Tesla in der Kritik Elon Musk wittert eine Verschwörung

Ein US-Reporter berichtet über technische Probleme beim Model S von Tesla. Auch die US-Behörden untersuchen die Vorfälle. Tesla-Chef Elon Musk wittert eine Intrige hinter den Berichten.

So will Tesla den Massenmarkt elektrisieren
Tesla-CEO Elon Musk stellt das Model 3 vor Quelle: AP
Das Model 3 feierte seine Premiere im Tesla Motors Design Studio im kalifornischen Hawthorne. Quelle: AP
Tesla Model 3 Quelle: PR
Tesla Model 3 Quelle: PR
Einige Kunden warteten schon einen Tag vor der Präsentation vor den firmeneigenen Shops: Quelle: dpa
Tesla Model 3 Quelle: PR
Elon Musk im Jahr 2010 anlässlich des Tesla-Börsengangs an die Nasdaq Quelle: AP
Tesla Model 3 Quelle: REUTERS
Tesla Model 3Tesla-Chef Musk versprach bei der Präsentation in Hawthorne eine Mindestreichweite von 340 Kilometer und eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in unter sechs Sekunden. Er freute sich über die riesige Nachfrage und sagte „in den letzten 24 Stunden hat die Zahl der Vorbestellungen 115.000 überschritten.” Tesla werde die produzierte Stückzahl auf jährlich 500.000 Fahrzeuge steigern.  Quelle: PR
Tesla Model 3 Quelle: REUTERS
Tesla Model 3Mit Chevrolet hat eine große US-Traditionsmarke ein ebenfalls günstiges Elektroauto angekündigt, und der Bolt soll schon in diesem Jahr herauskommen, früher als das Model 3. Auf die „Wired“-Frage ob er die Konkurrenz fürchte, sagte Tesla-Designer Franz von Holzhausen: „Wir betrachten es als Auftrag von Tesla, dass irgendwann alle Menschen Elektroautos fahren werden. Und das können wir nicht alleine schaffen. Wir finden es gut, wenn andere Firmen dazu stoßen und somit mehr Elektroautos auf die Straße kommen. Natürlich bedeutet das für uns Konkurrenz. Es bedeutet aber auch, dass mehr Menschen als früher sich vorstellen können, ein Auto mit Elektroantrieb zu fahren. Sollte der Bolt also ein Flop werden, wäre das auch für uns nicht gut. Denn solch ein Misserfolg fiele auf das ganze Segment der Elektroautos zurück.“ Quelle: PR
Tesla Model 3Ob es beim Preis von 35.000 Dollar am Ende bleibt, ist fraglich. Mehr Leistung und Sonderausstattung lassen die Kalifornier sich in der Regel gut bezahlen, und sie bieten sowohl bei Model S und Model X besonders teure und schnelle Performance-Varianten an. „Der Einstiegspreis ist so mythisch wie ein Einhorn“, sagt denn auch Alexander Edwards, Chef der Marktforschung Strategic Vision. Doch selbst wenn das Model 3 teurer wird, hat es Startvorteile gegenüber dem Wettbewerb: Es passen nicht nur fünf Personen hinein. Elon Musk kündigte auch an, die weltweite Zahl der firmeneigenen Supercharger-Ladestationen bis Ende 2017 zu verdoppeln. Und an denen laden Tesla-Kunden ihre Fahrzeugbatterien bislang sowohl in Rekordgeschwindigkeit als auch gratis auf. Quelle: REUTERS

Als hätte Tesla nicht genug Schwierigkeiten. Seit Wochen kämpft Gründer Elon Musk mit Problemen in der Produktion des neuen Model X. Nun kommen weitere schlechte Nachrichten hinzu: Vergangene Woche berichtete der US-Fachblog Daily Kanban über technische Probleme bei Tesla. Ausgerechnet beim Bestseller des amerikanischen Elektropioniers, dem Model S, soll es bei etlichen Kunden zu Problemen mit den Radaufhängungen gekommen sein, hieß es in dem Bericht.

Und damit nicht genug: Tesla-Kunden, die den Schaden reparieren ließen, hätten eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen müssen, heißt es in dem Artikel. Eine Praxis, die am Ende auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA auf den Plan gerufen habe. Weltweit griffen Medien den Bericht über die mutmaßlichen Qualitätsprobleme und die fragwürdigen Verschwiegenheitserklärungen auf, auch die renommierte Automobilseite „Automotive News”. Gründer Elon Musk gefielen die Berichte offenbar nicht.

Die Tesla-Chronik

Im hauseigenen Unternehmensblog ging Tesla am vergangenen Donnerstag zum Gegenangriff über. In einem Beitrag bestritt der Elektropionier die Vorwürfe und übte massive Kritik an der Recherche – und an Reporter Edward Niedermeyer, der die mutmaßlichen Missstände aufgedeckt hatte.

Dieser habe schon zuvor außerordentlich negativ über Tesla berichtet. Man wisse nicht, „ob er oder seine Partner finanziell davon profitieren, dass Teslas Aktienkurs sinkt“, heißt es in dem Tesla-Statement weiter. Aber es sei wichtig, festzuhalten, dass an der Börse mittlerweile mit sieben Milliarden Dollar auf einen fallende Tesla-Aktienkurs gewettet werde. Kurz: Die Kalifornier wittern hinter dem Bericht eine Verschwörung.

Auf Twitter gab Unternehmensgründer Elon Musk den Gerüchten am Samstag weitere Nahrung. 37 der 40 Beschwerden bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde seien gefälscht gewesen. „Es sieht so aus als ob eine oder mehrere Personen den falschen Eindruck von Sicherheitsproblemen erzeugen wollten, obwohl es keine gibt”, schrieb Musk. „Die Frage ist nur warum?“

Ermittlungen sind nicht eingestellt

Reporter Edward Niedermeyer will diese Verdächtigungen nicht auf sich sitzen lassen. In einem Blogpost antwortete er am Montag auf Teslas Vorwürfe und übt seinerseits scharfe Kritik an der Kommunikationspolitik des Herstellers. „Ich habe zu keiner Zeit und werde unter keinen Umständen irgendwelche Finanzprodukte besitzen, mit denen ich von irgendeiner Entwicklung des Tesla-Aktienkurses profitieren könnte“, stellt der Reporter darin klar. Tesla versuche, ihn persönlich zu diskreditieren, um zu vertuschen, dass man gegen Sicherheits- und Regulierungsvorschriften verstoßen habe.

Durch die persönliche Kritik sei er im Internet von tausenden Tesla-Anhängern attackiert worden, schreibt Niedermeyer weiter. Teile der Presse, „beeindruckt von den attraktiven Autos von Tesla oder eingeschüchtert von den brutalen Attacken gegen jeden, der anderer Meinung ist“, würden mittlerweile jede Kritik als Hass umdeuten und kritische Themen weitgehend ignorieren. Durch den Kult seiner Anhänger sei der Autobauer mittlerweile unfähig, Kritik einzustecken.

Auf seinem Twitter -Account betont Musk, dass die US-Verkehrsbehörde keine Sicherheitsbedenken bezüglich des Model S geäußert habe und darum „keine weiteren Daten diesbezüglich angefordert” habe. Eingestellt sind die Ermittlungen damit aber nicht. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters untersucht die Behörde die Vorfälle weiterhin.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%