Sportindustrie Adidas-Chef Rorsted nimmt Reebok ins Visier

Kasper Rorsted will die Marken Reebok und Adidas in den USA trennschärfer führen. Außerdem sollen 150 Mitarbeiter gehen. Was die Entscheidung des neuen Vorstandschefs bedeutet.

Die Marken Adidas und Reebok Quelle: dpa

Nur die rekordverdächtigen Quartalszahlen vorzutragen, die maßgeblich noch auf das Konto seines Vorgänger Herbert Hainer gehen, das war Kasper Rorsted eindeutig zu wenig. Also kündigte er bei seiner ersten Pressekonferenz als Vorstandschef von Adidas gleich etwas an: Er nimmt sich die Tochtermarke Reebok zur Brust.

Die soll in den USA einen Neustart hinlegen. Dazu löst der Konzern eines seiner beiden Hauptquartiere in den Vereinigten Staaten auf. Arbeiteten Reebok-Mitarbeiter und Adidas-Leute in den USA bislang unter einem Dach in Canton im Bundesstaat Massachusetts, trennt Rorsted Reebok nun vom Rest des Konzerns. Mitarbeiter, die bislang für beide Konzern-Marken – Adidas und Reebok ­ tätig waren, ziehen entweder um ins andere Quartier nach Portland oder auch nach Europa. Oder sie verlieren ihren Job. Von derzeit 950 Mitarbeitern werden 150 gehen müssen.

Stattdessen sucht der Konzern für seine 650 Reebok-Leute ein neues schickes Gebäude in Boston. Ziel der Operation ist es laut Rorsted, dass sich die Zweitmarke noch besser als bisher auf den US-Markt fokussiert. Damit macht er vor allem eins: Er korrigiert die Entscheidung, auf diesem wichtigen Markt große Teile der Organisation beider Marken zusammen zu legen. Eine Entscheidung, die innerhalb des Konzerns ohnehin schon länger für Diskussionen gesorgt hatte.

Adidas in Zahlen

Selbst Herbert Hainer war zuvor jahrelang skeptisch gewesen und war lange dagegen, in den USA die Organisation beider Marken zusammen zulegen. Die Marken seien schlicht zu groß und zu unterschiedlich, als das ein solcher Schritt Sinn gemacht hätte, lautete damals das Argument. Im Rest der Welt – etwa auf dem seit einigen Jahren kriselnden russischen Markt ­ hatte der Konzern dagegen beide Marken zusammengelegt.

Dies soll zwar auch in Zukunft so bleiben, führt es doch zu Einsparungen in den Bereichen, von denen der Verbraucher nichts mitbekommt. Doch im wichtigsten Sportmarkt der Welt sollen die beiden Marken nun offensichtlich trennschärfer geführt werden. Spekulationen, der Schritt sei ein Vorgeschmack auf einen möglichen Verkauf von Reebok, wies Rorsted am Donnerstag früh zwar zurück. Die Marke sei ein wichtiger Teil des Konzerns.

Er machte aber auch klar, dass er Reebok im Visier hat. Jeder Teil des Konzerns müsse seinen Beitrag leisten: „Wir haben nicht unendlich Geduld“, sagte der neue Adidas-Chef.

Kurzfristig wird jedoch wohl noch nichts passieren. Erst einmal steht Reebok nun im kommenden Jahr der Umzug bevor. Bei Adidas werden sie hoffen, dass die Marke dann noch einmal ähnlich fulminant zurückkommt, wie es Adidas gerade gelungen ist – nach jüngsten Zahlen haben es die Franken in den USA geschafft, Rang zwei unter den größten Sportmarken vom Angreifer Under Armour zurück zu erobern. Ob Reebok das Zeug dazu hat, wird sich zeigen müssen. Rorsted bereitet jedenfalls verschiedene Möglichkeiten vor, wie es mit Reebok weitergeht.

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