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Steigende Flop-Rate Traditionskonzern Merck - der Loser im Pharmageschäft

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Zoff mit der Sippe

Verlauf der Merck-Aktie

Nach außen hin verhalten sich die Mercks, Stangenbergs, Baillous, Krafts und wie sie sonst noch alle heißen, unauffällig. Sie arbeiten als Winzer, Lehrer, Landwirt oder Künstler. Angeführt wird die Nachkommenschaft des Gründers Friedrich Jacob Merck von dem früheren Investmentbanker Frank Stangenberg-Haverkamp und dem einstigen Psychologen Jon Baumhauer. Im Wochentakt setzen sich die beiden Familiensprecher mit ihrem Statthalter Kley zusammen und sprechen über die Strategie des Unternehmens.

Einmal im Jahr, immer im Juni, trifft sich die Sippe zum geselligen Beisammensein. Bis vor einigen Jahren fanden die Feiern häufig im Garten des Firmenpatriarchen Hans Joachim Langmann in Seeheim-Jungenheim bei Darmstadt statt.

Der heute 88-jährige promovierte Physiker hat zwischen 1970 und 2000 aus dem eher mittelständischen Pillenbetrieb ein internationales Unternehmen gemacht und Merck erfolgreich an die Börse gebracht. Doch schon im letzten Jahrzehnt unter Langmanns Führung ließ die Innovationskraft deutlich nach.

Nur schwer konnte der Patriarch von der Macht lassen. Erst 2000, im Alter von 74 Jahren, übergab er das Staffelholz an den damaligen Merck-Pharmachef Bernhard Scheuble, Physiker wie Langmann.

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    Schon bald lähmte der Streit zwischen dem neuen Boss und den Eigentümern das Unternehmen. Die notwendige Restrukturierung rückte in weitere Ferne.

    Der Plan des Merck-Partriarchen

    Der erste familienfremde Chef an der Konzernspitze fiel durch Extravaganzen auf. Scheuble richtete das pompöse Chefbüro ein und ließ im Besprechungsraum in jeder Tischplatte versenkbare Kameras und Monitore installieren, um die Qualität der Videokonferenzen zu verbessern.

    Die Familie konnte sich seiner Geringschätzung sicher sein. Lieber redete Scheuble mit Aktienanalysten.

    Zum Bruch kam es, als sich Scheuble mit Langmann, der hinter den Kulissen immer noch kräftig mitmischte, überwarf. Um den Medikamenten-Nachschub zu sichern, hatte der Merck-Patriarch den Plan entwickelt, den Konkurrenten Schering auch gegen den Willen des dortigen Managements zu kaufen. Scheuble lehnte eine solche feindliche Übernahme ab. 2005 quittierte er den Top-Job.

    Der Kauf von Schering klappte trotzdem nicht – die angefressenen Berliner ließen sich 2006 lieber von Bayer übernehmen. Unter Übergangschef Michael Römer, einem Chemiker, erwarb Merck im Herbst 2006 für etwa zehn Milliarden Euro das Schweizer Biotech-Unternehmen Serono. Außer dem Mulitple-Sklerose-Präparat Rebif und dem Fruchtbarkeitshormon Gonal-F hat der Kauf wenig gebracht.

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