Technologiekonzern Solar-Geschäft belastet Bosch-Bilanz zum letzten Mal

Der Bosch-Konzern hat Umsatz und Rendite im vergangenen Jahr gesteigert. Die starke Abhängigkeit von der Kraftfahrzeugtechnik ist aber eher noch größer geworden, bei der regionalen Verteilung dominiert das Geschäft in Europa.

Volkmar Denner, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Technikkonzerns Bosch, kann einigermaßen zufrieden sein. Quelle: dpa

Bosch-Chef Volkmar Denner kann einigermaßen zufrieden sein: Umsatz und Rendite haben sich im vergangenen Jahr erhöht, seine Appelle an die eigene Belegschaft, das Stiftungsunternehmen müsse schneller und effizienter werden, waren insofern erfolgreich. Von der selbst gesetzten Zielmarke, Umsatz und Rendite jedes Jahr um rund acht Prozent zu steigern ist Bosch aber noch ein gutes Stück entfernt.

Der Umsatz ist 2013 nur um 3,1 Prozent auf 46,1 Milliarden Euro gestiegen, ohne die für Bosch negativen Wechselkurseffekte durch den starken Euro im Vergleich zu den weichen Währungen in wichtigen Absatzmärkten wie etwa Südamerika um 6,3 Prozent. Bereinigt um die Verluste aus dem mittlerweile abgestoßenen Solargeschäft hat Bosch eine Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern von sechs Prozent erreicht - Denners mittelfristige Vorgabe liegt bei acht Prozent.

Die größten Automobilzulieferer
Continental will weiter wachsenTrotz negativer Währungskurseinflüsse und weiter schwacher Konjunktur in Südeuropa hat Continental 2013 deutlich zugelegt. Die Hannoveraner erhöhten ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 33,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 3,7 Milliarden Euro - es handelt sich noch um vorläufige Eckdaten. Die vollständigen Zahlen und den Nettogewinn will Conti bei der Bilanzvorlage am 6. März nennen. Vorstandschef Elmar Degenhart sagte am Rande der Automesse in Detroit, er erwarte 2014 ein Umsatzplus von mehr als 5 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Die deutschen Automobilzulieferer sind im internationalen Vergleich top - doch in puncto Profitabilität läuft ihnen die Konkurrenz aus Korea bereits den Rang ab. Der Zulieferer... Quelle: dpa
... Schaeffler ist dank guter Geschäfte mit seiner Autosparte allerdings ganz ordentlich in das neue Jahr gestartet. Der Bereich sei im Vergleich zu 2012 um drei Prozent gewachsen - der Umsatz der Industriesparte sei dagegen deutlich zurückgegangen. Unter dem Strich habe das fränkische Unternehmen bis Ende März einen Gewinn von 233 Millionen Euro erzielt. Damit ist Schaeffler der profitabelste Automobilzulieferer. Das Ranking der größten Unternehmen der Branche teilen sich jedoch andere. Da noch nicht alle Unternehmen ihre Zahlen für 2013 vorgelegt haben, beziehen sich die Daten in den folgenden Texten auf 2012. Quelle: dpa
Platz 10 - FaureciaDer französische Automobilzulieferer eröffnet die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt. Die Franzosen fertigen Abgasanlagen, Stoßfänger und Innenräume. (Vorjahr: Platz 11) Umsatz 2012: 17,4 Milliarden EuroMarge: 0,5 Milliarden Euro, das entspricht 3,0% vom Umsatz Quelle: Berylls Strategy Advisors
Platz 9 - Johnson ControlsObwohl der nordamerikanische Automarkt 2012 enorm gewachsen ist, konnte der US-Hersteller seine Position vom Vorjahr nicht halten. Die Amerikaner stellen an 1300 Standorten weltweit Elektronik, Batterien, Türen, Innenräume und Sitze her. (Vorjahr: Platz 8) Umsatz 2012: 20,6 Milliarden EuroMarge:1,2 Milliarden Euro; das entspricht 5,6% vom Umsatz Quelle: Presse
Platz 8 - MichelinDer französische Hersteller produziert jährlich über 180 Millionen Reifen und ist mit 69 Produktionsstandorten in 18 Ländern der Welt vertreten. Für Michelin arbeiten mehr als 113.000 Menschen. (Vorjahr: Platz 7) Umsatz 2012 : 21,5 Milliarden EuroMarge: 2,4 Milliarden Euro; 11,3% vom Umsatz Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7 - Hyundai MobisDas Wachstum des koreanischen Zulieferers ist eng mit den Zuwächsen beim Autobauer Hyundai Kia verbunden. Mobis hat aber auch durch die Übernahmen von Daewoo Motors durch GM und Samsung Motors durch Renault-Nissan Zugang zu den zwei größten OEMs der Welt erhalten. 65 Prozent des Geschäfts von Hyundai Mobis werden heute außerhalb des koreanischen Heimatmarktes getätigt. (Vorjahr: Platz 10) Umsatz 2012: 21,8 Milliarden EuroMarge: 2,1 Milliarden Euro; das entspricht 9,4% vom Umsatz Quelle: Presse
Platz 6 - AisinPumpen, Motorteile, Federung und Sicherheitssysteme sind das Geschäft des japanischen Autozulieferers Aisin Seiki. 2011 knackte der Konzern erstmals beim Umsatz die 20-Milliarden-Euro-Marke und hält sie seither souverän. (Vorjahr: Platz 6) Umsatz 2012: 22,5 Milliarden EuroMarge: 1,5 Milliarden Euro; das entspricht 6,7% vom Umsatz Quelle: Presse

Einen Schlussstrich konnte der neue Bosch-Chef unter das Kapitel Solartechnik setzen. Der von Denners Vorgänger Franz Fehrenbach gepäppelte und als Einstieg in das Zukunftsgeschäft vorgesehene Bereich erwies sich wegen des ruinösen Wettbewerbs vor allem durch chinesische Anbieter aber als Milliarden-Grab und Fass ohne Boden: Rund 3,7 Milliarden Euro hat Bosch mit der Solartechnik in den Sand gesetzt, allein 2013 noch einmal 1,3 Milliarden. Nach dem Verkauf der letzten Photovoltaik-Aktivitäten im vergangenen Jahr ist das Thema aber endgültig durch, weitere Verluste sind dort nicht mehr zu befürchten.

Wo Denner ebenfalls erfolgreich war: Sein Lieblingsthema, das Internet der Dinge, konnte 2013 weiter vorangetrieben werden. Bosch ist weltweiter Marktführer bei der als Zukunftstechnologie geltenden Sensorik. Rund eine Milliarde mikromechanische Sensoren verließen im vergangenen Jahr die Bosch-Fabriken in aller Welt, 2014 ist eine weitere Steigerung um 30 Prozent geplant. In jedem zweiten Smartphone stecken Bosch-Sensoren.

Die kleinen Alleskönner sind Voraussetzung für automatisiertes Fahren, sie werden in intelligente Fenster eingebaut, die Heizungen steuern oder vor Einbrechern schützen, sie stecken aber auch in intelligenten Konsumgütern wie automatischen Rasenmähern, die das Grün auf Golfplatz-Länge kürzen, die Blumenbeete aber verschonen.

Besonders erfolgreich hat sich 2013 der Kraftfahrzeugtechnik-Bereich entwickelt. Wechselkursbereinigt legte das Autozuliefergeschäft um gut zehn Prozent auf 30,6 Milliarden Euro zu, die Umsatzrendite stieg auf 7,7 Prozent. Damit kann der neue Autospartenchef Wolf-Henning Scheider eine Super-Bilanz vorlegen: Die Konzernvorgabe von acht Prozent hat er durch eine Zentralisierung des Einkaufs, die Rationalisierung von Fertigung und Verwaltung und durch eine Senkung der Fixkosten fast erreicht.

Auch im Vergleich mit Continental kann Bosch sich wieder sehen lassen: Der Autozulieferer aus Hannover kam zwar 2013 auf eine Umsatzrendite von zehn Prozent, das aber vor allem durch die hohen Margen, die Conti mit seinem Reifenersatzgeschäft erzielt. Bei Antriebstechnik und Elekronik liegen die beiden Kontrahenten bei der Rentabilität mittlerweile wieder gleichauf.

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