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Standortdebatte Deutsche Firmen auf der Flucht

Das aktuelle Jobwunder kann nicht verdecken, dass die Unternehmen stetig Produktion, Forschung und Entwicklung ins Ausland verlagern. Der Trend wird durch die Politik sogar noch forciert.

Die Energiesparte von Siemens wird komplett, einschließlich Führung, vom Stammsitz in München in die USA verlagert. Obama besichtigte in Iowa bereits die Windradproduktion Quelle: REUTERS

Lisa Davis könnte es hier richtig schön haben. Von ihrem neuen Büro im vierten Stock des Siemens-Gebäudes im Nordosten von Orlando hätte die designierte Chefin der Siemens-Energiesparte einen einzigartigen Blick über die Seenlandschaft von Zentralflorida. Wenn denn klar wäre, von wo aus in den USA sie ihren neuen Bereich tatsächlich führen soll. Im Mai noch kündigte Vorstandschef Joe Kaeser an, Davis werde ihren Sitz in Orlando haben, wenig später sollte es Houston in Texas sein, weil dort das Herz der US-Öl- und Gasindustrie liegt, die Davis als neue Siemens-Kunden gewinnen soll.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, die Mission der 50-jährigen Ex-Managerin des Mineralölmultis Shell steht fest. Die Energieexpertin soll die Siemens-Kernsparte amerikanisieren, um den US-Markt zu erobern. Nach der verlorenen Bieterschlacht um den französischen Alstom-Konzern gegen General Electric (GE) ist der Marsch der Turbinenbauer raus aus dem schwächelnden Europa, rein in das boomende US-Energiegeschäft Teil der künftigen Strategie Kaesers gegen den US-Rivalen.

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
Ein Mann schwenkt eine portugiesische Flagge Quelle: AP
Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa

Schon heute arbeiten über 50.000 der 360.000 Siemensianer in den USA, in Zukunft werden es deutlich mehr werden. Vor allem die Produktion großer Kraftwerksteile dürfte wegen der hohen Transportkosten von Standorten wie Berlin langsam, aber sicher über den Atlantik wandern.

Der Umzug der Siemens-Traditionssparte samt Führung ins Ausland wirkt wie ein Menetekel für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Zwar steuert etwa die Metall- und Elektroindustrie hierzulande auf einen Beschäftigungsrekord zu: Im April waren gut 3,7 Millionen Arbeitnehmer in den Betrieben angestellt, 40.000 mehr als im Jahr zuvor.

Den Anfang machte die Textil- und Spielzeugindustrie

Doch solche positiven Nachrichten können nicht verdecken, dass der Trend generell in die andere Richtung geht – über die Grenze, weg aus Deutschland. Nicht nur Konzerne, auch mittelständische Unternehmen verlagern Aktivitäten ins Ausland: entweder weil die Löhne oder Strom- und Gaspreise dort deutlich niedriger sind, weil neue Absatzmärkte vor der Haustür liegen, weil Kunden bereits vor Ort sind oder weil Wechselkursrisiken und Zollschranken eine Verlagerung der Produktion erzwingen.

-Die Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen erreichten 2012 insgesamt knapp 1,2 Billionen Euro – ein Plus von 70 Prozent gegenüber 2001.

-Vor allem die Dax-Konzerne beschäftigen immer mehr Mitarbeiter im Ausland als in Deutschland: der Sportartikelproduzent Adidas rund 90 Prozent.

-Auch die Umsätze entstehen verstärkt im Ausland: Über 90 Prozent sind es etwa beim Industriegasespezialisten Linde.

-Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe liegen 21 Prozent aller Kapazitäten deutscher Unternehmen mittlerweile im Ausland.

Vorreiter dieses langsamen, aber stetigen Exodus waren lohnkostenintensive Branchen wie die Textil- oder die Spielzeugindustrie. Der Sportartikelhersteller Adidas etwa gehört zu diesen sogenannten Early-Movern, die sich schon früh aus Deutschland absetzten. In Scheinfeld, einem 5000-Einwohner-Dorf in Franken, unterhält der Dax-Konzern seine letzte deutsche und zugleich letzte eigene Fabrik. Europas größter Sportkonzern produziert hier jedes Jahr einige Hunderttausend Fußballschuhe – ein Klacks im Vergleich zu den fast 260 Millionen Paar Schuhen, die der Drei-Streifen-Konzern in Asien bei Lohnproduzenten nähen und kleben lässt.

„Kostenvorteile waren in der Vergangenheit oft der ausschlaggebende Grund dafür, dass deutsche Unternehmen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern“, sagt Oliver Knapp, Partner der Strategieberatung Roland Berger und Experte für Operations-Themen. „In der zweiten Phase geht es vor allem darum, lokale Wertschöpfungsketten aufzubauen, um mit eigenen Produkten oder Dienstleistungen näher am Kunden zu sein.“

Doch die immanent betriebswirtschaftliche Logik ist nur ein Grund, der deutsche Unternehmen vertreibt. Denn politische Entscheidungen beschleunigen solche Entwicklungen. „Die Politik setzt die Rahmenbedingungen“, sagt Berger-Berater Knapp, „wenn die nicht passen, wächst bei den Unternehmen die Bereitschaft, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.“

Der Mindestlohn könnte die Unternehmen vertreiben

Die jüngsten Beschlüsse der Großen Koalition zur Einführung flächendeckender Mindestlöhne etwa könnten die Deutschland-Flucht befeuern: „Wenn der Mindestlohn zu schnell steigt, werden Unternehmen, denen schon kleine Kostensteigerungen die Marge wegnehmen, neue Standorte suchen“, warnt Jacques van den Broek, Chef des Zeitarbeitsvermittlers Randstad. Bei der Energiepolitik ist es ähnlich. „Für Unternehmen mit einem hohen Energiekostenanteil könnte die Energiewende einen größeren Einfluss auf künftige Standortentscheidungen haben als bei anderen Branchen“, prophezeit Berater Knapp.

Beim größten deutschen Stromkonzern E.On ist die Flucht aus Deutschland bereits Programm. E.On-Chef Johannes Teyssen hat durch das politisch verordnete Atomstrom-Aus eine sichere Einnahmequelle verloren. „Wir werden in Schwellenländern investieren“, kündigte Teyssen an. E.On trennt sich peu à peu von beträchtlichen Vermögenswerten in Deutschland: Die Stadtwerkegruppe Thüga, mehrere Regionalversorger und ein Fünftel der Kraftwerkskapazität wurden bereits verkauft.

Alternativen zu China

Im Gegenzug stecken die Rheinländer ihre Milliarden in auswärtige Anlagen und Arbeitsplätze. Ein 50-prozentiges Gemeinschaftsunternehmen mit der türkischen Industriellenfamilie Sabanci etwa soll deren rasante Expansionsstrategie am Bosporus stärken. Indirekt hat E.On dadurch schon heute neun Millionen Kunden in der Türkei – 50 Prozent mehr als zu Hause.

Strompreise schrecken immer mehr ab

Investiert wird auch in Großbritannien: 2013 nahm E.On zusammen mit dem dänischen Partner Dong und Masdar aus Abu Dhabi in der Themse-Mündung den größten Offshore-Park der Welt in Betrieb. In Brasilien hat Teyssen ebenfalls große Pläne, musste aber erst einmal Lehrgeld zahlen. Das gemeinsam mit dem Deutsch-Brasilianer Eike Batista gegründete Energieunternehmen Eneva wurde zum Millionengrab, weil dessen Unternehmenskonglomerat 2012 in die Pleite schlidderte.

In Grenznähe geben die hohen deutschen Strompreise besonders schnell den Ausschlag, die Produktion anderswo zu erweitern. Der mittelständische Gasehersteller Basi Schöberl aus Rastatt in Baden-Württemberg etwa verlagerte wegen der niedrigeren Strompreise schon vor 20 Jahren Teile der Produktion nach Frankreich. Mittlerweile stößt das Werk in der Nähe von Straßburg an seine Kapazitätsgrenze. Zwar würde es logistisch für das Unternehmen viel mehr Sinn ergeben, in Deutschland aufzustocken. Doch Energiewende und steigende Strompreise schrecken den Mittelständler ab. „Wir werden eher in Frankreich einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag investieren als in Deutschland einen hohen zweistelligen“, sagt Basi-Schöberl-Chef Ingo Nawrath.

Der größte Teil der deutschen Direktinvestitionen fließt in die USA. Nicht nur wegen des riesigen Heimatmarktes ist das Land attraktiv. Mindestens ebenso wichtig ist die amerikanische Energiepolitik. Anders als in Deutschland soll der sinkende Anteil der Atom- und Kohlekraftwerke an der Stromproduktion nicht nur durch erneuerbare Energien kompensiert werden, sondern auch durch steigende Erdgasförderung und das sogenannte Fracking. Dabei wird ein Chemikalien-Cocktail in den Boden gepresst, um Öl oder Gas zu fördern, was in Deutschland umstritten ist.

Auslandsinvestitionen ausgewählter Unternehmen

Siemens will vom Fracking profitieren

Den Vorteil spüren vor allem Unternehmen mit hohem Energiebedarf in ihren Kassen: Fracking-Erdgas ist um rund zwei Drittel billiger als herkömmliches Erdgas. Die USA könnten damit der Standort mit den niedrigsten Energiepreisen weltweit werden. Nach Einschätzung des World Energy Council werden allein dadurch in den kommenden zwei Jahrzehnten „geschätzte 50 Milliarden Dollar Kapital von Europa in die USA fließen“, das entspreche zwei bis drei Millionen Arbeitsplätzen.

Siemens will mit seinen Turbinen gleich doppelt vom Fracking profitieren: in der Produktion durch niedrige Energiekosten und beim Absatz durch die steigende Nachfrage nach Gasturbinen für neue Kraftwerke. Schon heute ist Siemens in den USA hinter GE die Nummer zwei im Turbinengeschäft. Auf längere Sicht soll sich der Umsatz von 400 auf 800 Millionen Dollar verdoppeln. Dagegen sind die Absatzchancen in Deutschland eher mau: Weil wegen der Energiewende vorrangig Ökostrom ins Netz gespeist wird, bleiben die Gaskraftwerke meist kalt.

In Amerika ist Energie deutlich billiger

Die Energiepreise sind auch für BASF der Hauptgrund, die Produktion zu verlagern: „In den nächsten fünf Jahren wird der Anteil Deutschlands an den weltweiten Investitionen von einem Drittel auf nur noch ein Viertel sinken“, prognostiziert BASF-Chef Kurt Bock und warnt vor einem „schleichenden Auszehrungsprozess“. Neue Anlagen und Projekte plant der weltgrößte Chemiekonzern vor allem in den USA. An der Golfküste soll für mehr als eine Milliarde Euro ein Werk zur Herstellung von Propylen entstehen. Ein neues Ammoniak-Werk zur Düngemittelproduktion ist am bestehenden BASF-Standort in Freeport im Bundesstaat Texas geplant. „Bei der Produktion würden wir von den niedrigeren Gaspreisen profitieren und unsere Kostenposition deutlich verbessern“, sagt Bock.

Und auch das Joint Venture des bayrischen Autobauers BMW mit SGL Carbon existiert und wächst in den USA, weil dort die Energie so billig geworden ist. Die Kohlefasern des Unternehmens ersetzen im Karosseriebau zunehmend Stahl, sind aber besonders energieaufwendig in der Herstellung. Die neue Carbonfaser-Fabrik steht deshalb nicht in Deutschland, sondern in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington. Strom zum Schleuderpreis liefert ein Wasserkraftwerk. Investiert werden rund 300 Millionen Dollar.

Die Carbon-Fabrik ist nicht das einzige BMW-Investment in den USA. 800 weitere neue Arbeitsplätze entstehen in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina. Die Münchner wollen ihre Fabrik schrittweise zum größten Werk des Konzerns ausbauen. Bis 2016 wird eine Milliarde Dollar investiert, die Produktionskapazität soll um 50 Prozent auf 450.000 Autos pro Jahr aufgestockt werden. 8800 Mitarbeiter montieren dort fünf verschiedene Geländewagenmodelle – nicht nur für den US-Markt, 75 Prozent gehen in den Export.

Lohnkosten spielen längst nicht mehr die Hauptrolle

Sind die Kostenvorteile ausgereizt, gewinnen andere Motive für Standortverlagerungen die Oberhand. „Ob sich Unternehmen zum Schritt über die Grenze entschließen, ist mehr vom Globalisierungsgrad der Branche abhängig“, sagt Berger-Berater Knapp.

Auch Mittelständler stellen sich dem Trend zunehmend. Von 93 Entwicklungsprojekten weltweit hat etwa der Automobilzulieferer Webasto aus Stockdorf bei München 36 nach China ausgelagert. Im November eröffnete das Familienunternehmen ein neues Werk in Chongqing, investiert wurden 6,4 Millionen Euro. Bis 2016 sollen hier 180 Mitarbeiter jährlich 700.000 Autodächer produzieren.

Auslandsanteil an Umsatz und Beschäftigten ausgewählter Dax-Konzerne

Bei solchen Investments spielen niedrigere Lohnkosten im Reich der Mitte längst nicht mehr die Hauptrolle. In einer Umfrage der Auslandshandelskammer in China nannte nur ein Drittel der befragten 417 deutschen Unternehmen Kostenersparnisse als Grund für ihr Engagement in China. Wichtiger sind Kundennähe und die Erschließung des gewaltigen chinesischen Marktes.

Trotz der jüngsten Abkühlung ist die Wirtschaftskraft der Volksrepublik immer noch von hoher Dynamik geprägt: Vor allem Konsumgüterhersteller wollen von der heranwachsenden kauflustigen Mittelschicht profitieren. Schon jetzt ist die chinesische Mittelschicht größer als die gesamte US-Bevölkerung mit ihren rund 315 Millionen Menschen. Für Webasto ist China inzwischen mit 31 Prozent der größte Einzelmarkt, der Umsatz stieg von 250 Millionen Euro 2009 auf heute 500 Millionen. Hergestellt werden vor Ort speziell für den chinesischen Markt entwickelte Produkte.

Auch für VW ist China der wichtigste Markt, allein im Mai verkaufte der Konzern mit seinen Joint Ventures 320 000 Fahrzeuge in China, 23 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. „Die Automobilbranche ist der Hauptwachstumstreiber für deutsche Unternehmen“, sagt Christoph Angerbauer von der Auslandshandelskammer in Shanghai. Die Investitionspolitik des Konzerns folgt der Nachfrage: 2013 wurde ein neues Audi-Werk in Foshan im boomenden Perlfluss-Delta mit einer Kapazität von 300 000 Fahrzeugen pro Jahr angefahren.

Die Wachstumslokomotive China zieht Unternehmen ins Ausland

China ist die wichtigste Wachstumslokomotive für deutsche Unternehmen im Ausland. Henkel etwa ist seit 25 Jahren dort aktiv. Im Herbst zündete Vorstandschef Kasper Rorsted die nächste Wachstumsstufe für den Düsseldorfer Waschmittel-, Klebstoff- und Kosmetikhersteller – in Shanghai. In einer gigantischen Fabrik für rund 50 Millionen Euro produziert der Weltmarktführer künftig rund 430 000 Tonnen Klebstoff pro Jahr vor allem für dortige Industriekunden wie den weltgrößten PC-Hersteller Lenovo, den Elektronikriesen Foxconn, VW, BMW oder Adidas.

Anteil ausländischer Aktionäre an Dax-Unternehmen 2013

Die Erschließung neuer Märkte ist auch für den Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern der wichtigste Grund, neue Produktionskapazitäten außerhalb Deutschlands aufzubauen. „Internationalisierung ist mit die wichtigste Säule auf dem Weg zu einem profitablen Wachstum“, sagt Vorstandschef Armin Papperger, „in unseren beiden Feldern Rüstung und Auto findet das Wachstum nicht mehr in Europa statt.“ Mit einem Umbauprogramm will er den Umsatz im Rest der Welt von heute rund einem Drittel auf mehr als 40 Prozent steigern.

Die wichtigsten institutionellen Anleger, die Aktien von Dax-Unternehmen besitzen

Selbst der deutsch-französische Flugzeugbauer Airbus plant die Ausweitung von Kapazitäten im Ausland. Rund 80 Prozent aller Bestellungen stammen von Fluglinien außerhalb Europas. Doch im einzigen Werk außerhalb der Heimatländer Deutschland und Frankreich, im chinesischen Tjianjin, liefen 2013 gerade mal 46 von 626 ausgelieferten Jets vom Band. Das soll sich ändern. 2015 wird in Mobile im US-Bundesstaat Alabama eine neue Montagelinie mit einer Kapazität von bis zu 100 Maschinen im Jahr anlaufen.

Sparen mit Werken im Ausland

Das neue Werk ist auch eine Absicherung gegen Dollar-Kurs-Schwankungen: Zwar kauft Airbus Teile der Elektronik oder Triebwerke in den USA, dennoch nimmt der Konzern deutlich mehr in Dollar ein, als er ausgibt. Sinkt der Dollar-Kurs im Vergleich zum Euro um einen Cent, drückt das den Gewinn um etwa 100 Millionen Euro.

Ebenso geht es deutschen Konzernen in Brasilien nicht nur um die wachsenden Märkte Südamerikas. Die Präsenz am Amazonas hilft auch, die hohen Importzölle auf viele Güter zu vermeiden. BMW, Audi und Daimler lassen derzeit neue Werke für ihre Premiummodelle bauen. Die Zulieferer ziehen nach: Der Reifenhersteller Continental errichtet für 200 Millionen Dollar eine neue Lkw-Reifenfabrik in Camaçari im Nordosten Brasiliens.

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Eher einem Zufall verdankt Hans-Christian Sanders die Expansion im Ausland. Der Chef des Bettdeckenherstellers Gebr. Sanders aus Bramsche bei Osnabrück fertigt seit 1992 in der Ukraine, weil ihm Deutschland zu teuer wurde. „Das mussten wir tun, um den Asiaten mit ihrem Lohnkostenvorteil eine Alternative entgegenzustellen“, sagt Sanders. Inzwischen arbeiten 600 Beschäftigte im äußersten Südwesten des Landes, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zu Ungarn.

Nun sind die niedrigen Lohnkosten für Sanders allenfalls noch ein Vehikel, um die Produktion fern der Heimat auszubauen. Grund ist der Entschluss von Ikea, Produktionsstätten näher an den Absatzmärkten haben zu wollen: für Asiaten in Asien und für Europäer in Europa. Sanders bekam den Zuschlag und fuhr eine zweite Fertigungslinie in der Ukraine hoch. Bis 2018 will er seinen Umsatz gegenüber 2013 auf 90 Millionen Euro verdoppeln.

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