WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Tesla Auf dem Weg zum Apple der Autoindustrie

Tesla hat mit dem Roadster für Furore gesorgt. Daimler und Toyota beteiligten sich an dem US-Elektroauto-Start-up. Nun will es mit dem Model S ein breites Publikum ansprechen – und  möchte zum Apple der Branche werden.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Teslas Modell S soll zum Verkaufsschlager werden.

Genf Die Erfolgsgeschichte von Steve Jobs dürfte für Elon Musk, den Mitgründer und Chef des Elektroautobauers Tesla, eine Inspiration sein: Jobs hat es geschafft, Apple vom hochqualitativen Nischenanbieter zum marktbeherrschenden Massenhersteller umzubauen. Auch Tesla vollzieht derzeit diesen Strategiewechsel. Die Herstellung des mehr als 100.000 Dollar teuren Sportwagen Roadsters, der auf dem Lotus Elise basiert, hat Tesla nach 2.250 verkauften Exemplaren eingestellt. Jetzt will das Unternehmen mit der Großserienproduktion des ersten vollständigen Elektroautos beginnen.

Der Automobilwissenschaftler Franz-Rudolf Esch gibt dem Unternehmen „die Chance, das erste iCar der Geschichte zu bauen“. Tesla könnte sich vom Nischenanbieter irgendwann zum ernsthaften Gegenspieler für der Branchenriesen Mercedes-Benz und Audi entwickeln. Das Tesla Model S, das auf dem Genfer Auto-Salon erstmals in Europa zu sehen ist, soll dabei entscheidend mithelfen. Die Werte überzeugen: Bei sparsamer Fahrweise eine Reichweite von rund 450 Kilometern, bietet Platz für bis zu sieben Insassen und wird in der Grundausstattung nur etwa halb so viel kosten wie der Roadster.

Tesla-Mitgründer und -Chef Elon Musk will spätestens Ende Juli, „vielleicht auch kurz davor“, mit der Auslieferung beginnen, wie er im Gespräch mit Handelsblatt Online auf dem Genfer Auto-Salon sagt. 5.000 der Fahrzeuge will Musk noch in diesem Jahr an die Kunden übergeben - obwohl viele Kritiker Zweifel daran haben, dass dem Unternehmen dieser gewaltige Schritt überhaupt gelingt und dann auch noch pünktlich .

2013 soll die Jahresproduktion im kalifornischen Werk, das einstmals von General Motors und Toyota betrieben wurde, auf 20.000 gesteigert werden. Damit will Musk den Umsatz auf 1,5 Milliarden Dollar vervielfachen und es erstmals profitabel machen.

Sorge um eine mangelnde Nachfrage macht sich Musk nach eigener Aussage nicht, obwohl beim Konkurrenzmodell Volt von Chevrolet, dem Elektroauto mit Range Extender, kürzlich die Bänder wegen zu weniger Bestellungen stillstanden. Interessenten würden ohnehin nicht zwischen dem Kauf eines Elektroautos oder eines mit Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeugs wählen, meint Musk, sie entscheiden sich für einen Sportwagen oder eine Limousine und wählen im zweiten Schritt beispielsweise einen Audi A6, einen BMW 5er – oder eben Teslas weitgehend aus Aluminium gefertigtes Model S.

Möglicherweise sei der Volt vielen Menschen für einen Chevy zu teuer, mutmaßt Musk. Für sein Unternehmen sieht er diese Gefahr nicht: „Es ist besser als Premiumanbieter anzufangen und dann den Volumenmarkt zu erobern.“

Musk will dabei die Expertise nutzen, die mit dem Werk zusammenhängt, in dem noch vor wenigen Jahren der Toyota Corolla vom Band lief. Anfangs sollen dort, wo einst 5000 Mitarbeiter tätig waren, 1000 Beschäftigte arbeiten. Sie werden künftig auch den elektrischen Antriebsstrang für den RAV4 des japanischen Partners fertigen, ein Volumen „im vierstelligen Bereich“. Auch der Antriebsstrang für einen elektrifizierten Daimler soll in Kalifornien entstehen, es gehe dabei um viel höhere Stückzahlen als für die zweite Generation des Smarts oder die alte A-Klasse, deren E-Antriebe ebenfalls von Tesla stammten. Laut Daimler eignet sich die Machbarkeitsstudie für einen batterie-elektrischen Antriebsstrang rein technisch am besten für das Segment der Kompaktfahrzeuge. Einen Beschluss für ein entsprechendes Fahrzeugprojekt gebe es aber noch nicht.


„Ohne Daimler würde Tesla nicht existieren“

Der 40-jährige Südafrikaner, der bei der Pressekonferenz leger ohne Krawatte auftritt und mit seinem jugendlichen Aussehen bewusst wie ein IT-Unternehmer aus dem Silicon Valley wirkt (der er ja als ehemaliger Haupteigner des Internetbezahldienstes Paypal sogar ist), scheut sich nicht, das Model S als „bestes und nachhaltigstes Auto der Welt“ anzupreisen.  Er lässt sich auch nicht irritieren als die Veranstaltung von gewaltigen Heavy-Metal-Sounds übertönt wird, die an einem Nachbarstand erklingen

Trotz des selbstbewussten Auftritts hat er eines nicht vergessen: „Ohne Daimler würde Tesla nicht existieren. Daimler hat Tesla gerettet.“ Denn ohne den Einstieg der Schwaben vor etwa drei Jahren hätte das Start-up später wohl niemals einen Kredit in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar von der US-Regierung bekommen, dank dem im Sommer 2010 der Börsengang gelungen ist.

Jetzt aber schaut Musk, der zum Interview später mit Schlips erscheint, nur noch nach vorne. Im Herbst will er auf der Auto-Messe in Paris das Model X präsentieren, ein Crossover mit spektakulären Falkenschwingen-Türen, das die Vorteile von Minivan, Großraumlimousine und Geländewagen vereinen und nach dem Produktionsstart Ende 2013, Anfang 2014 auf ähnliche Stückzahlen wie das Model S kommen soll. Danach will er mit einem kleineren und billigeren Modell Audis A4 und BMWs 3er Konkurrenz machen, bevor dann die zweite Generation des Roadsters auf die Straße kommt.

Und als ob er mit den ehrgeizigen Plänen des Elektroautobauers nicht mehr als genug ausgelastet wäre, führt Musk parallel auch noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das den Mars erobern möchte. Der Mann will eben hoch hinaus.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%