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Stahl-Fusion mit Tata steht Warum der Druck auf Thyssenkrupp nicht nachlässt

Stahl-Fusion von Thyssenkrupp und Tata Steel Quelle: REUTERS

Die Verträge zur Fusion der Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata sind unterschrieben – es ist das bislang größte Projekt von Konzernchef Hiesinger. Weshalb der Druck trotz der Einigung nicht abnehmen wird.

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Zwei Jahre haben die Verhandlungen gedauert, am Samstag haben Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger und der Chef der Tata-Stahlsparte, Natarajan Chandrasekaran, die Verträge unterschrieben. Die beiden Konkurrenten gründen ein neues Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel B.V.. Entstehen soll Europas zweitgrößter Stahlkonzern nach ArcelorMittal mit rund 48.000 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 17 Milliarden Euro und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

Ist die Vertragsunterzeichnung der Durchbruch für Hiesinger?
Ja und nein. Auf der einen Seite ist es ein Befreiungsschlag für Hiesinger, dass er die zwei Jahre dauernden Verhandlungen trotz aller Probleme und Widerstände erfolgreich zu Ende gebracht hat. „Hiesinger sitzt jetzt wieder deutlich fester im Sattel“, stellte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fest.

Aber: Der Druck lässt nicht nach. Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital fordern mehr Tempo bei dem seit Langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns.

Wie steht Cevian zu dem Stahl-Joint-Venture?
Cevian hatte die Abspaltung der Stahl-Sparte lange gefordert – und auch die weiterer Sparten, was die Zerschlagung des Industriekonglomerats bedeuten würde. Nach Informationen des „Handelsblatts“ hat ein Cevian-Vertreter bei der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Freitag gegen die Stahlfusion mit Tata gestimmt. Der Großaktionär verlangt einen schnelleren und radikaleren Umbau als es Hiesinger will. Diese Forderung erneuerte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg am Sonntag. „Jetzt ist es dringend notwendig, die Gelegenheit zu nutzen, um die erhebliche und andauernde Underperformance der Industriesparten zu beseitigen“, sagte Försberg. „Thyssenkrupp ist mit der Strategie des Konglomerats und seiner Matrixorganisation gescheitert. Jetzt muss für jede der Sparten konsequent geprüft werden, welche Struktur und welche Eigentumsverhältnisse am besten geeignet sind.“

Wie geht es jetzt weiter?
In den kommenden Wochen werde nun voraussichtlich das Management des neuen Unternehmens seine Arbeit aufnehmen, sagte Hiesinger am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel. Vorher müssten aber noch die Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss zustimmen. Bis dahin würden beide Unternehmen zunächst noch getrennt am Markt auftreten.

Hiesinger ließ bei der Pressekonferenz offen, wann und wo mit dem Stellenabbau im Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel begonnen wird. Es gebe dafür noch keine Pläne, sagte der Thyssenkrupp-Chef. Die Partner seien aber stets ehrlich gewesen und hätten darauf hingewiesen, dass wohl insgesamt bis zu 4000 Jobs gestrichen werden könnten.

Geht das neue Unternehmen an die Börse?
Zum Zeitpunkt eines möglicherweise geplanten Börsengang des neuen Stahlunternehmens wollten beide Unternehmen zunächst keine Stellung nehmen.

Was sagen die Arbeitnehmer zu der Einigung?
Nach heftigen Protesten hatten zuletzt auch die Arbeitnehmervertreter Zustimmung signalisiert. „Ich bin froh, dass wir Klarheit haben und die Beschäftigten nach einer ewig langen Zeit der Unsicherheit nun wissen, wohin die Reise geht“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Tekin Nasikkol am Samstag. „Wir erwarten, dass die Belegschaft mitgenommen und offen kommuniziert wird.“

Was passiert mit den deutschen Standorten?
Die deutschen Stahlkocher haben eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Hintergrund des Zusammenschlusses sind die weltweiten Überkapazitäten beim Stahl.

Was sagen Experten zu dem Deal?
Experten wie Professor Roland Döhrn vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schließen Einschnitte beim Stahl auch künftig nicht aus. „Solche Fusionen sind häufig der erste Schritt für Bereinigungen“, sagte Döhrn. Der Stahlexperte zeigte sich jedoch überzeugt, dass die bei der Fusion ausgehandelten Garantien verlässlich seien. „Das größte Problem der Stahlindustrie ist, dass die Nachfrage durch den wirtschaftlichen Strukturwandel abnimmt“, sagte Döhrn. Viele Produkte wie etwa Autos enthielten immer weniger Stahl, weil sie immer leichter würden. „Das sind Entwicklungen, denen kann sich die Branche nicht entziehen“, sagte Döhrn. Weltweit stehe die Stahlbranche in den entwickelten Ländern daher vor weiteren Kapazitätsanpassungen.

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