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Stiftungsunternehmen Club der guten Kapitalisten

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Unabhängigkeit und Eigenkapital

Liz Mohn Quelle: REUTERS

Mitarbeiter in schwierigen Zeiten zu halten kostet zwar Geld, hat aber für die Unternehmen Vorteile, wie sich nach der letzten Krise gezeigt hat: Dass Bosch von der schnellen Erholung 2010 profitieren konnten, lag vor allem daran, dass die Produktion schnell wieder hochgefahren werden konnte. US-Mitbewerber wie Delphi oder Johnson Controls konnten das nicht, weil sie auf die Absatzkrise 2009 mit Massenentlassungen reagiert hatten.

Dass Stiftungsunternehmen krisenresistenter sind, hat aber vor allem damit zu tun, dass diese Eigentumskonstruktion Schutz vor feindlichen Übernahmeversuchen oder Zerschlagung bietet. Während Börsenunternehmen bei schlechteren Ergebnissen und sinkenden Aktienkursen für Firmenjäger zur leichten Beute werden, sind Stiftungsunternehmen unverkäuflich: Stiftungen leben ewig, „eine anerkannte Stiftung kann nicht mehr widerrufen werden“, sagt Stephan Scherer von der Frankfurter Sozietät Schilling, Zutt & Anschütz.

Stiftungen mit Geburtsfehler

Bleibt der Geburtsfehler mangelhafter Kontrolle. Anders als bei normalen Unternehmen, wo die Anteilseigner das Management kontrollieren, sind Eigentum und Kontrolle bei Stiftungsunternehmen getrennt: Die Anteile gehören der Stiftung, wer das Management kontrolliert, bestimmt der Stifter bei der Gründung. Bei Bosch etwa wird die Geschäftsführung von einer Industrietreuhand kontrolliert, in der auch ehemalige und aktive Geschäftsleitungsmitglieder sitzen. Bei Bertelsmann hat Stiftungsgründer Reinhard Mohn verfügt, dass auch der Vorstandsvorsitzende Mitglied des Aufsichtsgremiums ist – de facto kontrolliert sich das Management damit zumindest teilweise selbst. „Unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten sicher nicht unproblematisch“, räumt Wirtschaftsprofessor Franke ein.

Praktisch muss das für die Unternehmen allerdings nicht unbedingt von Nachteil sein. Nur auf den ersten Blick seien Stiftungsunternehmen in Bezug auf eine wirksame Unternehmenskontrolle keine gute Lösung, hat Frankes Doktorand Herrmann herausgefunden: „Offenbar sind die Zusammenhänge in der Realität erheblich komplexer als in der Theorie unterstellt. Wenn in Management und Aufsichtsgremien gute Leute sitzen, funktioniert das.“

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt

Zumal es um die Verfügungsrechte der Eigentümer börsennotierter AGs auch nicht immer gut bestellt ist: Durch Delegation der Führung an das Management hätten die Aktionäre „wenig Einfluss auf die in ihrem Unternehmen verfolgten Ziele“, kritisiert Herrmann. Dadurch ergäben sich in einer Publikums-AG „weitreichende Ausbeutungsmöglichkeiten“ für Manager und Mitarbeiter.

Industrie



Die könnten „eine Unternehmenspolitik verfolgen, die ihnen in materieller und immaterieller Hinsicht persönlich nützt, jedoch zulasten der Vermögensposition der Aktionäre geht.“

Ein Schelm, wer dabei an Pleitebanker und Finanzjongleure denkt, die die Finanzkrise 2008 auslösten und sich trotzdem Millionen-Boni genehmigten.

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