Sunways erneut insolvent Chinesen sind nicht die Retter der deutschen Solarindustrie

Einige der strauchelnden deutschen Solarunternehmen wurden von asiatischen Wettbewerbern geschluckt. Was der Einstieg der Unternehmen aus Fernost den deutschen Pleitefirmen bringt. Eine Zwischenbilanz.

Hanwha Q-Cells: Mit einer Fertigungskapazität von 1,3 Gigawatt zählen die Koreaner zu den größten Modulbauern weltweit. Im November wurde mit Hanwha-Panelen in nur zwei Tagen eine Solaranlage auf dem Dach des Davoser Kongresszentrums gebaut, in dem das Weltwirtschaftsforum stattfand.

Alles sah nach einer gelungenen Rettung für die Konstanzer Sunways AG aus. Im Frühjahr 2012 verkaufte der angeschlagene mittelständische Solarzellen- und Wechselrichterhersteller fast drei Viertel seiner Anteile an einen der weltgrößten Solarkonzerne: LDK Solar aus Xinju in der westchinesischen Provinz Jiangxi, Weltmarktführer bei sogenannten Wafern, einem Vorprodukt für Solarzellen und -module.

LDK sollte nicht nur das Überleben von Sunways sichern, sondern dem Unternehmen auch Wachstumschancen in aufstrebenden Solarmärkten wie den USA eröffnen. Als „Deutsche Spitzentechnologie trifft chinesische Kostenvorteile“ wurde die Übernahme öffentlich verkauft.

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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Zwei Jahre später ist die Ernüchterung am Bodensee groß. Trotz des Einstiegs von LDK musste Sunways Mitte 2013 ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über sich ergehen lassen. Antragstellerin war die Baden-Württembergische Bank als Gläubigerin von Sunways. Mehrere Banken hatten zuvor Kredite in Millionenhöhe gekündigt.

Und wo war LDK? Überladen mit Schulden in Höhe von drei Milliarden Dollar, kämpfen die Chinesen selbst ums Überleben. Sogar die Regierung in Peking scheint LDK aufgegeben zu haben. Anfang Januar veröffentlichte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie eine Liste, auf der sich gut 100 Namen von Solarunternehmen finden, die weiter vom Staat gefördert werden. Der Name LDK fehlt. Sunways hat die erste Insolvenz zwar abgewendet, doch nun ist das Unternehmen erneut zahlungsunfähig. Die Konstanzer sind derzeit nicht in der Lage, Löhne und Gehälter zu zahlen. Am 21. März beantragten sie wieder die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Die Top-Ten-Hersteller kristalliner Solarmodule

Durchwachsene Bilanz

Die Krise in der Solarbranche, befeuert durch die Dumpingpreise chinesischer Solarkonzerne, hat in Deutschland Dutzende Firmen in die Insolvenz getrieben. Ganz so weit kam es bei Aleo-Solar nicht. Trotzdem wurde die verlustreiche Bosch-Tochter Mitte der Woche an ein Konsortium um den größten Zellenhersteller der Welt, die taiwanesische Sunrise Global Solar Energy, weitergereicht. Bosch zahlt den Asiaten eine Mitgift von rund 31 Millionen Euro.

Als im Sommer 2012, nach einer beispiellosen Pleitewelle, gleich mehrere Solarunternehmen wie Scheuten oder Solibro von chinesischen Wettbewerbern geschluckt wurden, war der Aufschrei in der Branche unüberhörbar: „Technologieklau“, und „Ausverkauf nach China“ lauteten die Schlagzeilen.

Doch so dramatisch kam es nicht. Bei den übernommenen Unternehmen gibt es Licht und Schatten. Gelungene Übernahmen und gescheiterte Eingriffe halten sich in etwa die Waage. „Von einem Technologieklau bei deutschen Zellen- oder Modulherstellern kann nun wirklich nicht die Rede sein“, sagt Martina Ecker, Leiterin der Industriegruppe Technology & Renewable bei der internationalen M&A-Beratung Lincoln International in Frankfurt. Wenn überhaupt, dann habe es einen freiwilligen Technologietransfer bei deutschen Maschinenbauern gegeben, die die chinesischen Solarkonzerne seit Jahren mit den neuesten Fertigungslinien ausrüsten.

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