Syngenta US-Ausschuss genehmigt Übernahme durch ChemChina

Der Chemieriese ChemChina hat auf dem Weg zur Übernahme des Schweizer Agrarchemiekonzerns Syngenta eine wichtige Hürde genommen.

Syngenta: US-Ausschuss genehmigt Übernahme durch ChemChina Quelle: REUTERS

ChemChina hat bei der milliardenschweren Übernahme des Schweizer Agrarchemiekonzerns Syngenta eine wichtige Hürde genommen. Der US-Regierungsausschuss zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen gab grünes Licht für den Deal. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Chemieriese aus Peking nun weitgehend freie Bahn für den 43 Milliarden Dollar schweren Zukauf hat. Beiden Firmen erklärten am Montag, dass sie weiterhin damit rechnen, die Transaktion bis Jahresende abzuschließen. Signalwirkung könnte die Entscheidung des Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) für andere Zusammenschlüsse in der Branche wie Bayer/Monsanto haben.

An der Schweizer Börse schossen die Syngenta-Aktien zu Wochenbeginn um 12,5 Prozent auf 428 Franken in die Höhe. "Diese Freigabe hat eine der größten Unsicherheiten betreffend den Abschluss der Transaktion beseitigt", erklärten die Analysten von Citi. Wie skeptisch die Anleger waren, spiegelte sich im Aktienkurs wider: Die Titel kosteten an der Börse seit Bekanntgabe von ChemChinas Übernahmeplänen deutlich weniger, als die vom chinesischen Staatskonzern offerierten umgerechnet rund 453 Franken je Titel.

Die bislang größte Akquisition eines chinesischen Unternehmens im Ausland soll dem Land helfen, die Lebensvermittelversorgung seiner Bevölkerung zu verbessern und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts hat sich ChemChina, ein Konzern mit 140.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 45 Milliarden Dollar, mit zahlreichen Zukäufen in der Pestizid-, Vitamin- und Kunststoffherstellung verstärkt. Syngenta-Präsident Michel Demare gab dem Werben von ChemChina-Präsident Ren Jianxin unter dem Druck unzufriedener Aktionäre nach, nachdem er im Vorjahr die Übernahmeavancen des US-Saatgutriesen Monsanto noch abgeblockt und vehement einen Alleingang verfochten hatte. Der Weltmarktführer bei Pflanzenschutzmitteln aus Basel kämpft wie andere Rivalen auch mit dem widrigen Branchenumfeld: Im Vorjahr sank der Umsatz um elf Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar, der Gewinn brach um 17 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar ein.

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Endgültig in trockenen Tüchern ist die Transaktion aber noch nicht. Syngenta und ChemChina arbeiten nach eigenen Angaben eng mit zahlreichen Kartell- und den Zulassungsbehörden zusammen. Diese Gespräche verliefen konstruktiv. CFIUS machte offenbar keine wesentlichen Auflagen. "Jegliche Zugeständnisse sind nicht materiell für Syngentas Geschäft", betonte ein Syngenta-Sprecher.

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Der Ausschuss nimmt beim Verkauf amerikanischer Vermögenswerte vor allem sicherheitsrelevante Aspekte unter die Lupe. Syngenta erzielt rund ein Viertel der Verkaufserlöse in Nordamerika und hat wichtige Produktions- und Forschungsstätten in den US-Bundesstaaten North Carolina, Kalifornien Deleware, Iowa und Minnesota. Gegen den Deal gibt es in den USA heftigen Widerstand. Politiker und Vertreter aus der Landwirtschaft befürchten, dass ein Verkauf an ChemChina die Versorgung mit Saatgut und Pestiziden gefährden könnte. So forderten zahlreiche Anwälte Finanzminister Jacob Lew auf, CFIUS zu veranlassen, die Gefahren für die Nahrungsmittelsicherheit vertieft zu prüfen. Im Mai leitete auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Untersuchung ein. Auch eine Benachteiligung von US-Anbietern in China stand im Raum.

Die CFIUS-Entscheidung könnte nun auch andere Fusionsvorhaben in der Branche voranbringen. Nachdem bei ChemChina/Syngenta nun mehr Klarheit herrsche, könnte dies anderen Deals helfen. So will Bayer für 64 Milliarden Dollar Monsanto schlucken und damit zum weltweit führenden Pflanzenschutz- und Saatguthersteller aufsteigen. Doch die Amerikaner zieren sich bislang: Insidern zufolge gewähre Monsanto dem Leverkusener Chemie- und Pharmariesen selektiv Zugang zu vertraulichen Informationen.

Die gesamte Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Fallende Getreidepreise und instabile Märkte in den Schwellenländern haben den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut zuletzt zugesetzt. Bereits Ende 2015 wurde der Zusammenschluss von Dow Chemical und DuPont zu einem neuen Branchenriesen auf den Weg gebracht.

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