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Steigender Umsatz US-Firmen suchen Fachkräfte in Deutschland

Die US-Unternehmen machen in Deutschland immer mehr Umsatz. Allein Ford erwirtschaftete 18,8 Milliarden Euro. Doch um den Trend fortsetzen zu können, brauchen die amerikanischen Firmen vor allem eins: Fachkräfte.

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Die Produktion des Ford Fiestas in Köln. Der US-Autohersteller ist der umsatzstärkste amerikanische Konzern in Deutschland. Quelle: dpa

Frankfurt Amerikas Unternehmen schätzen Deutschland als Garant der Stabilität in der Schuldenkrise. Das belegen auch jetzt die steigenden Umsätze und Mitarbeiterzahlen der führenden US-Konzerne wie Ford, McDonald's und Co. in Deutschland. Sie setzten im abgelaufenen Geschäftsjahr hierzulande so viel um wie noch nie.

Doch mindestens genauso sehr schätzen Amerikas Firmen Deutschland als attraktiven High-Tech-Standort. 84 Prozent der von der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Amcham) befragten US-Unternehmen gaben als entscheidendes Plus die vielen gut ausgebildeten Arbeitskräfte in Deutschland an.

„Amerikas Forschung und Experimentierfreudigkeit paaren sich hervorragend mit konsequenter Ausbildung und hoher Qualifizierung“, sagte Otmar Debald, Amcham-Vizepräsident und zugleich Finanzvorstand des Konsumgüterherstellers Procter & Gamble, gestern in Frankfurt bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie.

Die hohe Qualität der Ausbildung ist den Unternehmen noch wichtiger als die zentrale Lage Deutschlands in Europa. Sie hat nur für gut die Hälfte der US-Konzerne eine hohe Bedeutung. Und selbst der Abbau bürokratischer Hürden – in den Vorjahren stets auf Platz eins auf der Wunschliste – hat nicht mehr den großen Stellenwert.

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    Der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist aber so hoch, dass er gar nicht immer gedeckt werden kann. „Der Fachkräftemangel ist zunehmend eine Wachstumsbremse“, sagte Debald. Im Namen seiner 3 000 Mitgliedsfirmen, die 800 000 Menschen in Deutschland beschäftigen, forderte er die Bundesregierung auf, sich noch mehr für eine Zuwanderung von Fachkräften zu öffnen.

    Ob General Electric, Exxon Mobil oder IBM – die Unternehmen suchen händeringend Ingenieure, IT-Spezialisten, Physiker und Mathematiker. Das belegen nach Handelsblatt-Recherchen die vielen Stellenausschreibungen der Firmen in Deutschland.

    Allein GE Deutschland sucht aktuell 226 Mitarbeiter, neben Technik-Experten auch Fachkräfte in den Bereichen Finanzen, Marketing und Risikomanagement. Der Computerhersteller Hewlett-Packard hat 69 Ausschreibungen, darunter Projektmanager und Softwarespezialisten. Mit der „Blauen Karte EU“ hat die Bundesregierung nach Einschätzung der Amcham die Weichen für eine gesteuerte Zuwanderung gestellt. Damit ist gemeint, dass in Deutschland Abschlüsse EU-weit anerkannt werden.


    Deutschland ist Markt Nummer eins

    Darüber hinaus können Akademiker künftig bereits ab einem Gehalt von 44 800 Euro – bei Mangelberufen reichen knapp 35 000 Euro – über die blaue EU-Karte zuwandern. „Allein mit der Geldpolitik lässt sich langfristig kein Wachstum herstellen“, sagte Debald in Anspielung auf die Niedrigzinspolitik der Notenbanken zur Stimulierung der Konjunktur an.

    Die Amcham ist die größte bilaterale Wirtschaftsvereinigung in Europa. Größtes Unternehmen ist Ford mit einem Umsatz von 18,8 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr – das ist so viel wie die Dax-Konzerne Adidas und Beiersdorf zusammen erwirtschafteten.

    Insgesamt steigerten die 50 größten US-Konzerne in Deutschland nach Amcham-Angaben ihre Umsätze um neun Prozent auf 168 Milliarden Euro. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2008 um sechs Milliarden Euro übertroffen. „Deutschland ist damit für die USA der Markt Nummer eins“, sagte Amcham-Präsident Fred Irwin.

    Umsatzsteigerungen gab es in allen Branchen: bei den Autobauern um Ford und Opel um durchschnittlich zehn Prozent und bei den Rohstoff- und Energiekonzernen um 15 Prozent. Noch stärker legten Technologie- und Handelsfirmen zu. Der Internethändler Amazon erhöhte seinen Umsatz in Deutschland binnen eines Jahres um 143 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro – und ist damit nach Procter & Gamble das elftgrößte US-Unternehmen in Deutschland. Der nach Börsenwert weltgrößte Konzern Apple erzielte hierzulande im vergangenen Geschäftsjahr 1,6 Milliarden Euro Umsatz und schob sich auf Rang 33 vor und erstmals in die Top 50.

    Insgesamt schufen die 50 größten US-Konzerne 9 000 neue Arbeitsplätze in Deutschland. Sie beschäftigen 378 000 Mitarbeiter. Mehr als doppelt so viele Angestellte wie noch vor einem Jahr arbeiten bei den IT-Ikonen Amazon und Apple mit insgesamt 2 900 Beschäftigten.

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