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Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp bereitet sich auf Zerlegung vor

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Neue Investoren

„Der Konzern kommt möglicherweise – auch getrieben von seinen Finanzinvestoren – nicht um eine schmerzhafte Trennung von guten und schlechten Geschäften herum“, sagt ein Vertreter des Arbeitnehmerlagers. Das Wort Zerschlagung steht im Raum, und längst hat es angesichts der Misere für viele ThyssenKrupp-Mitarbeiter den Schrecken verloren. In der Aufzugssparte wird sogar „der Tag herbeigesehnt, an dem sich die Hochtechnologie vom Ballast des krisenhaften Stahlgeschäfts loslöst und eigene Wege geht“, sagt ein Elevator-Manager unverblümt.

Der Aktionärskreis von ThyssenKrupp

Drei internationale Finanzinvestoren halten je fünf Prozent oder etwas mehr an ThyssenKrupp: Franklin Mutual und BlackRock sind schon seit fünf Jahren dabei. Vor zwei Wochen stockte der schwedische Investor Cevian bei ThyssenKrupp auf. 5,2 Prozent hält er nun und kündigte gleich an, noch mehr Aktien erwerben zu wollen.

Die Schweden haben den Ruf, in Unternehmen zu investieren, die sonst niemand haben will – scheinbar aussichtslose Fälle, die nur durch harte Eingriffe ins operative Management saniert werden können. Im Mai 2010 etwa stieg Cevian mit zehn Prozent beim Düsseldorfer Kranhersteller Demag Cranes ein, einer Hinterlassenschaft der alten Mannesmann AG. Ein Jahr später wurde der Anteil für das Doppelte des Kaufpreises wieder losgeschlagen. Der Investor sorgte dafür, dass Demag Cranes Bereiche zusammenlegte, verschlankte und unprofitable Teile abstieß.

Arbeitnehmer sind alarmiert

Als Sofortprogramm erzwang Cevian-Deutschland-Statthalter Jens Tischendorf ein radikales Sparprogramm für den Kranhersteller. Nach der Rosskur steuerte Tischendorf das Unternehmen auf Expansionskurs, drückte den Bau eines Kranwerks in Indien durch und fädelte die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens in China ein. Die Folge war ein Kursanstieg der Aktie, der die internationale Konkurrenz aufmerksam machte. Demag Cranes wurde an den US-Kranhersteller Terex verkauft, der Demag Cranes die Eigenständigkeit und damit den Einfluss der Arbeitnehmer nahm. Das Entscheidungszentrum liegt nun in den USA.

Angesichts solcher Fälle ist die Arbeitnehmerbank bei ThyssenKrupp alarmiert. Sie traut niemandem mehr, der sich für Teile von ThyssenKrupp interessiert, selbst wenn Bestandsgarantien abgegeben werden. Grund ist der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu. Ende 2011 verkaufte ThyssenKrupp seine Edelstahlwerke in Bochum, Krefeld und im Düsseldorfer Stadtteil Benrath sowie das Titanwerk in Essen an die Finnen. Die wollten die deutschen Werke sanieren und zusammenlegen. Am Dienstag vergangener Woche gab Outokumpu bekannt, dass das Bochumer Edelstahlwerk 2014 dichtgemacht wird.

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