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Streit um Patente und Präparate Schwellenländer verkaufen Medikamente 97 Prozent billiger

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Keine Klage in Schwellenländern

Die umsatzstärksten Medikamente der Welt
Platz 10: MabTheraDer Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: Roche Pharma AGDatenquelle: IMS Health Quelle: Presse
Platz 9: CymbaltaDer Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Lilly Deutschland GmbH Quelle: Presse
Platz 8: RemicadeRemicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH Quelle: Presse
Platz 7: AbilifyOtsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr. Foto: "Abilify bottle" by Eric Gingras, via Wikipedia Quelle: Creative Commons
Platz 6: NexiumDas Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol  liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent. Bild: AstraZeneca Quelle: Presse
Platz 5: Lantus Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält "Insulin glargin" und wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Mit einem Zuwachs von 23,3 Prozent legte es die stärkste Steigerung innerhalb der Top Ten hin. Umsatz 2013: 7,94 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 4: Enbrel7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt. Quelle: AP

Einen Schritt weiter ist Boehringer Ingelheim. Das Unternehmen aus Rheinland-Pfalz stellt unter anderem das Aidsmittel Viramune her, dessen Patentschutz noch läuft. Dennoch hat sich Boehringer in Indien und anderen Schwellenländern dazu verpflichtet, die Hersteller von Viramune-Kopien nicht zu verklagen – sofern sie eine gültige Zulassung besitzen, den Namen Boehringer nicht benutzen und den Export auf ärmere Länder beschränken.

Einen Mittelweg versucht Roche. Ende Oktober widerrief das indische Patent-Berufungsgericht (IPAB) in Delhi das Roche-Patent auf das Hepatitis-C-Medikament Pegasys. Der Preis von umgerechnet 8000 Dollar pro Jahr war den Richtern zu hoch. Nun wollen die Schweizer Pegasys zwar weiter zum Höchstpreis an wohlhabende Inder verkaufen, für den Großteil der armen Bevölkerung jedoch eine günstigere Zweitmarke unter anderem Namen und in neuer Verpackung auflegen. Der Wirkstoff sei jedoch derselbe, versichert Roche.

In Ägypten hat das Unternehmen mit einem solchen Modell gute Erfahrungen gemacht. Unter dem Namen Pegferon etablierten die Eidgenossen in dem arabischen Land bereits vor einigen Jahren eine billigere Zweitmarke zu Pegasys. Seither hat Roche dort 104.000 neue Hepatitis-Patienten gewonnen, die Umsätze haben sich zwischen 2005 und 2010 verneunfacht.

Streit um Aidspräparate

Auch Bayer hat sich, noch bevor Natco seine Nexavar-Lizenz erhielt, etwas einfallen lassen. Kranke, die das Krebsmittel benötigen, müssen sich an einen Onkologen wenden und haben dann die Chance, das Mittel für etwa zehn Prozent des üblichen Preises zu erhalten. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis streitet seit Jahren wegen eines Patents einer neuen Version seines Leukämiepräparats Glivec mit indischen Behörden.

Bis weitere Pharmakonzerne ihre exklusiven Patente verlieren, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein – besonders gefährdet sind Hersteller von Krebs- und Aidspräparaten. Der britische Anbieter AstraZeneca erlitt gerade eine Niederlage vor der indischen Patentbehörde bei einem Krebsmittel. Auch in China zählen die forschenden Medikamentenhersteller mittlerweile zu einer bedrohten Art. Seit März dieses Jahres ist es dort heimischen Herstellern grundsätzlich erlaubt, unter Patentschutz stehende Medikamente zu kopieren – wenn ein „Interesse der Öffentlichkeit“ besteht. Gerüchteweise haben es die Chinesen etwa auf ein Patent des US-Konzerns Gilead Sciences abgesehen, um die grassierende Ausbreitung von Aids in dem Riesenreich in den Griff zu bekommen.

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