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Teure Stahlimporte Deutliche Kritik an Trumps Stahlzöllen – auf beiden Seiten des Atlantiks

US-Präsident Trump will die heimischen Stahlhersteller schützen. Doch sowohl in Amerika als auch in Europa wächst die Kritik der Unternehmen.

Donald Trumps Stahlzölle: Kritik auf beiden Seiten des Atlantiks Quelle: dpa

DüsseldorfUm zu demonstrieren, dass die Arbeiter Amerikas hinter ihm stehen, hatte US-Präsident Donald Trump sie gleich ins Weiße Haus eingeladen. Während der Präsident seine Unterschrift unter die Importzölle auf Stahl und Aluminium setzte, stand hinter ihm eine Gruppe von Stahlarbeitern. Das ist die Berufsgruppe, die Trump mit dem umstrittenen Vorhaben schützen will.

Doch auch die US-Industrie ist längst nicht so geschlossen. wie es sich der US-Präsident wünschen würde. „Die heutige Aktion wird am Ende mehr amerikanische Jobs kosten als sie schaffen wird – und sie wird die Preise erhöhen“, warnt Gary Shapiro, Chef der Consumer Technology Association, die rund 2200 Unternehmen der Unterhaltungselektronik-Industrie vertritt.

Mit seiner Kritik ist der Branchensprecher nicht alleine. Auch in der US-Autoindustrie fürchten die Hersteller, dass Trump mit seinem Vorhaben einen weltweiten Zoll-Wettbewerb lostreten könnte, der am Ende auch der amerikanischen Industrie schaden könnte.

Die Alliance of Automobile Manufacturers warnt bereits vor steigenden Stahlpreisen – auch für Stahl, der in den USA hergestellt wird. Die Folge seien höhere Fahrzeugpreise. Für den US-Automarkt, der ohnehin auf eine Absatzkrise zusteuert, wären das schlechte Nachrichten.

In Europa fällt die Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten noch harscher aus: „Die USA schotten sich mit dieser Entscheidung bei Stahl weitgehend vom Rest der Welt ab“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Mit dem protektionistischen Eingriff verschaffe die US-Regierung der amerikanischen Stahlindustrie unfaire Wettbewerbsvorteile. Der Preisdruck auf Stahl in Europa werde nun steigen.

„Die Entscheidung bezieht unberechtigterweise EU-Produzenten ein, die stark unter dem Verlust eines ihrer größten Exportmärkte leiden werden“, sagte Axel Eggert, Generaldirektor des europäischen Stahlverbands Eurofer. „Die Begründung der Nationalen Sicherheit, die der Präsident benutzt hat – und der Bezug dieser Zölle zu Nato-Beiträgen – ist eine Absurdität.“

Es bestehe die Gefahr des Verlusts Zehntausender Jobs im europäischen Stahlsektor und angrenzenden Branchen. Auch die USA dürften letztlich Jobs durch die Maßnahmen verlieren, meint Eggert. „Die EU wird sich in diesem Zusammenhang vor allem mit der Frage befassen müssen, welche Maßnahmen und Instrumente notwendig sind, um eine unangemessene Umleitung globaler Handelsströme nach Europa zu verhindern“, ergänzte Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender des Stahlherstellers Voestalpine.

Das Unternehmen selbst sieht sich von den US-Schutzzöllen kaum bedroht. Der Konzern tätige etwa zwei Drittel seiner US-Umsätze von rund 1,2 Milliarden Euro als lokaler Erzeuger vor Ort und sei daher größtenteils von den geplanten Maßnahmen nicht direkt berührt, teilte Voestalpine am Freitag mit. Doch die europäischen Stahlhersteller wünschen sich nun ebenfalls einen gesonderten Schutz vor dem billigen Stahl aus Fernost.

Nicht umsonst warnt der Verband der deutschen Maschinenbauer (VDMA) bereits vor einer „Spirale aus wechselseitigen Strafzöllen“, die nur Verlierer produzieren werde. Es bleibe nur die Hoffnung, dass sich EU und USA vor Inkrafttreten der Zölle noch auf eine Aussetzung einigen, teilte der Branchenverband mit.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) forderte die EU-Kommission auf, entschieden und besonnen auf die Zölle zu reagieren. „Mit Emotionen kommen wir nicht weiter, wir brauchen eine sachliche Debatte“, sagt VDA-Präsident Bernhard Mattes. Maßgeblich seien die Prinzipien der WTO. „Ein Handelskrieg zwischen den USA und Europa muss auf jeden Fall vermieden werden. In einem solchen Handelskrieg gibt es keine Gewinner, auf keiner Seite.“

Die weltweiten Einfuhrzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und auf Aluminium in Höhe von 10 Prozent sollen innerhalb von 15 Tagen in Kraft treten, wie Trump am Donnerstag in Washington bekanntgab. Ausgenommen werden zunächst nur die Nachbarn Mexiko und Kanada.

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