Spielzeug-Klassiker Lego bleibt der Hit im Kinderzimmer

Bausysteme wie Lego und Playmobil sind trotz der elektronischen Spielewelt weiter stark nachgefragt – und verzeichnen gar ein deutliches Umsatzwachstum. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Schenker.

Warum die Lego-Männchen immer böser gucken
Dieser Lego-Hulk hat ziemlich miese Laune - und damit ist er nicht alleine. Laut einer Studie ist die Spielzeugwelt von Lego brutaler geworden. Wissenschaftler der University of Canterbury im neuseeländischen Christchurch sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Lego-Figuren heute deutlich aggressiver seien als in den 1970er Jahren. Quelle: dpa
Vor allem in den Fantasieserien wird gekämpft und gerettet. In der Ninjago-Welt muss das Land vor dunklen Kräften beschützt werden. Superhelden wie Batman, Spiderman und Wonder Woman duellieren sich mit Bösewichten, in der Star-Wars-Serie kämpfen die guten Jedis gegen die dunkle Seite der Macht. Quelle: dapd
„30 Prozent aller Lego-Sets enthalten eine Art von Waffe“, so das Ergebnis der Studie. In den 1990er-Jahren seien sie noch Attribute für Piraten oder Ritter gewesen. Seit der Einführung der Star-Wars-Serie 1999 seien immer neue dazu gekommen. Auch die Präsentation der Figuren in den Katalogen sei brutaler geworden. Quelle: dpa
Lego weist die Kritik zurück. „Wir sind nicht der Meinung, dass unsere Produkte zu Gewalt auffordern“, sagte Kathrine Bisgaard Vase, die Sprecherin des Konzerns im dänischen Billund. In einigen Legowelten gehe es um Konflikte, und die seien Teil des Alltags der Kinder. Außerdem finde man diese Waffen nur in den Fantasiewelten von Lego. In der alltagsorientierten Serie Lego City trage nicht einmal der Polizist eine Pistole. Beide Serien, Lego City und Ninjago, waren im vergangenen Jahr unter den Top Fünf der Verkäufe. Quelle: dpa
Außerdem finde man diese Waffen nur in den Fantasiewelten von Lego. In der alltagsorientierten Serie Lego City trage nicht einmal der Polizist eine Pistole. Beide Serien, Lego City und Ninjago, waren im vergangenen Jahr unter den Top Fünf der Verkäufe. Welche Auswirkungen Gewalt in Videofilmen und Spielzeugen auf Kinder hat, wollen die neuseeländischen Wissenschaftler nicht bewerten. Sie kommen dennoch zu dem Schluss: „Lego-Produkte sind nicht mehr so unschuldig, wie sie einmal waren.“ Quelle: obs

Aus dem Kinderzimmer piept, blinkt und lärmt es, Sirenen heulen auf - und dennoch sind Klassiker wie Lego und Playmobil ohne großen technischen Schnickschnack beliebt wie eh und je. Nach einer Krisenzeit um das Jahr 2009, als technische Konkurrenten wie Laptops, Spielekonsolen und Smartphones das Traditionsspielzeug zu verdrängen schienen, geht es wieder stetig aufwärts. „Auch in diesem Jahr haben die Klassiker ein Plus von mehr als acht Prozent verzeichnet - und das Weihnachtsgeschäft steht noch bevor“, sagt Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie (DVSI). „Mit dem schönen Rückenwind aus dem sehr guten Jahr steht einem guten Weihnachtsgeschäft nichts im Weg.“

Erst Ende Oktober gab der Spielzeugriese Lego bekannt, dass er mit der Produktion seiner bunten Bauklötzchen wegen der großen Nachfrage nicht mehr hinterherkomme. Manche Kinderwünsche nach Bausets könnten unerfüllt bleiben, warnte ein Unternehmenssprecher. Die Nachfrage sei „phänomenal“. Gute Verkaufszahlen bescherten den Dänen zuletzt vor allem die Dauerbrenner Lego City oder Technic. Im ersten Halbjahr verzeichnete die Firma zweistelliges Wachstum, und für 2015 steuert der Spielzeugbauer mit mehr als 15.000 Angestellten auf einen Rekordgewinn zu.

Auch beim fränkischen Hersteller Playmobil brummt das Geschäft mit den freundlich dreinblickenden Männchen aus Plastik. Im 41. Jahr der Firmengeschichte verzeichneten die Zirndorfer bis Oktober ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Inzwischen gibt es nach Firmenangaben mehr als 4600 Varianten des Produkts, gut 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren bewohnen Kinderzimmer in aller Welt.

Einen deutlichen Zuwachs verbuchen nach Angaben des Marktforschungsunternehmens npdgroup außerdem die klassischen Bereiche Spiele (plus acht Prozent) und Puzzles (plus zehn Prozent). Das eine gute Spielidee lange währt, zeigt auch ein Blick in die Hitliste der am besten verkauften Spiele mit Namen wie Monopoly. Laut DVSI blicken Hersteller von Klassikern wie Puppen besonders zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft.

Die Firma Schleich aus Schwäbisch Gmünd, deren Figuren bereits seit 80 Jahren unter dem Weihnachtsbaum liegen, verbucht 2015 nach eigenen Angaben einen zweistelligen Zuwachs. Klassiker bleibt Klassiker, heißt es dort. „Diesen Erfolg verdanken wir auch der Einführung unserer neuen Spielwelten“, sagt Geschäftsführer Dirk Engehausen. Gegenüber Touchscreens und leuchtenden Knöpfen zeichneten sich die Figuren außerdem durch ihre Realitätstreue aus. „Kinder wollen beim Spielen auch echte Steine und Figuren anfassen“, bekräftigt der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS), Willy Fischel.

Die Geschichte Legos

Auch bei Playmobil heißt es, dass der Run auf Sets wie die Kinderklinik mit OP-Saal, Neugeborenenstation und Kinderkrankenzimmer besonders groß sei. Der Trend bei den Klassikern gehe zu den Spielwelten, bestätigt Brobeil. Im Kleinen abbilden, was sich draußen tut, lauten Motto und Herausforderung für die Branche. Ursache für die Renaissance der Spielzeug-Klassiker seien aber auch die Schenker. „Eltern und Großeltern kennen und schätzen das Spielzeug aus ihrer Kindheit - und kaufen das dann auch“, meint Brobeil.

„Die Konsumenten besinnen sich in unserer schnelllebigen, digitalen Welt mit immer weniger Zeit zum Spielen zunehmend wieder auf traditionelle Werte“, sagt Schleich-Chef Engehausen. Davon profitiere seine Marke. Von den Eltern werde außerdem geschätzt, dass Kinder nicht nur Vorgegebenes nachspielten, sondern rund um die Produkte ihre eigene Fantasiewelt entwickeln könnten.

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Allerdings lassen die Hersteller der Klassiker auch die Technik nicht völlig außen vor. Mit Hilfe einer Batterie können Kinder etwa Lego-Technik-Sets antreiben. „Elektronische Features erhöhen sicher regelmäßig den Spielwert von Spielzeugen, sind aber nicht unbedingt Bedingung dafür“, betont Fischel. Und nicht jedes Technik-Spielzeug ist gleich pädagogisch fragwürdig. „Die Kinder lernen mit Spielzeug fürs spätere Leben. Im Leben gibt es Elektronik, also macht es natürlich Sinn, wenn Spielzeug das auch im Kleinen abbildet“, sagt Brobeil. Die Digitalisierung der Produkte sei aber allenfalls eine Ergänzung des Kernsortiments.

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