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Tesla-Chef in der Kritik Die gebrochenen Versprechen des Elon Musk

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Neues Kapital wird teurer

Derweil hat die Ratingagentur Moody’s aufgrund der Produktionsschwierigkeiten Teslas Kreditwürdigkeit von B2 auf B3 herabgestuft. Eine „größere, baldige Kapitalaufnahme“ sei deutlich wahrscheinlicher geworden. Bislang haben die Investoren alle Kapitalerhöhungen mitgemacht und so insgesamt rund 4,5 Milliarden Dollar ins Unternehmen gepumpt.

Alleine 2017 gab Tesla 3,4 Milliarden Dollar mehr aus, als es einnahm. Immerhin: Das vierte Quartal schlug mit lediglich 277 Millionen Dollar zu Buche. Das habe Tesla „ein wenig Luft zum Atmen gegeben“, schrieb der Barclays-Analyst Brian Johnson.

Musks „Apollo-Moment“

Pionier will Tesla nicht nur beim Elektroauto sein. Sondern auch beim autonomen Fahren. „Komplette Autonomie werden wir in ungefähr zwei Jahren erreicht haben“, sagte Musk – zweieinhalb Jahre ist das bald her. Einen Autopiloten haben Tesla-Autos zwar längst an Bord. Allerdings mahnt der Autobauer seine Kunden, sich im Straßenverkehr nicht allein darauf zu verlassen.

Tesla hat allen Grund vor seinem Autopiloten zu warnen: 2016 verunglückte der Fahrer eines Tesla bei einem Zusammenstoß mit einem Lkw tödlich.

Unfallermittler untersuchen außerdem einen tödlichen Unfall, bei dem ein Tesla des Typs Model X auf einer Autobahn in Kalifornien gegen einen Betonpoller raste. Vor zwei Wochen verursachte ein autonom fahrendes Auto im US-Bundesstaat Arizona erstmals einen Unfall, durch den eine Unbeteiligte starb.

Kein Tesla zwar, sondern ein umgebauter Volvo des US-Mobilitätsdienstes Uber. Doch betroffen ist die ganze Branche: Schon ist von einem „Apollo-Moment“ für die Autoindustrie die Rede – in Anlehnung an einen Raketen-Unfall der Nasa, bei dem im Jahr 1967 drei Astronauten starben.

Statt sich mit den Problemen beim Tesla-Autopiloten oder der schleppenden Auto-Produktion rumzuschlagen, widmet sich Musk viel lieber aufsehenerregenden Prestige-Projekten: Kürzlich schickte Musk mit seinem Raumfahrtunternehmen Space X einen Tesla Roadster ins All. Damit warb Musk für sein nächstes großes Versprechen: Den Raumfahrttourismus: Schon in wenigen Jahren will Musk Privatleute gegen Geld ins All schießen. In welche Sphären Musk derweil mit Tesla vorstoßen will, zeigt ein Blick in seinen Arbeitsvertrag: Sein Vermögen mehrt Musk nur, wenn er Tesla binnen zehn Jahren auf einen Börsenwert von 650 Milliarden beschleunigt. Das lohnt sich für ihn aber richtig: 55 Milliarden Dollar in Aktien würde er erhalten.

Irrtümer bei Produktionszielen, Lieferzeiten und autonomem Fahren hin oder her: Das größte Versprechen hat Elon Musk sich selbst gemacht. Und um das einzulösen, nimmt er die Aufsicht in Teslas Produktionsstätten nun in die eigenen Hände.

„Jetzt heißt es aufteilen und erobern“, schrieb der 46-jährige Konzernchef bei Twitter. Dazu werde er auch wieder sein Schlaflager in der Tesla-Fabrik aufschlagen. „Das Auto-Geschäft ist die Hölle“.

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