Tesla-Chef in der Kritik Die gebrochenen Versprechen des Elon Musk

Teslas Pleite ist ein schlechter Witz

Schlechter Aprilscherz, stockende Produktion: Tesla hat viele Probleme. Das liegt auch an Irrtümern und falschen Versprechen von CEO Elon Musk.

Elon Musk kann nur hoffen, dass alle Tesla-Kunden so geduldig sind wie Klaus Berndt (Name von der Redaktion geändert). Der Steuerjurist sagt: „Ich habe zwei Model 3 bestellt. Die Verzögerung macht mir nichts aus.“ Für ihn überwiegt die Faszination, „wie sich jemand traut, die etablierte Autoindustrie anzugreifen“. Für seine Nachsicht gibt es freilich noch einen anderen Grund: „Ich habe ja zum Glück bereits einen Tesla.“

Berndt ist einer von rund 500.000 Kunden, die einen Tesla vorbestellt haben. Doch nicht jeder von ihnen dürfte so gelassen auf die Nachricht reagiert haben, dass die Produktion bei Tesla weiter stockt. Wieder einmal hat der der kalifornische Autobauer am Dienstag seine Produktionsziele kassiert.

Bis Ende März wollte CEO Musk mindestens 2500 Autos vom Typ Model 3 pro Woche schaffen. Stattdessen liefen in der letzten März-Woche 2020 Autos vom Band, wie der kalifornische Elektropionier einräumen musste. Insgesamt waren es in der ersten drei Monaten des Jahres lediglich 9766 Stück.

Mit Berndts Wunschauto, dem Model 3 zum Einstiegspreis von 35.000 Dollar, will Tesla als Massenhersteller den Markt für E-Autos erobern. Auch deshalb wird Musk immer wieder von Experten und Aktionären an den Produktionszahlen des Model 3 gemessen. Doch die Massenfertigung ist längst nicht das einzige Versprechen, das Musk gebrochen hat. Tesla droht das Vertrauen von Kunden und Aktionären zu verspielen. Der Überblick über die jüngsten Pannen bei Tesla:

Die Produktion hakt, die Auslieferung stockt

500.000 Autos des Model 3 sollten 2018 ursprünglich vom Band rollen – so der Plan vor rund einem Jahr. Dafür müssten Musks Maschinen und Monteure wöchentlich knapp 10.000 Autos zusammensetzen. Doch selbst das Zwischenziel von 5.000 pro Woche musste Musk bereits zweimal aufschieben. Ende Juni soll es nun so weit sein – daran hält Musk trotz der jüngsten Probleme fest.

Bereits im Februar hatte Tesla reagiert und den ursprünglichen Auslieferungstermin kassiert. In einem Schreiben ließ die kalifornische Firma ihre Kunden in Deutschland wissen, dass es 2018 nichts mehr werde mit dem ihrem neuen Auto. „Ein fester Lieferzeitpunkt wurde bisher nicht genannt“, sagt Tesla-Kunde Berndt.

Die meistverkauften Elektroautos

Und die jüngsten Probleme beschränken sich nicht auf Produktion und Lieferung: Wegen rostiger Schrauben musste Tesla 123.000 Autos des Typs Model S zurück in die Werkstätten rufen.

Ein missratener Aprilscherz

Nervös machte Musk zuletzt aber nicht nur seine Kunden. Am Sonntag setzte Musk einen folgenreichen Tweet ab, in dem er die Pleite seines Unternehmens ankündigte. April, April – doch die Tesla-Aktionäre verstanden da keinen Spaß. Die Aktie fiel daraufhin um mehr als sieben Prozent.

Es war der vorläufige Höhepunkt einer turbulenten Woche für Tesla. Im März sackte der Aktienkurs um rund 20 Prozent ab. Analysten von Bernstein mahnten vorige Woche die hohen Kosten der Tesla-Fabriken an.

Musk hat deutlich mehr Arbeitsschritte automatisiert als anderen Autobauer. Seit ihrem Höchststand im September 2017 hat die Tesla-Aktie sogar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Immer mehr Investoren wetten auf einen weiteren Kursrutsch.

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