Tagesordnung des Aufsichtsrates Über diese Punkte sprechen heute die VW-Aufseher

Volkswagen steht vor dem Umbruch. Darum trifft sich der Aufsichtsrat heute in Wolfsburg. Was die Aufseher besprechen müssen.

VW: Über diese Punkte sprechen heute die Volkswagen-Aufseher Quelle: dpa

DüsseldorfDer Umbruch in Wolfsburg findet früher statt als ursprünglich geplant. Nachdem Meldungen über einen Abgang von Volkswagen-Chef Müller schon am Dienstag publik wurden, hat der Konzern die Sitzung des 20-köpfigen Aufsichtsrats um einen Tag vorgezogen.

Es gibt viel zu tun: Am heutigen Donnerstag will das Gremium bis spät in die Nacht die Weichen für die Zukunft stellen. Mehrere Vorstände müssen ihren Posten räumen. Dahinter steht aber auch eine strategische Neuausrichtung des größten deutschen Autokonzerns. Eine Übersicht, worüber die Aufseher reden werden:

Wechsel an der Konzernspitze 

Die Ablösung von Konzernchef Matthias Müller ist beschlossene Sache. Denn auch im Aufsichtsrat ist man zur Überzeugung gelangt, dass VW sich personell neu aufstellen muss. Öffentlich war Müller zuletzt mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil aneinandergeraten, weil er die Begrenzung von Managergehältern mit den Verhältnissen in der DDR verglichen hatte. „Komplett abwegig“ sei das gewesen, rügte Weil.

Müllers unglückliche Auftritte in der Öffentlichkeit sollen auch in den Eigentümerfamilien mitunter für Kopfschütteln gesorgt haben. Die Mehrheit im Aufsichtsrat steht gegen Müller. Großaktionäre wie Katar, aber auch die Familien Porsche und Piëch sind sehr zufrieden damit, wie Diess die Kernmarke auf Rendite trimmte.

Unter den Vorständen sorgt die Art und Weise von Müllers Abgang dennoch für Ärger. Schon am Dienstag soll der designierte Nachfolger Herbert Diess detaillierte Pläne für den VW-Konzern vorgestellt haben. Einige vermuten, dass die Machtübernahme von langer Hand geplant war.

Abgang weiterer Vorstände

Dass Personalvorstand Karlheinz Blessing seinen Posten räumen muss, scheint so sicher wie der Abgang von Müller. Unklar ist nur, ob er dem Konzern in anderer Position – beispielsweise als Digitalvorstand – erhalten bleibt.

Mit seinem Abgang erkauft sich Diess den Frieden mit den Gewerkschaften. Denn als Nachfolger des geschassten Personalchefs Blessing soll Gunnar Kilian in den Vorstand aufrücken. Eine Machtdemonstration des Betriebsratschefs und Aufsichtsrates Bernd Osterloh.

Denn mit Kilian schickt dieser seinen engsten Mitarbeiter in den Vorstand. Kilian ist seit 2013 Sprecher des Betriebsrats. Personalverhandlungen werden bei VW damit künftig zum Treffen unter Freunden. Osterloh selbst war als Kandidat für den Vorstandsposten gehandelt worden. Doch ein Seitenwechsel vom Betriebsrat in den Konzernvorstand schien am Ende zu heikel.

Kilian scheint ohnehin eine diplomatisch geschicktere Wahl. Der gelernte Journalist Kilian leitete einst das Salzburger Büro des Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch und kennt darum auch die Machtverhältnisse in den Eigentümerfamilien. Er ist der Garant dafür, den Frieden zwischen dem kostenbewussten Diess mit Gewerkschaftern und Politikern zu wahren.

Ob an diesem Donnerstag weitere Vorstände gehen oder gehen müssen, ist unklar. Denkbar ist vieles: Die Zeit von Beschaffungsvorstand Francisco Javier García Sanz, Audi-Chef Rupert Stadler und China-Vorstand Jochem Heizmann scheint langsam abzulaufen. Aber auch Finanzvorstand Frank Witter soll seinen Unmut über Müllers Demission geäußert haben. Sein Abgang wäre wohl ein schwerer Schock für den Konzern. Denn strukturell wird sich der Konzern verändern.

Börsengang der Lkw-Töchter

Mit der Gründung der Sparte „Truck & Bus“ hat VW längst die Grundlage geschaffen, um das Nutzfahrzeug-Geschäft an die Börse zu bringen. Entsprechende Pläne arbeitet der zuständige Vorstand Andreas Renschler seit Monaten aus. An diesem Donnerstag soll es konkret werden.

Und auch hier scheinen die größten Konflikte schon im Vorfeld entschärft worden zu sein. Die Vertreter des Landes Niedersachsen, Ministerpräsident Weil und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, hatten dafür plädiert, eine neue AG in Hannover anzusiedeln. Doch Renschler plädierte für München, wo auch MAN zuhause ist.

Am Ende hat der Manager die besseren Argumente auf seiner Seite: Weil der Lkw-Bauer MAN schon heute von München aus gesteuert wird, sitzen dort etliche Mitarbeiter. Ein Umzug wäre ein Mammutprojekt geworden. Auch hier kann Renschler mit einer Zustimmung des Aufsichtsrates rechnen. 

Neue Konzernstruktur

Offen ist, ob der Aufsichtsrat heute schon weitere Maßnahmen beschließen wird, mit denen das Riesenreich von Volkswagen aufgeteilt werden soll. Zuletzt hatte der „Spiegel“ über Pläne berichtet, die in Wolfsburg schon seit Jahren diskutiert, aber niemals konkret umgesetzt wurden.

Demnach soll das Zwölf-Marken-Reich in vier Teile unter dem Dach einer Holding strukturiert werden. Eine Gruppe bilden die Volumenmarken VW, Skoda und Seat. Hier würde Diess regieren. Audi soll den Premiumbereich besetzen. Die Sportwagen der Marken Porsche, Bugatti, Bentley und Lamborghini sollen zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Und schließlich sollen die Nutzfahrzeuge von VW, MAN und Scania eigenständiger geführt werden.

Analysten plädieren schon lange für diese Lösung, da VW mit separaten Börsengängen weitere Gelder erlösen könnte. Doch die Macht im Wolfsburger Konzern würde sich damit weiter verschieben. Im Aufsichtsrat dürften vor allem die Gewerkschaftsvertreter Osterloh, aber auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, darauf drängen, dass die Arbeitnehmer ihren Einfluss nicht verlieren. 

Dieselumrüstung und Absatz 

Bei aller strategischen und personellen Neuausrichtung werden die Aufsichtsräte aber auch das Tagesgeschäft nicht aus den Augen verlieren. Während die Absatzzahlen im ersten Quartal sich positiv entwickelt haben, schwelt die Dieseldiskussion weiter. Zuletzt hatten mehrere Razzien bei der Premiumtochter Audi für Negativschlagzeilen gesorgt. 

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