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Streit um Patente und Präparate Schwellenländer verkaufen Medikamente 97 Prozent billiger

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Gerechtere Gesundheitsversorgung

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase Quelle: dpa
Mann mit Rückenschmerzen sitzt im Büro Quelle: obs
In einer Zahnarztpraxis werden die Zähne eines Jungen untersucht Quelle: dpa
Ein Fieberthermometer liegt auf verschiedenen Arten und Formen von Tabletten Quelle: dpa
Ein Mann zieht an seinem Finger und erzeugt ein Knackgeräusch. Quelle: dpa
Angela Merkel hält ein Schnapsglas in der hand Quelle: AP
Ein Junge steht unter einer Dusche Quelle: dpa

Zudem werfen Hilfsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ den Multis vor, sie stellten Gewinninteressen über das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung in den armen Ländern. „Die richtige Strategie für in Indien aktive Pharmaunternehmen ist es, die Preise zu senken sowie lokal zu forschen und zu produzieren“, sagt deshalb Hermann Mühleck, der für Ernst & Young deutsche Unternehmen berät, die auf dem Subkontinent investieren.

Saket, ein Bezirk in der 18-Millionen-Einwohner Metropole Delhi. Vor schmucken Häusern mit schmiedeeisernen Gittern und gepflegten Vorgärten parken Mittelklassewagen von Hyundai, Suzuki oder Volkswagen. Im Souterrain eines der Gebäude sitzt Amit Sen Gupta. Morgens praktiziert der 53-Jährige als Hausarzt in Saket, nachmittags arbeitet er für das People’s Health Movement, ein globales Netzwerk von Aktivisten, die sich für eine bessere und gerechtere Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern einsetzen. Zu den Kooperationspartnern zählt „Ärzte ohne Grenzen“. Gupta rechnet vor: 30 Prozent der 1,2 Milliarden Inder leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Slums sind allgegenwärtig, Krankheiten weit verbreitet. Jährlich sterben etwa 1,7 Millionen Kinder. Nur 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kommen der Gesundheit der eigenen Bevölkerung zugute, in Deutschland 11,6 Prozent.

Vor diesem Hintergrund hat Gupta wenig Verständnis für die Klagen westlicher Konzerne über fehlenden Patentschutz. „Bayer braucht sich nicht zu beschweren, die haben ihr Nexavar nicht zu einem vernünftigen Preis der Bevölkerung zugänglich gemacht“, findet Gupta. Um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, brauche es billige Medikamente – und Generikahersteller wie Natco, der in Indien nun Nexavar für etwa drei Prozent des ursprünglichen Bayer-Preises verkauft.

Industrie



Billiger und weniger reguliert

Pharmakonzerne wie Bayer profitieren dagegen von Medikamententests, die sie in Indien durchführen lassen, sagt Gupta. Die Studien an den indischen Probanden sind billiger und weniger reguliert als im Westen. Bezahlen können die meisten Testpersonen solche Mittel dann freilich nicht.

Den gesetzlich verordneten Bruch von Patenten hält Aktivist Gupta deshalb für ein probates Mittel. „Alle neuen Krebsmedikamente sind klare Kandidaten für weitere Zwangslizenzen“, sagt der Inder.

„Die Zahl der Zwangslizenzen gegen Unternehmen wird weiter zunehmen“, prognostiziert Oliver Moldenhauer, Kampagnenleiter bei „Ärzte ohne Grenzen“. „Wir brauchen viele neue Aidsmedikamente, um sie in den armen Regionen einzusetzen.“ Zu den möglichen Verlierern könnten die US-Konzerne Abbott, Bristol Myers Squibb oder Gilead gehören.

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