen Euro nutzen. Künftig will sich Lanxess noch auf die drei Bereiche Basis- und Feinchemie, Zusatzstoffe wie Schmierstoffe, Flammschutzadditive oder Kautschukchemikalien sowie Spezialchemikalien, die von Desinfektionsmitteln bis hin zu Wasseraufbereitungstechnologien reichen, konzentrieren. Aus dem Joint Venture mit Advent können die Kölner frühestens nach drei Jahren aussteigen und ihren Anteil dann zur gleichen Bewertung an den Finanzinvestor verkaufen. Die Partner erwarten deutliche Synergien aus dem Zusammenschluss der beiden Geschäfte.

Das kombinierte Unternehmen kommt auf einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro, der etwa je zur Hälfte aus den beiden Geschäften stammt, sowie ein Ergebnis von rund 510 Millionen Euro und wird rund 4000 Mitarbeiter beschäftigen. Die DSM-Sparte zählt zu einem der führenden Anbieter von Spezialmaterialien, die in der Elektro- und Elektronikindustrie sowie bei Konsumgütern eingesetzt werden.

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DSM kündigte nicht nur den Verkauf der Sparte an, sondern will auch mit dem Schweizer Duftstoff- und Aromenhersteller Firmenich fusionieren. Die DSM-Aktionäre sollen 65,5 Prozent am neuen Konzern halten, die Firmenich-Eigner 34,5 Prozent. Diese bekommen zudem 3,5 Milliarden Euro in bar, so dass DSM die Einnahmen aus dem Deal mit Lanxess und Advent gut gelegen kommen.

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